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Geheime Afghanistan-Akten

Militäreinsatz schmutziger als bekannt

Eine Internetseite hat Zehntausende geheime Dokumente zum Afghanistan-Krieg veröffentlicht. Die Papiere zeigen, wie "schmutzig" der Kampf am Hindukusch wirklich ist.

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In dem Bericht geht beispielsweise um Einsätze der Task Force 373, einer US-Eliteeinheit. Sie sei darauf spezialisiert, Top-Taliban gezielt auszuschalten.
Video: Terror in Afghanistan - Geheime US-Akten veröffentlicht
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Afghanistan und der Krieg sind seit über 30 Jahren untrennbar miteinander verbunden. Die politischen Unruhen in der ehemaligen britischen Kolonie, an der Schnittstelle zwischen Zentral- und Südasien, beginnen in den 1970ern.
1973 wird Afghanistan Republik, fünf Jahre später ermorden Kommunisten Präsident Mohammed Daoud-Khan. Die Rothemden ergreifen die Macht, können sich aber nur aufgrund ihrer Unterstützung durch die Sowjets behaupten. Gleichzeitig wächst der Widerstand.
Im Kampf gegen die Kommunisten bilden sich muslemische Guerilla-Gruppen - die Geburtsstunde der Mudschahidin, der "Heiligen Krieger". Es folgen eine Reihe politischer Morde und die Invasion durch die sowjetische Armee.
Als erster lässt Präsident Taraki (l.) im September 1979 sein Leben. Hafizullah Amin, der angeblich die Strippen hinter der Ermordung zog, übernimmt die Geschäfte. Wenige Monate später ereilt ihn dasselbe Schicksal, als Babrak Karmal (r.) ...
... mit Hilfe der sowjetischen Armee im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert. Die sowjetische Offensive wird am 14. Januar 1980 von der UN-Vollversammlung verurteilt. Karmal beerbt Amin nach dessen Sturz und Ermordung im Amt.
Als Kurzeinsatz der UdSSR geplant, entwickelt sich sie Invasion zu einem zehnjährigen Krieg. Trotz einer Streitmacht von über 100.000 Soldaten können die Sowjets das Land gegen die muslemischen Rebellen nicht unter Kontrolle bringen.
Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges unterstützen insbesondere die USA die Widerstandskämpfer mit Waffen und lassen durch den Geheimdienst CIA in den pakistanischen Flüchtlingslagern Mudschahidin ...
... militärisch ausbilden. Erst mit Michail Gorbatschow ändert sich die Außenpolitik der UdSSR. Im Mai 1986 wird Karmal durch den Geheimdienst-Chef Najibullah (Bild) ersetzt. Die erhoffte Wende im Konflikt bleibt aber aus.
Bereits Ende der 80er Jahre gründet sich Al-Kaida ("Die Basis") im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Zunächst widmet sich das fundamentalistische Terrornetzwerk vor allem dem Kampf gegen die sowjetische Besatzungsmacht ...
Im Februar 1988 ordnet Gorbatschow den Abzug der sowjetischen Truppen an. Nach offiziellen Angaben haben die Sowjets rund 15.000 Tote zu beklagen, auf afghanischer Seite sind es mehr als eine Million. Nach dem Abzug beginnt ...
... der Bürgerkrieg, in dem sich verschiedene muslimische Gruppierungen gegenüber stehen. Die Taliban, eine radikal-islamische Miliz, die auch Al-Kaida Unterschlupf gewährt, erobert nach und nach das Land.
Mitte der 1990er Jahre werden die Taliban unter Mulla Mohammed Omar zur mächtigsten Bewegung des Landes. Nach dem Sturz Najibullahs gelten in Afghanistan streng religiöse Gesetze. Das Land wird zur ...
... Brutstätte und zum Ausbildungslager von Terroristen. Widerstand gibt es im nordöstlichen Teil des Landes, der sich als "Vereinigte Front" gegen die Taliban verbündet. Nach verschiedenen terroristischen ...
