Konzern-Rekordgewinne
Gewerkschaften fordern Arbeitnehmer-Rendite
Die Zeit der Lohnzurückhaltung ist nach Ansicht der Gewerkschaften vorbei. Angesichts von Rekordgewinnen der Konzerne sollen auch die Arbeitnehmer angemessene Lohnerhöhungen erhalten.
Angesichts der wirtschaftlichen Erholung und neuer Rekordgewinne der Unternehmen wollen erste Gewerkschaften in den anstehenden Tarifrunden wieder höhere Löhne durchsetzen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, etwa forderte in der "Süddeutschen Zeitung" "Abschlüsse in Richtung drei Prozent". Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) lehnte das strikt ab. Erste Tarifverhandlungen in der deutschen Ernährungsindustrie mit 520.000 Beschäftigten stehen in etwa sechs Monaten an.
In der Baubranche beginnt die nächste Gesprächsrunde voraussichtlich Anfang 2011. Auch in der Chemieindustrie wird im Frühjahr 2011 über neue Tarife gesprochen. In der Stahlindustrie mit ihren 85.000 Beschäftigten wird schon im September 2010 verhandelt. Ähnlich wie Möllenberg sprach sich auch der Vize-Vorsitzende der IG Bau, Dietmar Schäfers, für ein Ende der Lohnzurückhaltung aus und forderte einen "Nachschlag". Die Arbeitgeber müssten sich in besseren Zeiten daran erinnern, "dass wir uns in den schlechten verantwortungsvoll gezeigt haben", sagte er in der "Süddeutschen Zeitung". Es gebe daher keinen Grund, "2011 defensiv an die Verhandlungen heranzugehen".
Vorzeitige Erhöhungen geplant
Die IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE) kündigte an, sie wolle zumindest in den Firmen, in denen es besondere Verträge zur Sicherung von Jobs gibt und Beschäftigte zum Teil starke Einbußen hinnehmen mussten, einen vorzeitigen Ausstieg aus solchen Verträgen prüfen. "Flexibilität ist ja schließlich keine Einbahnstraße", sagt das IG-BCE-Vorstandsmitglied Peter Hausmann dem Blatt. Der Verhandlungsführer der IG Metall für die Stahlbranche, Oliver Burkhard, sagte der "SZ": "Wir wollen für unsere Leute einen fairen Anteil herausholen."
Außerhalb der Stahlbranche ist die IG Metall vorerst aber zurückhaltend, allerdings steht dort auch noch eine deutliche Lohnerhöhung aus: Die Tarife in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,4 Millionen Mitarbeiter sind bis März 2012 festgeschrieben, im April 2011 steht ein Lohnplus von 2,7 Prozent an. Die laufenden Tarifverträge seien bereits "Blick auf wirtschaftliche Erholung" geschlossen worden, sagte ein IG Metall-Sprecher.
Industrie: Gefahr für den Aufschwung
Die stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, schloss sich der Forderung nach höheren Löhnen im Aufschwung an. "Die Beschäftigten haben mit teils großen persönlichen Opfern dazu beigetragen, die Folgen der Krise abzumildern. Also haben sie auch einen Anspruch darauf, am Aufschwung angemessen beteiligt zu werden", sagte sie der "Saarbrücker Zeitung". Das stärke auch die Binnennachfrage.
Ein BDA-Sprecher wies die Gewerkschaftsforderungen zurück. "Es wäre fatal, den beginnenden Aufschwung durch überzogene Lohnforderungen zu gefährden", erklärte er. Die konjunkturelle Entwicklung sei weiterhin "risikobehaftet". Die deutsche Wirtschaft habe noch lange nicht das Vorkrisenniveau erreicht. Einige Branchen und Unternehmen bekämen die Folgen der Krise erst jetzt zu spüren. Viele deutsche Großkonzerne hatten in den vergangenen Tagen wieder hohe Gewinne gemeldet. Eine Analyse des "Handelsblattes" von Freitag zufolge dürften dieses Jahr sogar wieder alle 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) das Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen abschließen.
(AFP, N24)
30.07.2010 16:20 Uhr





