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Wikileaks-Affäre

US-Regierung schaltet FBI ein

Nach der Veröffentlichung geheimer Militärdokumente zu Afghanistan will die US-Regierung hart reagieren. Verteidigungsminister Robert Gates kündigte an, man wolle "aggressiv" nach dem Leck suchen.

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Wer hat geplaudert? Die Dokumente, die Wikileaks veröffentlicht hat, waren nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt.
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Afghanistan und der Krieg sind seit über 30 Jahren untrennbar miteinander verbunden. Die politischen Unruhen in der ehemaligen britischen Kolonie, an der Schnittstelle zwischen Zentral- und Südasien, beginnen in den 1970ern.
1973 wird Afghanistan Republik, fünf Jahre später ermorden Kommunisten Präsident Mohammed Daoud-Khan. Die Rothemden ergreifen die Macht, können sich aber nur aufgrund ihrer Unterstützung durch die Sowjets behaupten. Gleichzeitig wächst der Widerstand.
Im Kampf gegen die Kommunisten bilden sich muslemische Guerilla-Gruppen - die Geburtsstunde der Mudschahidin, der "Heiligen Krieger". Es folgen eine Reihe politischer Morde und die Invasion durch die sowjetische Armee.
Als erster lässt Präsident Taraki (l.) im September 1979 sein Leben. Hafizullah Amin, der angeblich die Strippen hinter der Ermordung zog, übernimmt die Geschäfte. Wenige Monate später ereilt ihn dasselbe Schicksal, als Babrak Karmal (r.) ...
... mit Hilfe der sowjetischen Armee im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert. Die sowjetische Offensive wird am 14. Januar 1980 von der UN-Vollversammlung verurteilt. Karmal beerbt Amin nach dessen Sturz und Ermordung im Amt.
Als Kurzeinsatz der UdSSR geplant, entwickelt sich sie Invasion zu einem zehnjährigen Krieg. Trotz einer Streitmacht von über 100.000 Soldaten können die Sowjets das Land gegen die muslemischen Rebellen nicht unter Kontrolle bringen.
Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges unterstützen insbesondere die USA die Widerstandskämpfer mit Waffen und lassen durch den Geheimdienst CIA in den pakistanischen Flüchtlingslagern Mudschahidin ...
... militärisch ausbilden. Erst mit Michail Gorbatschow ändert sich die Außenpolitik der UdSSR. Im Mai 1986 wird Karmal durch den Geheimdienst-Chef Najibullah (Bild) ersetzt. Die erhoffte Wende im Konflikt bleibt aber aus.
Bereits Ende der 80er Jahre gründet sich Al-Kaida ("Die Basis") im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Zunächst widmet sich das fundamentalistische Terrornetzwerk vor allem dem Kampf gegen die sowjetische Besatzungsmacht ...
Im Februar 1988 ordnet Gorbatschow den Abzug der sowjetischen Truppen an. Nach offiziellen Angaben haben die Sowjets rund 15.000 Tote zu beklagen, auf afghanischer Seite sind es mehr als eine Million. Nach dem Abzug beginnt ...
... der Bürgerkrieg, in dem sich verschiedene muslimische Gruppierungen gegenüber stehen. Die Taliban, eine radikal-islamische Miliz, die auch Al-Kaida Unterschlupf gewährt, erobert nach und nach das Land.
Mitte der 1990er Jahre werden die Taliban unter Mulla Mohammed Omar zur mächtigsten Bewegung des Landes. Nach dem Sturz Najibullahs gelten in Afghanistan streng religiöse Gesetze. Das Land wird zur ...
... Brutstätte und zum Ausbildungslager von Terroristen. Widerstand gibt es im nordöstlichen Teil des Landes, der sich als "Vereinigte Front" gegen die Taliban verbündet. Nach verschiedenen terroristischen ...
