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Mindestens 63 Tote

Horrormonat für US-Truppen in Afghanistan

Der Juli war für die US-Truppen in Afghanistan der bisher blutigste Monat. Die Sicherheitslage am Hindukusch scheint immer bedrohlicher zu werden. Bereits der Juni markierte einen neuen Rekord.

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US-Soldaten bei einem Feuergefecht mit Aufständischen. Mindestens 63 Amerikaner kamen im Juli in Afghanistan ums Leben.
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Afghanistan und der Krieg sind seit über 30 Jahren untrennbar miteinander verbunden. Die politischen Unruhen in der ehemaligen britischen Kolonie, an der Schnittstelle zwischen Zentral- und Südasien, beginnen in den 1970ern.
1973 wird Afghanistan Republik, fünf Jahre später ermorden Kommunisten Präsident Mohammed Daoud-Khan. Die Rothemden ergreifen die Macht, können sich aber nur aufgrund ihrer Unterstützung durch die Sowjets behaupten. Gleichzeitig wächst der Widerstand.
Im Kampf gegen die Kommunisten bilden sich muslemische Guerilla-Gruppen - die Geburtsstunde der Mudschahidin, der "Heiligen Krieger". Es folgen eine Reihe politischer Morde und die Invasion durch die sowjetische Armee.
Als erster lässt Präsident Taraki (l.) im September 1979 sein Leben. Hafizullah Amin, der angeblich die Strippen hinter der Ermordung zog, übernimmt die Geschäfte. Wenige Monate später ereilt ihn dasselbe Schicksal, als Babrak Karmal (r.) ...
... mit Hilfe der sowjetischen Armee im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert. Die sowjetische Offensive wird am 14. Januar 1980 von der UN-Vollversammlung verurteilt. Karmal beerbt Amin nach dessen Sturz und Ermordung im Amt.
Als Kurzeinsatz der UdSSR geplant, entwickelt sich sie Invasion zu einem zehnjährigen Krieg. Trotz einer Streitmacht von über 100.000 Soldaten können die Sowjets das Land gegen die muslemischen Rebellen nicht unter Kontrolle bringen.
Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges unterstützen insbesondere die USA die Widerstandskämpfer mit Waffen und lassen durch den Geheimdienst CIA in den pakistanischen Flüchtlingslagern Mudschahidin ...
... militärisch ausbilden. Erst mit Michail Gorbatschow ändert sich die Außenpolitik der UdSSR. Im Mai 1986 wird Karmal durch den Geheimdienst-Chef Najibullah (Bild) ersetzt. Die erhoffte Wende im Konflikt bleibt aber aus.
Bereits Ende der 80er Jahre gründet sich Al-Kaida ("Die Basis") im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Zunächst widmet sich das fundamentalistische Terrornetzwerk vor allem dem Kampf gegen die sowjetische Besatzungsmacht ...
Im Februar 1988 ordnet Gorbatschow den Abzug der sowjetischen Truppen an. Nach offiziellen Angaben haben die Sowjets rund 15.000 Tote zu beklagen, auf afghanischer Seite sind es mehr als eine Million. Nach dem Abzug beginnt ...
... der Bürgerkrieg, in dem sich verschiedene muslimische Gruppierungen gegenüber stehen. Die Taliban, eine radikal-islamische Miliz, die auch Al-Kaida Unterschlupf gewährt, erobert nach und nach das Land.
Mitte der 1990er Jahre werden die Taliban unter Mulla Mohammed Omar zur mächtigsten Bewegung des Landes. Nach dem Sturz Najibullahs gelten in Afghanistan streng religiöse Gesetze. Das Land wird zur ...
... Brutstätte und zum Ausbildungslager von Terroristen. Widerstand gibt es im nordöstlichen Teil des Landes, der sich als "Vereinigte Front" gegen die Taliban verbündet. Nach verschiedenen terroristischen ...
... Anschlägen im Auftrag der Terrorgruppe El Kaida erreicht der Krieg 2001 eine neue Dimension: Die Anschläge auf das amerikanische World Trade Center im September 2001, als deren Drahtzieher sich El Kaida herausstellt, leiten den ...
... globalen Krieg gegen den Terrorismus ein. Nach den Attentaten weigern sich die Taliban, Osama Bin Laden an die USA auszuliefern.
Infolgedessen beginnen die USA und ihre Verbündeten die Operation "Enduring Freedom" (Dauerhafte Freiheit).
Am 7. Oktober 2001 üben amerikanische und britische Streitkräfte in Afghanistan gezielte Angriffe mit Cruise Missles und Marschflugkörpern aus. Neben der Vernichtung von Ausbildungsstellen ...
... und Führungseinrichtungen von El Kaida soll auch das Regime der fundamentalistischen Taliban gestürzt werden. Den Krieg rechtfertigen die USA unter Berufung ...
... auf die UN-Charta als "Selbstverteidiung" und legitimieren ihn damit völkerrechtlich. Nach wochenlangen Luftangriffen durch die USA gelingt der Sturz der Taliban, die "Vereinigte Front" nimmt Kabul, Kandahar und Kundus ein.
Kurz darauf schalten sich die USA mit Bodentruppen ein - auch um der "Vereinigten Front" Einhalt zu gewähren. Im Dezember 2001 wird der Paschtune Hamid Karsai bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn als Übergangspräsident bestimmt.
Um den Wiederaufbau zu unterstützen, erteilt der UN-Sicherheitsrat 2001 ISAF ("International Security Force")-Mandate unter NATO-Führung. Daraufhin entsenden verschiedene Länder zum ISAF-Einsatz Schutztruppen nach Afghanistan, die ...
... sich auch 2010, fast zehn Jahre später, noch im Land befinden. Ihr Ziel ist es, afghanische Sicherheitstruppen und Polizeieinheiten aufzubauen ...
... die Infrastruktur, wie zum Beispiel die örtliche Stromversorgung zu verbessern, sowie die Gründung von Schulen und Bildungseinrichtungen. Die Bestrebungen stehen unter keinem guten Stern: Zu übermachtig sind die ...
... Taliban. Die Konflikte halten an, Terroranschläge auf die Zivilbevölkerung und ISAF-Stützpunkte sind zum traurigen Alltag geworden - daran ändern auch rund 70.000 Soldaten aus 41 Ländern nichts.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen räumt ein, dass die internationale Gemeinschaft den Einsatz am Hindukusch unterschätzt habe. "Nach neun Jahren internationalen Engagements ist es auf schmerzvolle Weise deutlich geworden, ....
... dass der Preis, den wir zahlen müssen, viel höher ist als erwartet - insbesondere angesichts all der getöteten internationalen und afghanischen Soldaten", schreibt Rasmussen vor der Afghanistan-Konferenz im Juli 2010.
Die Taliban lassen nicht locker. Fast 2.000 Soldaten der internationalen Koalition sind bislang am Hindukusch ums Leben gekommen. Allein im Juni wurden 102 ausländische Soldaten getötet, die höchste Zahl seit neun Jahren.
Hinzu kommt, dass Präsident Karsai zwar bei den Wahlen Ende 2009 im Amt bestätigt wurde, ihm allerdings eine breite Zustimmung in der Bevölkerung fehlt. Seiner Regierung wird Wahlfälschung vorgeworfen.
Geplant ist, die Sicherheitsverantwortung bis 2014 an die Afghanen zurückzugeben. Die internationale Gemeinschaft sagte dafür eine Aufstockung ihrer Hilfen zu. Im Gegenzug versprach die afghanische Regierung, ihre Anstrengungen zu erhöhen.
Ob diese Ziele erreicht werden können, bleibt fraglich. Zu groß ist die Macht der Clans, die ihre Priorität nicht auf den Frieden setzen - sondern auf Drogenhandel, Schmuggel oder religiöse Überzeugung.
Video: Bundeswehr in Afghanistan - Abzug bis 2014 fraglich
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Der Juli 2010 war nach einer Zählung des US-Fernsehsenders CNN für die amerikanischen Streitkräfte der bislang blutigste Monat in dem seit fast neun Jahren andauernden Afghanistan-Krieg. In dem nun endenden Monat seien mindestens 63 US-Soldaten dem Konflikt zum Opfer gefallen. Wie CNN berichtet, waren erst am Vortag drei US-Soldaten bei einem Bombenanschlag getötet worden. Die Internationale Schutztruppe ISAF bestätigte den Tod von drei Soldaten, allerdings ohne Einzelheiten zu nennen.