... Anschlägen im Auftrag der Terrorgruppe El Kaida erreicht der Krieg 2001 eine neue Dimension: Die Anschläge auf das amerikanische World Trade Center im September 2001, als deren Drahtzieher sich El Kaida herausstellt, leiten den ...
... globalen Krieg gegen den Terrorismus ein. Nach den Attentaten weigern sich die Taliban, Osama Bin Laden an die USA auszuliefern.
Infolgedessen beginnen die USA und ihre Verbündeten die Operation "Enduring Freedom" (Dauerhafte Freiheit).
Am 7. Oktober 2001 üben amerikanische und britische Streitkräfte in Afghanistan gezielte Angriffe mit Cruise Missles und Marschflugkörpern aus. Neben der Vernichtung von Ausbildungsstellen ...
... und Führungseinrichtungen von El Kaida soll auch das Regime der fundamentalistischen Taliban gestürzt werden. Den Krieg rechtfertigen die USA unter Berufung ...
... auf die UN-Charta als "Selbstverteidiung" und legitimieren ihn damit völkerrechtlich. Nach wochenlangen Luftangriffen durch die USA gelingt der Sturz der Taliban, die "Vereinigte Front" nimmt Kabul, Kandahar und Kundus ein.
Kurz darauf schalten sich die USA mit Bodentruppen ein - auch um der "Vereinigten Front" Einhalt zu gewähren. Im Dezember 2001 wird der Paschtune Hamid Karsai bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn als Übergangspräsident bestimmt.
Um den Wiederaufbau zu unterstützen, erteilt der UN-Sicherheitsrat 2001 ISAF ("International Security Force")-Mandate unter NATO-Führung. Daraufhin entsenden verschiedene Länder zum ISAF-Einsatz Schutztruppen nach Afghanistan, die ...
... sich auch 2010, fast zehn Jahre später, noch im Land befinden. Ihr Ziel ist es, afghanische Sicherheitstruppen und Polizeieinheiten aufzubauen ...
... die Infrastruktur, wie zum Beispiel die örtliche Stromversorgung zu verbessern, sowie die Gründung von Schulen und Bildungseinrichtungen. Die Bestrebungen stehen unter keinem guten Stern: Zu übermachtig sind die ...
... Taliban. Die Konflikte halten an, Terroranschläge auf die Zivilbevölkerung und ISAF-Stützpunkte sind zum traurigen Alltag geworden - daran ändern auch rund 70.000 Soldaten aus 41 Ländern nichts.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen räumt ein, dass die internationale Gemeinschaft den Einsatz am Hindukusch unterschätzt habe. "Nach neun Jahren internationalen Engagements ist es auf schmerzvolle Weise deutlich geworden, ....
... dass der Preis, den wir zahlen müssen, viel höher ist als erwartet - insbesondere angesichts all der getöteten internationalen und afghanischen Soldaten", schreibt Rasmussen vor der Afghanistan-Konferenz im Juli 2010.
Die Taliban lassen nicht locker. Fast 2.000 Soldaten der internationalen Koalition sind bislang am Hindukusch ums Leben gekommen. Allein im Juni wurden 102 ausländische Soldaten getötet, die höchste Zahl seit neun Jahren.
Hinzu kommt, dass Präsident Karsai zwar bei den Wahlen Ende 2009 im Amt bestätigt wurde, ihm allerdings eine breite Zustimmung in der Bevölkerung fehlt. Seiner Regierung wird Wahlfälschung vorgeworfen.
Geplant ist, die Sicherheitsverantwortung bis 2014 an die Afghanen zurückzugeben. Die internationale Gemeinschaft sagte dafür eine Aufstockung ihrer Hilfen zu. Im Gegenzug versprach die afghanische Regierung, ihre Anstrengungen zu erhöhen.
Ob diese Ziele erreicht werden können, bleibt fraglich. Zu groß ist die Macht der Clans, die ihre Priorität nicht auf den Frieden setzen - sondern auf Drogenhandel, Schmuggel oder religiöse Überzeugung.
