Cavendish siegt in Paris

Armstrong macht Ärger - Contador gewinnt die Tour

Alberto Contador darf sich über seinen dritten Tour-Sieg freuen und Mark Cavendish gewinnt seine fünfte Etappe bei der diesjährigen Tour de France. Das Grüne Trikot bleibt bei Alessandro Petacchi.

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Zwei Rivalen, Hand in Hand. Ein versöhnlicher Abschluss, nachdem es zwischendurch etwas Ärger gab zwischen Contador und Schleck.

Ein hartumkämpfter dritter Triumph für Alberto Contador, eine müde Abschiedstour von Lance Armstrong und Enttäuschung bei den Deutschen: Die spannungsgeladene 97. Tour de France, die am Sonntag nach 3642 Kilometern auf den Pariser Champs Elysées zu Ende ging, war eine Berg- und Talfahrt der Emotionen. Contador gewann mit der Lächerlichkeit von 39 Sekunden vor dem Luxemburger Andy Schleck, der dem Spanier nicht nur in den Bergen sehr zusetzte.

Schaulaufen der Topfahrer

"Das war sehr, sehr hart. Ich war nicht auf dem Niveau des Vorjahres", zog der Madrilene nach dem Zeitfahren von Pauillac Bilanz, schlug die Hände vor das Gesicht und vergoss Tränen der Freude und Erleichterung. Bei seinen vorangegangenen Erfolgen 2007 und 2009 hatte der 27-Jährige, der seinen Gesamterfolg wie zuletzt sein Landsmann Oscar Pereiro 2006 ohne Etappensieg perfekt machte, weniger Arbeit mit der Konkurrenz.

Nachdem beim Kampf gegen die Uhr am Samstag Fabian Cancellara noch einmal zugeschlagen und dem zweitplatzierten Tony Martin den Wunschtraum vom ersten Etappensieg verdorben hatte, trumpfte im Finale am Sonntag erneut Mark Cavendish auf. Auf der Abschlussetappe über 102,5 Kilometer auf die Pariser Prachtstraße, traditionell für die Topfahrer ein Schaulaufen mit Nichtangriffspakt, spurtete der Brite zu seinem fünften diesjährigen Tagessieg.

Nach einem schwachen Tourstart blieb der Teamkollege von Martin damit nur um einen Sieg unter seiner Traummarke von 2009 und schloss mit insgesamt 15 Erfolgen zum belgischen Sprinter Freddy Maertens auf. Trotzdem verpasste er das Grüne Trikot, das sich zum ersten Mal im zarten Alter von 36 Jahren Alessandro Petacchi überstreifen durfte. Ausgiebige Feiern dürfte der auf der letzten Etappe zweitplatzierte Italiener jedoch vermeiden, steht er doch einmal mehr unter Doping-Verdacht - noch in dieser Woche muss er in Padua dem Staatsanwalt Rede und Antwort stehen.

Eklat um Armstrong-Team

Zu Beginn des Schlussakkords fühlte sich der geschlagene Lance Armstrong noch einmal wie zu alten Zeiten. Alle Kameras waren auf den 38-Jährigen und sein RadioShack-Team gerichtet. Um sportliche Erfolge ging es bei dem Bohei nicht, sondern um Armstrongs mögliche Disqualifikation.

Der einstige Patron und seine Teamkollegen waren zum neutralen Start in Longjumeau in Sondertrikots von Armstrongs Krebsstiftung Livestrong erschienen. Laut Reglement dürfen die Fahrer nur das offiziell angemeldete Trikot ihres Teams tragen. Ein Wechsel innerhalb eines Rennens ist verboten.

Erst als die Jury mit einer Disqualifikation drohte, hatten die Fahrer ein Einsehen und wechselten die Trikots. Die Fahrer, zu denen auch Andreas Klöden zählte, hielten an und wechselten zum Ärger der Tour-Organisatoren in aller Ruhe ihre Startnummern. Erst Minuten nach dem scharfen Start nahm Armstrong ebenfalls das Rennen auf.

