Nach Tour-Sieg
Alberto Contador verlässt Team Astana
Alberto Contador verlässt sein bisheriges Radsport-Team Astana und geht zu einem anderen Rennstall. Laut Medienberichten unterschreibt der Gewinner der Tour de France bei Bjarne Riis.
Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.
Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:
Alberto Contador verlässt nach zwei Jahren das Radsport-Team Astana.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.
Jährlich pumten sie rund acht Millionen Euro in ihr Team, nun gibt Milram sein Engagement im Radsport auf. Ohne neuen Sponsor verabschiedet sich damit nach Gerolsteiner und T-Mobile das letzte deutsche Team aus dem internationalen Radsport.
Die Fahnenflucht der Fahrer, die mitten in der 97. Tour de France die Hiobsbotschaft erhielten, hat begonnen. "Wir befinden uns jetzt auf Bewerbungsfahrt", sagte Johannes Fröhlinger ...
... bevor er bei der 9. Etappe seinen Worten Taten folgen ließ und früh mit einer Fluchtgruppe ausriss, aber im Finale einbrach. Einen Tag zuvor hatte bereits Kapitän Linus Gerdemann erklärt, dass während der Tour Gespräche mit anderen Teams laufen.
Sorgen macht sich Profi Fabian Wegmann nicht: "Für die Fahrer, die hier sind, dürfte es kein allzu großes Problem sein, ein neues Team zu finden." Sollte die Sponsorensuche von Teamchef Gerry van Gerwen (r.) erfolglos bleiben, würde Deutschland ...
... 13 Jahre nach dem Jan-Ullrich-Boom von der großen Radsport-Bühne verschwinden. Milram-Fahrer Gerald Ciolek bedauert die Entwicklung: "In vier Jahren von einer Radsport-Nation mit drei großen Teams zur Nullnummer, das ist schon traurig."
Ein Ende des Milram-Teams würde den deutschen Profi-Radsport in die Zweitklassigkeit stürzen. Im kommenden Jahr könnte nur noch Newcomer NetApp mit einer ProContinental-Lizenz die deutschen Farben vertreten.
"Gerade für den Nachwuchs ist das besonders schlimm", pflichtete Milram-Fahrer Christian Knees bei.
Hans-Michael Holczer kann nachempfinden, wie sich van Gerwen fühlen muss. 2008 war der ehemalige Chef des Team Gerolsteiner von Pontius bis Pilatus gerannt, um sein sportliches Lebenswerk zu retten.
Gerolsteiner zog sich 2008 aus dem Radsport zurück. Grund ist das angeschlagenen Image des Profi-Sports, der wie kein zweiter immer wieder mit Dopingfällen kämpft.
"Im Moment überwiegt weiter die Angst vor möglichen Zwischenfällen - sprich: Doping. Diese Angst würgt alles ab", so Holczer.
Der 56-Jährige (l.) sieht wenig Chancen auf einen dopingfreien Radsport. Der Internationale Radsportverband (UCI) habe zwar viel unternommen, aber Lücken gebe es weiter: "Wer nach ihnen sucht, der findet sie auch."
Das Team Gerolsteiner sollte einst Vorreiter im Kampf gegen Doping sein. Der herbe Rückschlag kam bei der Tour de France 2008, als die Fahrer Bernhard Kohl und Stefan Schumacher die Zahl ihrer roten Blutkörperchen mehrten.
"Wir haben übersehen, dass die Leistungen von Kohl wenig plausibel waren", sagte Holczer. Kohl habe bewiesen, wie gewieft die Sportler schummeln: Er mietete im Teamhotel ein extra Zimmer nur für Eigenblut-Infusionen.
Immer wieder erschüttern Skandale die Tour de France. Besonders lang ist die Liste aus dem Team Telekom (ab 2004 Team T-Mobile), das sich 2007 aus dem Sport zurückzog: Bjarne Riis (r.) gesteht im Mai 2007, bei seinem Toursieg 1996 gedopt zu haben, ...
... Erik Zabel (l.), bei der Tour 2008 Kapitän im Milram-Team, gibt ebenfalls 2007 zu, elf Jahre zuvor während seiner Zeit im Team Telekom EPO und andere Doping-Substanzen genommen zu haben.
Die Konsequenzen sind harmlos: Riis und Zabel müssen nur zeitweise auf ihre farbigen Trikots verzichten. Auch Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag half 1996 seinen Leistungen auf die Sprünge. Später leitete er das Telekom-Team.