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Großoffensive in Afghanistan: Die Operation "Muschtarak" ("Gemeinsam") läuft seit dem 13. Februar 2010.
Afghanische Soldaten mit einem inhaftierten Taliban: Der Einsatz konzentriert sich auf die Bekämpfung der islamisch-fundamentalistischen Milizen im Süden Afghanistans.
Seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 ist es der bislang größte Angriff gegen die Taliban.
15.000 afghanische und ausländische Soldaten gehen gegen die Aufständischen in Helmand, der am stärksten umkämpften Provinz in Afghanistan, vor.
Kämpfer der afghanischen Nationalarmee bereiten sich auf ihren Einsatz vor.
Die meisten der ausländischen Soldaten, die an der Operation "Muschtarak" beteiligt sind, sind Briten und Amerikaner.
Ein Soldat der U.S Marines späht durch ein Loch in einer Mauer während eines Feuergefechts mit Taliban-Kämpfern.
Fahrzeuge mit US-Soldaten fahren über ein Schlachtfeld in Marschda, ein Distrikt, auf den sich das Kampfgebiet erstreckt. Der andere ist ...
... Nad Ali. Hier hält eine Soldatin Nachtwache auf einem Hausdach.
Bei der Großoffensive im Süden leisten die Taliban anhaltenden Widerstand gegen die vorrückenden Streitkräfte.
"Die Aufständischen sind taktisch versiert, haben Widerstandsfähigkeit und sind hinterlistig", so die Internationale Schutztruppe ISAF in ihrem Lagebericht.
Seit Beginn der Offensive wurden mehrere Soldaten getötet, darunter auch Briten und Amerikaner.
Festgenommen: Ein Taliban mit auf den Rücken gebundenen Händen. Nach Berichten von Korrespondenten amerikanischer und britischer Medien kamen ...
... bei der Operation "Muschtarak" bereits zahlreiche Taliban ums Leben.
Behören und Militärs nannten noch keine offiziellen Zahlen.
Afghanische Soldaten wärmen sich am Feuer.
Leidtragende einer solchen Offensive ist natürlich auch die Zivilbevölkerung.
Seit Beginn der Operation töteten ISAF-Soldaten bereits mehrfach versehentlich Zivilisten.
Ein amerikanischer Soldat trägt den 7-jährigen Sayd Rahman, um ihn in Sicherheit zu bringen.
Der Junge wurde während eines Kreuzfeuers zwischen ISAF-Soldaten und Tailban in der Nähe der Taliban-Hochburg von Mardscha angeschossen.
Absurde Normalität neben dem Kampfgebiet: Östlich der Operation "Muschtarak" wartet ein Afghane in Kabul auf Kunden, die sich gegen Geld wiegen lassen wollen.
Jugendliche spielen vor dem zerstörten Darul Aman-Palast Fußball.
Eine mit Stofffetzen improvisierte Vogelscheuche auf einem Feld in Helmand. Im Hintergrund bewaffnete US-Soldaten.
Neben der Großoffensive in Südafghanistan sind auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden des Landes Militärschläge gegen die Taliban geplant.
Allerdings soll dieser Einsatz laut Bundesverteidigungsministerium nicht so groß angelegt sein wie die Operation "Muschtarak".
Video: Abzug bis 2014? - Int. Afghanistan-Konferenz in Kabul
Video: N24 Zoom - Reportage: Bundeswehr in Afghanistan
Video: Umkämpfter Kundus - Bundeswehr in Afghanistan rüstet auf
Video: Kundus-Tagebuch - Steffen Schwarzkopf in Afghanistan, Tag 1
Video: Kundus-Tagebuch - Steffen Schwarzkopf in Afghanistan, Tag 2
Video: Kundus-Tagebuch - Steffen Schwarzkopf in Afghanistan, Tag 3
Video: Kundus-Tagebuch - Steffen Schwarzkopf in Afghanistan, Tag 4
Video: Kundus-Tagebuch - Steffen Schwarzkopf in Afghanistan, Tag 5
Video: Was erlauben Strunz?! - Krieg in Afghanistan - Wofür?