... Anschlägen im Auftrag der Terrorgruppe El Kaida erreicht der Krieg 2001 eine neue Dimension: Die Anschläge auf das amerikanische World Trade Center im September 2001, als deren Drahtzieher sich El Kaida herausstellt, leiten den ...
... globalen Krieg gegen den Terrorismus ein. Nach den Attentaten weigern sich die Taliban, Osama Bin Laden an die USA auszuliefern.
Infolgedessen beginnen die USA und ihre Verbündeten die Operation "Enduring Freedom" (Dauerhafte Freiheit).
Am 7. Oktober 2001 üben amerikanische und britische Streitkräfte in Afghanistan gezielte Angriffe mit Cruise Missles und Marschflugkörpern aus. Neben der Vernichtung von Ausbildungsstellen ...
... und Führungseinrichtungen von El Kaida soll auch das Regime der fundamentalistischen Taliban gestürzt werden. Den Krieg rechtfertigen die USA unter Berufung ...
... auf die UN-Charta als "Selbstverteidiung" und legitimieren ihn damit völkerrechtlich. Nach wochenlangen Luftangriffen durch die USA gelingt der Sturz der Taliban, die "Vereinigte Front" nimmt Kabul, Kandahar und Kundus ein.
Kurz darauf schalten sich die USA mit Bodentruppen ein - auch um der "Vereinigten Front" Einhalt zu gewähren. Im Dezember 2001 wird der Paschtune Hamid Karsai bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn als Übergangspräsident bestimmt.
Um den Wiederaufbau zu unterstützen, erteilt der UN-Sicherheitsrat 2001 ISAF ("International Security Force")-Mandate unter NATO-Führung. Daraufhin entsenden verschiedene Länder zum ISAF-Einsatz Schutztruppen nach Afghanistan, die ...
... sich auch 2010, fast zehn Jahre später, noch im Land befinden. Ihr Ziel ist es, afghanische Sicherheitstruppen und Polizeieinheiten aufzubauen ...
... die Infrastruktur, wie zum Beispiel die örtliche Stromversorgung zu verbessern, sowie die Gründung von Schulen und Bildungseinrichtungen. Die Bestrebungen stehen unter keinem guten Stern: Zu übermachtig sind die ...
... Taliban. Die Konflikte halten an, Terroranschläge auf die Zivilbevölkerung und ISAF-Stützpunkte sind zum traurigen Alltag geworden - daran ändern auch rund 70.000 Soldaten aus 41 Ländern nichts.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen räumt ein, dass die internationale Gemeinschaft den Einsatz am Hindukusch unterschätzt habe. "Nach neun Jahren internationalen Engagements ist es auf schmerzvolle Weise deutlich geworden, ....
... dass der Preis, den wir zahlen müssen, viel höher ist als erwartet - insbesondere angesichts all der getöteten internationalen und afghanischen Soldaten", schreibt Rasmussen vor der Afghanistan-Konferenz im Juli 2010.
Die Taliban lassen nicht locker. Fast 2.000 Soldaten der internationalen Koalition sind bislang am Hindukusch ums Leben gekommen. Allein im Juni wurden 102 ausländische Soldaten getötet, die höchste Zahl seit neun Jahren.
Hinzu kommt, dass Präsident Karsai zwar bei den Wahlen Ende 2009 im Amt bestätigt wurde, ihm allerdings eine breite Zustimmung in der Bevölkerung fehlt. Seiner Regierung wird Wahlfälschung vorgeworfen.
Geplant ist, die Sicherheitsverantwortung bis 2014 an die Afghanen zurückzugeben. Die internationale Gemeinschaft sagte dafür eine Aufstockung ihrer Hilfen zu. Im Gegenzug versprach die afghanische Regierung, ihre Anstrengungen zu erhöhen.
Ob diese Ziele erreicht werden können, bleibt fraglich. Zu groß ist die Macht der Clans, die ihre Priorität nicht auf den Frieden setzen - sondern auf Drogenhandel, Schmuggel oder religiöse Überzeugung.
Video: Bundeswehr in Afghanistan - Abzug bis 2014 fraglich
Video: Afghanistan-Dokumente - Wikileaks legt Geheimdossiers offen
Video: Terror in Afghanistan - Geheime US-Akten veröffentlicht
Video: Abzug bis 2014? - Int. Afghanistan-Konferenz in Kabul