Doch auch nach seinem endgültigen Abschied von der Tour wird Armstrong weiterhin im Rampenlicht stehen, wenn auch nicht so, wie er es mag. Denn bei seiner Rückkehr nach Amerika erwartet den "Boss" eine Tour durch die Gerichtssäle. Chef-Ermittler Jeff Novitzky sehnte im das Ende der Tour herbei. Doping ist in den USA nicht strafbar, doch er will Armstrong wegen Betrugs und Verschwörung im früheren Team US Postal auf der Anklagebank sehen.

Tour-Tourist Armstrong freut sich auf "Strand und Bier"

In dieser Beziehung dürfte auch auf Lance Armstrong in den USA einiges zukommen. Den Abschied von der Tour - seiner 13. - hat sich der im übernächsten Monat 39 Jahre alt werdende Rekordsieger sicher anders vorgestellt. "Ich wäre gerne jünger und schneller", hatte er nach der 16. Etappe in Pau resümiert, als er als Etappensechster in einer Spitzengruppe noch einmal ganz kurz alte Klasse aufblitzen ließ. Ansonsten hatte die unnötige Ehrenrunde des siebenfachen Toursiegers für Armstrong-Fans viel Trauriges. Der einstmals unumschränkte Boss, von Stürzen in Serie gepeinigt und als "Radtourist" verspottet, rollte in Paris auf Rang 23 ein.

"Das war mein letztes Zeitfahren bei der Tour", hatte er am Samstag getwittert. Auch auf seinem einstigen Lieblingsterrain war er mit 7:05 Minuten Rückstand auf Cancellara chancenlos geblieben. In Paris nahm ihn seine Familie in den Arm, er freute sich auf "Strand und Bier". Seinetwegen begann die Final-Etappe später, weil er erst überzeugt werden musste, dass er nicht mit der Startnummer 28 - die Zahl steht für 28 Millionen Krebskranke in der Welt - starten durfte.

Deutscher Radsport auf dem Tiefpunkt

Die Tour der Deutschen versprühte nicht viel mehr Charme als die letzten Kilometer der Armstrong-Karriere: Mehr als drei zweite Plätze durch Martin und Gerald Ciolek sprangen für die 15 deutschen Tour- Starter in 23 Tagen Tortur nicht heraus. Wie der Texaner gab auch das Milram-Team seine Abschiedsvorstellung - und blieb ähnlich erfolglos. Der Ausstieg des Sponsors stand bereits fest, die Fahrer waren mit ihren Gedanken schon bei neuen Arbeitgebern: Das konnte nichts werden.

"Ich sehe schwarz für die Zukunft des deutschen Radsports", meinte Milram-Kapitän Linus Gerdemann. "Zurück in der Steinzeit" wähnte sich Routinier Jens Voigt angesichts der Tatsache, dass der deutsche Radsport zukünftig in der Eliteliga nicht mehr vertreten sein wird. Andreas Klödens 14. Rang als bester Deutscher passte zur neuen Bescheidenheit im Radsport hierzulande.