2006 werden zwei Tage vor dem Start neun Fahrer von der Tour de France ausgeschlossen. Darunter: Jan Ullrich wegen Verdacht auf angereichertes Eigenblut.
Der Superskandal für das T-Mobile-Team folgt 2007: Jahrelang wurden deutsche Radler in der Uni-Klinik Freiburg mit Eigenblut versorgt. Darunter ist Profi Patrik Sinkewitz, weitere Team-Mitglieder sind unter Verdacht.
Ende 2007 beendete die Deutsche Telekom ihr Radsportengagement mit sofortiger Wirkung.
Auch Gerolsteiner ist nicht vor Skandalen sicher: Nachdem die Fahrer Stefan Schumacher (Foto) und Bernhard Kohl in einer Nachuntersuchung in der A-Probe positiv auf EPO-Doping testen, beendet die Mineralquelle nach zehn Jahren Ende 2008 sein Sponsoring.
Spitzenradler, die nicht dopen, scheinen selten. Auch der siebenmalige Tour de France-Sieger Lance Armstrong half 1999 nach. Höhepunkt ist die Tour de France 1998: Nur 97 von 198 gestarteten Fahrern erreichen Paris, sieben Teams müssen vorher aussteigen.
Noch hat van Gerwen aber einige Trümpfe im Ärmel. Als heißester Interessent für das Team Milram gilt ein europäischer Radhersteller. "Mit fünf Millionen" Euro pro Saison könne die Dortmunder Equipe "in der ersten Kategorie bleiben."
Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
Galibier, Tourmalet, L'Alpe d'Huez, Mont Ventoux (im Bild): Diese "heiligen Berge" lassen das Herz jedes Radsportfans höher schlagen. Helden werden dort geboren, wo alle über ihre Grenzen gehen müssen.
13 Mal wurde der Mont Ventoux bei der "Großen Schleife" bisher erklommen. Er ist 2009 die große Unbekannte der Frankreich-Rundfahrt und das hat seine Gründe.
Da wäre etwa der kahle Gipfel. Oder auch dessen Name: Pass der Stürme.
Zudem ist der Ventoux von drei Seiten aus zu erreichen. 2009 wird der schwerste der Anstiege gefahren. Auf ...
... rund 21 Kilometern werden ...
... mehr als 1.600 Höhenmeter überwunden. Die ...
... durchschnittliche Steigung beträgt 7,6 Prozent.
1951 steht der Mont Ventoux erstmals auf dem Streckenplan der Tour de France.
1958 wird der Mont Ventoux zum ersten Mal als Bergankunft erklommen. Als erster überquert Charly Gaul die Ziellinie.
Bisher hat kein weiterer Luxemburger einen Sieg auf dem Ventoux geholt. Andere tragen sich stattdessen in die Siegerliste ein. Beispielsweise der italienische "Pirat" Marco Pantani, der ...
... in einem spannenden Finish 2000 Lance Armstrong hinter sich lässt. Er soll den Sieg "geschenkt" bekommen haben.
Oder auch Richard Virenque: Der französische ...
... Kletterspezialist gewinnt 2002. Virenque holt sieben Mal das gepunktete Berg-Trikot.
2009 hätte wieder ein Luxemburger ganz oben stehen können. Mit den Brüdern Schleck, Andy (M) und Frank (r.) gab es zwei aussichtsreiche Kandidaten. Der Sieg ging dann aber an Manuel Garate aus Spanien.
Unsterblich ist bereits der Brite Tom Simpson. 1967 attackiert er aus dem Peloton heraus, setzt ...
... sich zeitweise ab, erleidet einen Schwächeanfall, bricht zusammen, steigt wieder auf's Rad. Rund 1,5 Kilometer vor dem Ziel verliert er das Bewusstsein und stirbt.
Der Grund: Er ist gedopt - mit Alkohol und Amphetaminen. Heute erinnert ein Gedenkstein kurz vor dem Gipfel an den tragischen Helden.
Beinahe hätte ein weiterer Name den Stein geziert: 1970 verausgabt sich Eddie Merckx so sehr, dass er im Ziel einen Schwächeanfall erleidet. Er muss beatmet werden - aber er steht in der Siegerliste.
Man sieht, der Mont Ventoux verlangt den Radprofis alles ab. Wer ...
... hier oben ..
... gewinnt, fügt ...
... dem Mythos Mont Ventoux ein weiteres Kapitel hinzu.