Wie die ISAF weiter mitteilte, starben bei Anschlägen zudem 13 afghanische Zivilisten. Mindestens sechs Menschen seien bei einem Angriff von radikal-islamischen Aufständischen in der südöstlichen Provinz Ghasni getötet worden. Sieben weitere kamen bei der Explosion von Sprengsätzen in den Provinzen Ghasni, Paktia und Kandahar ums Leben. Auch diese Zwischenfälle ereigneten sich am Donnerstag.

Seit Jahresbeginn 405 Ausländer getötet

Die Zahl der in Afghanistan getöteten NATO-Soldaten ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Laut der Zählung des unabhängigen Internetdienstes icasualties.org verloren seit Jahresbeginn 405 ausländische Soldaten ihr Leben. Im Juli starben bislang insgesamt 85 Mitglieder der internationalen Streitkräfte. Der Vormonat Juni war mit 102 Toten, darunter 60 Amerikanern, der bislang blutigste Monat für US- und NATO-Truppen seit Beginn des Einsatzes Ende 2001.

US-Präsident Barack Obama stockt die amerikanischen Truppen am Hindukusch vorübergehend um 30 000 Mann auf. Bereits im Juli 2011 will er aber schon mit dem Abzug von Soldaten beginnen. Angesichts des mangelnden Fortschritts in dem Konflikt hinterfragen US-Medien diesen Termin inzwischen immer kritischer.

(dpa, N24)

30.07.2010 15:57 Uhr

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