Verhandlungen gescheitert

Maradona als Nationaltrainer entlassen

Der argentinische Fußball-Nationaltrainer Diego Maradona ist vom Nationalverband AFA nach gescheiterten Vertragsverhandlungen entlassen worden. Streitfrage waren bis zuletzt verschiedene Personalien.

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Die Karriere von Diego Maradona als Nationaltrainer ist zumindest in Argentinien zuende. Der nationale Fußballverband entließ die Fußball-Legende nach gescheiterten Vertragsverhandlungen.
Video: Verhandlungen gescheitert - Argentinien feuert Diego Maradona
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Diego Maradona: Am Ball ein Genie, doch außerhalb des Fußballplatzes hat Argentiniens Ausnahme-Fußballer viele Niederlagen hinnehmen müssen.
Die Liste der Titelerfolge ist lang: Weltmeister, Serienmeister und UEFA-Cup-Sieger. In den 1980er Jahren gehört der 166 cm große Argentinier zu den populärsten Fußballern.
Mit 16 Jahren bestreitet der am 30. Oktober 1960 geborene Diego Armando Maradona sein erstes Länderspiel. Mit 18 Jahren zählt er bereits zur Weltklasse.
Nach der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien wechselt er mit 22 Jahren nach Europa zum FC Barcelona. Hier wird Maradona aber nicht glücklich, nicht auf dem Fußballplatz und nicht außerhalb.
Mit seinem Wechsel 1984 nach Italien zum SSC Neapel beginnen seine besten Fußballer-Jahre. 1986 folgt der Höhepunkt: Mit der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft gewinnt er die Weltmeisterschaft in Mexiko.
Am legendärsten sind seine beiden Tore im Viertelfinalspiel gegen England. Das erste Tor befördert er regelwidrig mit Hilfe seiner Hand über den englischen Torhüter Peter Shilton ins Netz. Danach spricht er von "der Hand Gottes", die das Tor erzielt hat.
Den zweiten Treffer erzielt er nach einem atemberaubenden Dribbling über den halben Platz. Dieser Treffer wurde 2002 von der FIFA zum "WM-Tor des Jahrhunderts" gewählt.
Gegen Ende seiner Laufbahn beginnt sein Image als Fußball-Gott zu bröckeln. 1991 wird ihm bei einer Dopingprobe die Einnahme von Drogen nachgewiesen. Nach dem Rauswurf beim SSC Neapel wird er in Argentinien wegen seines Drogenkonsums verhaftet.
1992 wagt er sein Comeback beim FC Sevilla. Bei der WM 1994 feiert er seine Rückkehr in die argentinische Nationalmannschaft.
Doch nach der Vorrunde ist bereits Schluss, weil er wegen nachgewiesenen Dopings vom Turnier ausgeschlossen wird. Insgesamt wird er für 15 Monate von der FIFA gesperrt.
In dieser Zeit versucht sich Diego Maradona als Trainer bei zwei argentinischen Zweitligisten. Seine Trainerbilanz fällt aber erfolglos aus.
1995 kehrt er noch mal als Spieler zurück. Doch seine Leistungen sind mehr als mangelhaft und der Drogenkonsum zeigt deutliche Spuren in der Kondition und dem Aussehen des einstigen Superstars.
In die argentinische Nationalmannschaft kehrt er nicht mehr zurück. Nach 91 Länderspielen, 21 WM-Einsätzen und acht Toren bei vier Weltmeisterschaften hängt Maradona das weiß-blaue Trikot an den Nagel.
Es folgt ein Hin und Her an Abschieden und Comebacks. 1996 versucht der mittlerweile schwer kokainabhängige Maradona in einer Schweizer Klinik den ersten Drogenentzug.
Im Jahr 1997 meldet sich Maradona zum zweiten Mal auf dem Rasen zurück. Doch nur nach sechs Wochen wird er wieder bei einer Dopingprobe erwischt.
Schlagzeilen bekommt Maradona nicht mehr durch fußballerische Erfolge. In den Medien wird mehr über seine Drogensucht und Fettleibigkeit berichtet.
Dafür sieht man ihn mal im Boxring …
… oder auf dem Golfplatz.
Äußerlich ist der einstige Fußballstar nicht mehr zu erkennen. Die Spuren seines ausschweifenden Lebens zeigen deutliche Spuren.
Folge dessen ist im Jahr 2000 ein Herzinfarkt, von dem er sich bei einem Urlaub auf Kuba zu erholen versucht.
Hier schließt er auch Freundschaft mit Fidel Castro.
Sogar das Aussteigen aus dem Auto bereitet dem ehemaligen Dribbelkönig sichtlich Beschwerden.
Im August 2004 wird es ernst um sein Leben: Wegen hohen Blutdrucks, Atemnot und einer Lungenentzündung wird er in eine Klinik eingeliefert. Gerüchte, dass es sich erneut um die Folgen einer Überdosis Kokain handeln würde, werden von der Familie dementiert
Auch privat geht es bergab: 2004 wird seine Ehe mit Claudia Villafañe nach 15 Jahren geschieden.
Nach einer Entziehungskur unterzieht sich Maradona einer Magenverkleinerung, um sein chronisches Übergewicht zu bekämpfen. Immerhin speckt er von 123 auf 73 Kilogramm ab.
So langsam erholt sich Maradona von seinen Eskapaden.
Im August 2005 moderiert er eine eigene Fernsehshow: La Noche del 10 (Die Nacht der Nummer 10). In dieser Show, die bis Ende des Jahres im argentinischen Fernsehen läuft, spricht Maradona mit Prominenten und Fußballspielern aus aller Welt.
Sogar ein alter Freund ist zu Gast: Kubas-Staatschef Fidel Castro, …
… mit dem er eine Leidenschaft teilt: Fußball.
Maradona macht keinen Hehl draus, dass er ein Fan von Castro ist.
Sein Show-Talent beweist er auch als Tänzer.
Der Kult um Maradona kennt nach den vielen Skandalen trotzdem kein Ende. Es gibt ein Maradona-Musical oder …
… ein Maradona-Museum.
Seine Verehrung für neue Fußball-Götter zeigt er gerne.
Sogar Maradonas Leben wird verfilmt, Material gibt es ja genug: Regisseur Emir Kusturica widmet Maradona einen eigenen Dokumentarfilm "Maradona by Kusturica".
Inzwischen ist er wieder zurück bei seiner alten Bestimmung, dem Fußball. Maradona ist argentinischer Nationaltrainer. Bisher kann er aber keine Erfolge als Trainer verzeichnen.
Die argentinischen Gauchos stehen in jedem Fall hinter ihm.
Man kann nur hoffen, dass Maradona nicht so schnell wieder die Trainerbank verlässt, …
… sondern für neue Erfolge in der argentinischen Nationalmannschaft sorgt.
Video: Portrait - Diego Maradona
Video: Maradona als Trainer - Seine Mannschaft verehrt ihn
Video: Schottland vs Argentinien - Maradonas Debüt als Nationaltrainer