Egal, wer den stürmischen Berg als Erster bezwingt - er ...
... macht sich damit unsterblich.
Also: Kette rechts und knallen lassen!
Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
Die Tour de France feiert ein Jubiläum: Vor 20 Jahren gab es die knappste Tour-Entscheidung der Geschichte. 1989 siegte Greg LeMond (r.) mit achr Sekunden Vorsprung vor Laurent Fignon (l.). Zeit, ein paar Rekorde in Bildern aufzulisten:
Erst zwei Jahre ist es her, dass Alberto Contador den Tour-Sieg feiern konnte - mit einem Abstand von 23 Sekunden zum Zweitplatzierten Australier Cadel Evans. Beide sind in diesem Jahr wieder am Start.
Dagegen gab es bis heute keinen klareren Gesamtsieg, als den von Maurice Garin 1903 - bei der ersten Tour de France. Er lag im Ziel 2:59:21 Stunden vor Lucien Pothier. 1952 brachte es Fausto Coppi (im Bild) immerhin auf 28:17 Minuten - vor Stan Ockers.
1946 hat Coppis großer italienischer Konkurrent und Landsmann Gino Bartali (l.) 26:16 Minuten Vorsprung auf dem Siegerpodest vor dem Belgier Alberic Schotte.
Eddy Merckx sammelte dagegen bis heute die meisten Etappensiege. Inklusive Zeitfahrerfolgen kam er auf 34 Etappensiege. Er wollte immer gewinnen - auch ein Grund ...
... für seinen Spitznamen im Peloton: "der Kannibale".
Der Franzose Bernard Hinault stand 28 Mal auf dem Siegerpodest, gefolgt von ...
... Andre Leducq, ebenfalls Franzose, mit 25 Etappenerfolgen. Er könnte in diesem Jahr aber von ...
... Dauersieger Lance Armstrong abgelöst werden. Der "Tourminator" sammelte bisher 22 Etappenerfolge.
Armstrong hält aber einen anderen einmaligen Rekord: Von 1999 bis 2005 gewann er als erster und einziger Fahrer in der Tour-de-France-Geschichte die Rundfahrt siebenmal in Folge. Zudem trug er bisher 83 Tage das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Nur ...
... Eddy Merckx (r.) schaffte mehr: 111 Tage durfte der Belgier das Gelbe Leibchen tragen. Bernard Hinault (l.) kommt immerhin auf 79 Tage in Gelb.
Der Amerikaner Armstrong fuhr auch die schnellsten drei Touren: 2005 betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 41,654 km/h, 2003 40,940 km/h und 2004 40,553 km/h.
Mario Cipollini (im Bild) fuhr 1999 die schnellste Tour-Etappe. Auf den 194,5 km von Laval nach Blois schaffte er ein Stundenmittel von 50,355. Schnellster in einem Zeitfahren war Greg LeMond 1989. Von Versailles nach Paris (24,5 km): 54,545 km/h.
Die Rekord-Distanz beträgt 5.745 Kilomter - auf sieben Etappen und wurde 1926 gefahren. Die kürzeste Tour gab es 1989 mit insgesamt 3.582 Kilometern auf 21 Etappen.
Der Niederländer Joop Zoetemelk nahm an 16 Frankreich-Rundfahrten teil und beendete alle - ebenfalls ein Rekord.
Das längste Solo der Tour-Geschichte geht auf das Konto des Franzosen Albert Bourlon. 1947 bestritt er in den Pyrenäen, von Carcassonne nach Luchon, 253 km in Alleinfahrt.
Der höchste Tour-Berg? Der 2.802 Meter hohe Col de la Bonette in den Alpen!
Jan Ullrich ist der erfolgreichste Deutsche bei der Tour. Er gewann sie als einziger Deutscher (1997) und fuhr 18 Tage im Gelben Trikot. Zudem ...
... gewann er drei Mal den Titel und das Weiße Trikot des Besten Jungprofis (1996-1998).
Immerhin zwei Mal der beste Nachwuchsfahrer im Tour-Peloton war Marco Pantani (1994, 1995). Der "Pirat" aus Italien hält dagegen einen "mythischen" Rekord: Er fuhr 1997 den magischen 13,8-km-Anstieg hinauf nach L'Alpe d'Huez in 37:35 Minuten.
Das rot-gepunktete Bergtrikot konnte Pantani, 1994 verstorben, aber nie gewinnen. Hier ist ein Franzose der Rekordhalter. Richard Virenque schaffte das Kunststück ...