Nach der Veröffentlichung zehntausender Geheimdokumente zum Afghanistan-Konflikt hat US-Verteidigungsminister Robert Gates am Donnerstag eine "aggressive" Suche nach dem Urheber des Lecks angekündigt. Die Papiere gefährdeten US-Soldaten und Afghanen, sie drohten die Beziehungen der USA in der Region zu beschädigen. Sein Ministerium habe die Bundespolizei FBI eingeschaltet, um die undichte Stelle schnell zu finden.

"Die Folgen auf dem Schlachtfeld durch die Herausgabe dieser Dokumente können für unsere Soldaten, unsere Verbündeten und unsere afghanischen Partner schwerwiegend und gefährlich sein", sagte ein sichtlich erboster Gates auf einer Pressekonferenz in Washington. "Sie können auch unsere Beziehungen und unseren Ruf in dieser entscheidenden Weltregion beschädigen."

Der Gründer der Website Wikileaks, Julian Assange, hatte in einer Reaktion auf die US-Kritik versichert, die rund 92.000 Papiere seien vor der Veröffentlichung daraufhin überprüft worden, ob sie die Namen afghanischer Informanten enthielten. Doch US-Generalstabschef Mike Mullen, der gemeinsam mit Gates vor die Presse trat, widersprach dem einstigen Hacker. "Assange kann über das höhere Ziel, dem er und seine Quelle angeblich dienen, sagen, was er will, aber in Wahrheit haben sie vielleicht schon das Blut eines jungen Soldaten oder einer afghanischen Familie an ihren Händen."

Wikileaks-Veröffentlichung stört Vertrauen

Gates kündigte tiefgehende Ermittlungen an, um die Entstehung der "groben Sicherheitsverletzung" aufzuklären, die Verantwortlichen zu finden und festzustellen, welche Informationen durch das Leck unbrauchbar geworden seien. Das Militär werde außerdem Maßnahmen ergreifen, um geheime Informationen besser zu sichern und diejenigen US-Soldaten und Afghanen zu schützen, die durch das Leck in Gefahr geraten seien.

Der beispiellose Vorfall könne das Vertrauen zerstören, dass für die Aufklärungsarbeit vor Ort lebenswichtig sei, kritisierte Gates, der auch schon Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA war. "Das ist für mich einer der schlimmsten Aspekte: Werden die Menschen uns noch vertrauen?"

Gefreiter Bradley Manning unter Verdacht

Auch das Vertrauen in die eigenen Soldaten wurde durch das Leck offenbar erschüttert. Der Minister erklärte, die Militärs müssten nun darüber nachdenken, ob sie auch weiterhin alle verfügbaren Informationen an die Soldaten vor Ort weitergeben könnten. "Wir wollen, dass die Soldaten in vorderster Front über alle Informationen verfügen, die ihre Sicherheit betreffen könnten", sagte Gates. Jetzt müsse er mit den Kommandeuren im Irak und in Afghanistan darüber beraten, "ob wir das anders machen müssen, oder ob wir das Risiko weiter eingehen wollen", dass geheime Informationen nach außen dringen.

Einen Bericht des "Wall Street Journal", wonach die Behörden einen Soldaten des Heeres mit dem Leck in Verbindung bringen, der bereits ein geheimes Video aus dem Irak an die Öffentlichkeit weitergeleitet haben soll, wollte Gates nicht kommentieren. Der Gefreite Bradley Manning wurde Anfang Juli wegen der Veröffentlichung des Videos über einen Hubschrauberangriff auf Zivilisten im Irak angeklagt.

(AFP, N24)

30.07.2010 06:38 Uhr

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