Der Krieg gegen die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan verläuft schmutziger und gefährlicher als bislang bekannt. Wie aus der Veröffentlichung von über 90.000 - überwiegend geheimen - US-Militärdokumenten im Internet hervorgeht, ist die Zahl der zivilen Opfer höher als angenommen. Und im Einsatzgebiet der Bundeswehr ist die Sicherheitslage offenkundig schlechter als von der Bundesregierung eingeräumt. Außerdem zeigen die Enthüllungen, dass US-Militärs über Jahre von einer direkten Kooperation des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI mit den Taliban ausgingen. Zudem sind die afghanischen Verbündeten teils unzuverlässig, teils korrupt, teils terrorisieren sie die eigene Bevölkerung. In den vergangenen Jahren seien "Realitäten weich gezeichnet worden", sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in einem Interview des Fernsehsenders Phoenix.

Die Dokumente der am Hindukusch kämpfenden US-Truppen wurden von der Enthüllungs-Website Wikileaks in der Nacht zum Montag veröffentlicht. In den Akten "scheinen Beweise von Kriegsverbrechen zu sein", sagte Wikileaks-Gründer Julian Assange vor Reportern in London - nannte aber keine Belege. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sowie die Zeitungen "New York Times" und "Guardian" aus London analysierten jeweils für sich die gewaltige Datenmenge. Es sind größtenteils Meldungen der Truppen aus dem Feld. Viele Berichte konnten nicht verifiziert werden, doch halten die Militärs viele ihrer Quellen - darunter afghanische Informanten und Sicherheitskräfte - für glaubwürdig.

Gezielte Tötungsaktionen von US-Spezialeinheit

Laut "Guardian" sind Hunderte afghanischer Zivilisten bei bislang nicht bekannten Aktionen der internationalen Truppen ums Leben gekommen. In den Dokumenten sind 144 Zwischenfälle mit 195 zivilen Todesopfern aufgelistet. Im Einsatzgebiet der deutschen Truppen im Norden Afghanistans habe die Zahl der Kampfhandlungen ebenso stark zugenommen wie die Zahl der Anschläge, schreibt der "Spiegel". Auch der Einsatz von Spezialeinheiten der US-Streitkräfte helfe nur bedingt.

Die geheim operierende US-Einheit "Task Force 373" hat demnach den Auftrag, Taliban-Führer gefangen zu nehmen oder zu töten. Seit Sommer 2009 sind laut "Spiegel" 300 Mann der Truppe in Masar-i-Scharif auf dem Gelände des deutschen Feldlagers Camp Marmal stationiert und führen von dort aus gezielte Tötungsaktionen durch. Der "Spiegel" schreibt weiter, dass es in den Dokumenten keine Hinweise auf weitere, bislang nicht bekannte Übergriffe deutscher Soldaten auf die Zivilbevölkerung gebe. Allerdings lasse sich aus den Unterlagen schließen, dass deutsche Truppen unvorbereitet in den Krieg gezogen seien.

Vorwürfe an Pakistans Geheimdienst

Weiter enthalten die Dokumente zahlreiche Hinweise darauf, dass der pakistanische Geheimdienst ISI die Extremisten in Afghanistan unterstützt. Eine direkte Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Kaida könne dabei nicht nachgewiesen werden. Aber vor allem in Berichten aus den Jahren 2004 bis 2007 werde deutlich, dass der ISI den Taliban half und Kämpfern in Pakistan Unterschlupf gewährt habe. Ein Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai kritisierte Pakistan: "Wir haben unseren internatonalen Partnern immer gesagt, dass wir in Afghanistan keinen Erfolg haben werden, (...) wenn wir die Orte vernachlässigen, an denen die Terroristen genährt werden und wo sie Zuflucht finden."

Die pakistanische Regierung wies die Vorwürfe zurück. Pakistan, Afghanistan und die USA seien strategische Partner im Kampf gegen Taliban und Al-Kaida, sagte Pakistans Botschafter in Washington, Husain Haqqani, pakistanischen Medien. Die drei Blätter glichen nach eigenen Angaben die aus den Jahren 2004 bis 2009 stammenden Informationen mit den offiziellen Darstellungen der Lage in Afghanistan ab. In den genau 91.713 Dokumenten seien keine Widersprüche zur offiziellen Darstellung festgestellt worden, das US-Militär habe jedoch in Erklärungen Sachverhalte immer wieder "verharmlost", schreibt die "New York Times".

USA kritisieren Veröffentlichung

Das Bundesverteidigungsministerium warnte, die Veröffentlichung der Militärdokumente könne die nationale Sicherheit der USA und der internationalen Truppen beeinträchtigen. Im Ministerium werde derzeit geprüft, ob deutsche Sicherheitsinteressen beeinträchtigt würden. Außenminister Guido Westerwelle forderte eine Prüfung: "Das muss jetzt alles natürlich auch ausgewertet werden, was es hier auch möglicherweise an neuen Erkenntnissen gibt."

Die Unterlagen waren zunächst der Internetplattform Wikileaks zugespielt worden. Wikileaks sammelt geheime offizielle Dokumente aus anonymen Quellen, um Missstände öffentlich zu machen. Der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, reagierte empört. "Die USA verurteilen aufs Schärfste die Veröffentlichung von Geheiminformationen durch Einzelne oder Organisationen, durch die das Leben von Amerikanern und deren Verbündeten gefährdet und die nationale Sicherheit bedroht wird."

(dpa, N24)

26.07.2010 18:06 Uhr

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