... gleich sieben Mal. Kein Wunder, dass er mit Jessica Sow ein Topmodel an seiner Seite hat. Hinter ...
... Virenque folgt mit Federico Bahamontes ein Spanier. In den 50ern und 60ern gewann er sechs Mal die Bergwertung, der Belgier ...
... Lucien van Impe tat es ihm in den 70ern und 80er gleich.
Das Grüne Trikot des Punktbesten streifte sich in Paris der deutsche Ausnahmesprinter Erik Zabel am häufigsten über. Sechs Mal in Folge gelang ihm dieses Kunststück. Bis heute unerreicht. Auf Rang zwei dieser Wertung ...
... landet der Ire Sean Kelly. Vier Mal gewann er das Grüne Trikot. Erfolgreich war er in den 80er Jahren. Derzeit ist der ...
... Australie Robbie McEwen der Einzige, der Kelly bereits in diesem Jahr einholen kann. Er kommt auf bisher drei Siege in der Punktewertung.
Tapetenwechsel für den Tour-Sieger: Alberto Contador verlässt das Rad-Team Astana nach drei Jahren und wird sich vermutlich dem Rennstall von Bjarne Riis anschließen. "Die Wege von Contador und Astana trennen sich. Er hat das Ultimatum für eine Vertragsverlängerung verstreichen lassen", teilte der Pressesprecher des dreimaligen Tour-de-France-Siegers mit. Woran die Vertragsverlängerung letztlich gescheitert ist, wurde nicht bekannt. Es hieß lediglich, dass beide Parteien nicht weit voneinander entfernt waren. Astana habe aber auf eine Entscheidung gedrängt, um das Team für 2011 zusammenzustellen. Contador hat offenbar ein besseres Angebot vorliegen.
Mehr zum Thema
Laut einem Bericht der italienischen Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport steht der 27-Jährige kurz vor der Unterschrift bei Riis, der in Andy Schleck ausgerechnet Contadors härtesten Gegner im Kampf um den Tour-Sieg verliert. Den Deal zwischen Riis und Contador soll Mike Sinyard, Besitzer der US-Radfirma Specialized, eingefädelt haben. Die Entscheidung steht offenbar kurz bevor. "Ich habe verschiedene Möglichkeiten. Einige Treffen sind geplant, und ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen etwas verkünden kann. Definitiv aber nächste Woche", sagte Contador der L'Equipe.
Schleck-Brüder gehen zu neuem Team Betrachtet man die wirtschaftlichen Verflechtungen, ergibt die Liaison Riis-Contador durchaus Sinn. Specialized rüstet das Riis-Team aus und ist persönlicher Sponsor des Spaniers. Außerdem weigerte sich Riis während der Tour, den Namen seines neuen Hauptsponsors zu nennen. Wohl aus Rücksicht auf Astana, denn die Kasachen beziehen ihre Räder ebenfalls von Specialized. Billig ist Contadors Unterschrift allerdings nicht. Fünf Millionen Euro pro Jahr soll sein Bruder und Manager Fran aufgerufen haben. Außerdem will Contador seine Landsleute Benjamin Noval, Daniel Navarro, David De La Fuente und Jesus Hernandez mitbringen.
Contador würde bei Riis die Brüder Andy und Frank Schleck ersetzen, die sich einem neuen Team in ihrer Heimat Luxemburg anschließen werden. Unklar ist, wen die Schlecks mitnehmen. Der Berliner Jens Voigt wäre ein Kandidat, er will in dieser Woche bekannt geben, wo er im nächsten Jahr fährt. Neben Riis hatte bereits im vergangenen Jahr das belgische Team Quick Step Interesse angemeldet. Dieser Wechsel würde wohl am Geld scheitern, bei Quick Step klagte man zuletzt über leere Kassen. Der Plan, mit Formel-1-Pilot Fernando Alonso ein Team zu gründen, scheint ebenfalls ad acta gelegt. Alonso und Contador sind befreundet, der Rennfahrer wollte sein Geld in ein Radteam investieren. In seiner Zeit bei Astana gewann Contador zweimal die Tour und einmal den Giro d'Italia sowie die Vuelta. Hinzu kamen Siege bei Paris-Nizza, der Baskenland-Rundfahrt sowie der spanischen Meisterschaft im Einzelzeitfahren.
(SID, N24)
28.07.2010 20:59 Uhr
Diskussionen bei wer-weiss-was.de
Archiv