Fußball-Idol Diego Maradona ist als Nationaltrainer des zweimaligen Weltmeisters Argentinien entlassen worden. Ein Sprecher des Nationalverbandes AFA bestätigte am Dienstag die Entscheidung des AFA-Exekutivkomitees, nachdem Verhandlungen zwischen dem WM-Kapitän von 1986 und Verbandsboss Julio Grondona am Montag ergebnislos geblieben waren. Die Südamerikaner waren bei der WM-Endrunde in Südafrika im Viertelfinale mit 0:4 gegen Deutschland ausgeschieden.

Einen Nachfolger gab der Verband noch nicht bekannt. Beim Länderspiel der Gauchos am 11. August in Dublin gegen Irland sitzt interimsweise Maradonas Weltmeister-Kollege Sergio Batista auf der Bank der Albiceleste. Bis zum Match am 7. September in Buenos Aires gegen Weltmeister Spanien will Grondona aber einen neuen Chefcoach gefunden haben.

Auf Mitarbeitern beharrt

"Das Komitee hat entschieden, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Zwischen den Forderungen auf der einen Seite und den Möglichkeiten unseres Verbandes auf der anderen Seite gab es keine Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit mehr", sagte AFA-Sprecher Cherquis Bialo.

Maradona hatte zwar vor dem zweistündigen Treffen mit Grondona nach längerer Überlegung seine Bereitschaft zur Fortsetzung seines Engagements erklärt, allerdings dafür die weitere Zusammenarbeit mit seinen Assistenten zur Bedingung gemacht. "Wenn sie an meine Mitarbeiter wollen, bin ich weg", sagte der Coach in einem TV-Interview. Doch Grondona beharrte offensichtlich auf einer Trennung von Alejandro Mancuso und Hector Enrique.

Seit 2008 Argentinien-Coach

Maradona, der Argentinien 1986 als Spieler zum WM-Titel führte und im Land trotz seiner zahlreiches Eskapaden den Status eines Volkshelden genoss, hatte sein Amt im Oktober 2008 angetreten. Ihm gelang es allerdings nicht, eine wirkliche Mannschaft zu formen. Argentinien schaffte nur mit allergrößter Mühe die Qualfikation für die WM in Südafrika.

Dort präsentierte sich seine Mannschaft allerdings in der Vorrunde und im Achtelfinale gegen Mexiko in deutlich besserer Verfassung, wurde jedoch im Viertelfinale von der deutschen Elf jäh aus allen Träumen gerissen. Maradona vertraute besonders auf die individuelle Klasse der Angreifer - doch Barcelonas torloser Star Lionel Messi blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

(SID, N24)

28.07.2010 07:36 Uhr

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