Gesamtwertung, nach der 20. Etappe

1. Alberto Contador (Spanien) - Astana 91:58:48 Std.

2. Andy Schleck (Luxemburg) - Saxo Bank + 0:39 Min.

3. Denis Mentschow (Russland) - Rabobank + 2:01

4. Samuel Sanchez (Spanien) - Euskaltel-Euskadi + 3:40

5. Jurgen van den Broeck (Belgien) - Omega Pharma-Lotto + 6:54

6. Robert Gesink (Niederlande) - Rabobank + 9:31

7. Ryder Hesjedal (Kanada) - Garmin-Transitions + 10:15

8. Joaquin Rodriguez (Spanien) - Katusha + 11:37

9. Roman Kreuziger (Tschechien) - Liquigas-Doimo + 11:54

10. Christopher Horner (USA) - Radioshack + 12:02

14. Andreas Klöden (Kreuzlingen/Schweiz) - Radioshack + 16:36

56. Grischa Niermann (Hannover) - Rabobank + 1:46:32 Std.

80. Sebastian Lang (Erfurt) - Omega Pharma-Lotto + 2:29:38

84. Linus Gerdemann (Münster) - Milram + 2:36:15

90. Johannes Fröhlinger (Freiburg) - Milram + 2:49:23

91. Christian Knees (Euskirchen) - Milram + 2:53:38

119. Fabian Wegmann (Freiburg) - Milram + 3:17:53

126. Jens Voigt (Berlin) - Saxo Bank + 3:23:31

133. Gerald Ciolek (Pulheim) - Milram + 3:27:36

135. Danilo Hondo (Cottbus) - Lampre + 3:29:12

137. Tony Martin (Schwalbach) - HTC-Columbia + 3:31:10

161. Marcus Burghardt (Steinmaur/Schweiz) - BMC + 4:00:47

168. Andreas Klier (Denderwindeke/Belgien) - Cervelo + 4:17:16

169. Bert Grabsch (Kreuzlingen/Schweiz) - HTC-Columbia + 4:23:01

Sprintwertung, nach der 20. Etappe

1. Alessandro Petacchi (Italien) - Lampre 243 Pkt.; 2. Mark Cavendish (Großbritannien) - HTC-Columbia 232; 3. Thor Hushovd (Norwegen) - Cervelo 222; 4. José Rojas (Spanien) - Caisse d'Epargne 179; 5. Robbie McEwen (Australien) - Katusha 179; 6. Boasson Hagen (Norwegen) - Sky 161; ...8. Gerald Ciolek (Pulheim) - Milram 126; 33. Danilo Hondo (Cottbus) - Lampre 45; 45. Christian Knees (Euskirchen) - Milram 37; 52. Sebastian Lang (Erfurt) - Omega Pharma-Lotto 31; 61. Linus Gerdemann (Münster) - Milram 26; 62. Tony Martin (Schwalbach) - HTC-Columbia 26; 72. Andreas Klöden (Kreuzlingen/Schweiz) - Radioshack 19; 98. Bert Grabsch (Kreuzlingen/Schweiz) - HTC-Columbia 12; 107. Johannes Fröhlinger (Freiburg) - Milram 8; 117. Jens Voigt (Berlin) - Saxo Bank 6; 127. Marcus Burghardt (Steinmaur/Schweiz) - BMC 4; 130. Fabian Wegmann (Freiburg) - Milram 3; 138. Grischa Niermann (Hannover) - Rabobank

Bergwertung, nach der 20. Etappe

1. Anthony Charteau (Frankreich) - Bouygues Telecom 143 Pkt.; 2. Christophe Moreau (Frankreich) - Caisse d'Epargne 128; 3. Andy Schleck (Luxemburg) - Saxo Bank 116; 4. Alberto Contador (Spanien) - Astana 112; 5. Damiano Cunego (Italien) - Lampre 99; 6. Samuel Sanchez (Spanien) - Euskaltel-Euskadi 96; ...37. Jens Voigt (Berlin) - Saxo Bank 29; 44. Marcus Burghardt (Steinmaur/Schweiz) - BMC 24; 53. Danilo Hondo (Cottbus) - Lampre 16; 61. Christian Knees (Euskirchen) - Milram 11; 66. Johannes Fröhlinger (Freiburg) - Milram 8; 67. Sebastian Lang (Erfurt) - Omega Pharma-Lotto

Mannschafts-Gesamtwertung, nach der 20. Etappe

1. Radioshack (USA) 276:02:03 Std.; 2. Caisse d'Epargne (Spanien) + 9:15 Min.; 3. Rabobank (Niederlande) + 27:49; 4. Ag2r (Frankreich) + 41:10; 5. Omega Pharma-Lotto (Belgien) + 51:01; 6. Astana (Kasachstan) + 56:16; ...22. Milram (Deutschland) + 6:05:41 Std.

(dpa, SID, N24)

25.07.2010 18:20 Uhr

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