157 Jahre in der Arktis
Forscher entdecken "Geisterschiff"
157 Jahre war die "Investigator" im ewigen Eis verschollen. Dank neuster Technik und schmelzendem Eis entdeckten Forscher nun das Schiff, das als erstes die Nordwest-Passage ganz erschloss.
Nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten in der Arktis haben kanadische Forscher das Wrack eines Schiffs gefunden, das seit 157 Jahren verschollen war. Die britische "HMS Investigator" war 1850 auf die Suche nach dem Entdecker John Franklin in die Arktis geschickt worden. Die 60-köpfige Mannschaft musste das Schiff nach drei Jahren aufgeben, da es nicht aus dem Eis befreit werden konnte.
Die "Investigator" wurde nun elf Meter unter der Wasseroberfläche in der Mercy-Bucht der Banksinsel, Kanadas fünftgrößter Insel, entdeckt, wie der kanadische Nationalparkmitarbeiter Marc-Andre Bernier bekanntgab. Der Fund sei "von größter Bedeutung. Dieses Schiff erschloss das letzte Stück der Nordwest-Passage", sagte Bernier. Es stehe aufrecht und sei gut erhalten. In der Nähe wurden auf der Insel auch drei Gräber von Seeleuten gefunden.
Franklin war 1847 während der Expedition gestorben. Nachdem seine Schiffe "HMS Erebus" und "HMS Terror" im Eis eingeschlossen wurden, machten sich die letzten der einst 130 Männer zu Fuß auf dem Weg. Keiner kam durch. Einige der Hungrigen sollen das Fleisch ihrer toten Kameraden gegessen haben. Das Schicksal der Franklin-Gruppe hatte Europa und Nordamerika in Atem gehalten und über fast zwei Jahrzehnte für immer neue Suchexpeditionen gesorgt. Eines dieser Schiffe war die "Investigator".
Eiswasser konserviert Wrack hervorragend
Franklin und seine Mannschaft wurden nie gefunden. Der Brite wollte die Nordwestpassage finden, den viel kürzeren nördlichen Seeweg um Amerika. Eine Schifffahrtsstraße gibt es zwar, die ist wegen der Vereisung aber praktisch nicht zu befahren. Erst jetzt durch den Klimawandel hofft Kanada auf einen nutzbaren Seeweg.
Die Bilder, die die von einem Schlauchboot gezogene Sonarboje jetzt aufnahm, zeigen ein auch nach fast 157 Jahren gut erhaltenes Wrack. Die Umrisse des Schiffes sind klar zu erkennen, die Aufbauten fehlen, aber der Rumpf ist nicht auseinandergebrochen. Bei ruhiger See könne das Wrack sogar vom Boot aus gesehen werden. Es soll weiter untersucht, aber vorerst nicht gehoben werden. Das eiskalte Wasser habe dazu geführt, dass der Rumpf in überraschend gutem Zustand sei. Das Schiff sei nicht eher gefunden worden, weil die Bucht fast ständig von Eis bedeckt ist. Die "Erebus" und die "Terror", die sie suchten, sind bis heute nicht gefunden.
(dpa, afp, N24)
29.07.2010 17:21 Uhr





