"Alptraum nicht zu Ende"

Kachelmann will um Freiheit kämpfen

Ab dem 6. September wird über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Jörg Kachelmann verhandelt. Der Moderator beteuerte in einem Interview seine Unschuld und will vor Gericht für seine Freiheit kämpfen.

Fernsehmoderator Jörg Kachelmann will vor Gericht um seine Freiheit kämpfen. "Aufgrund meines Wissens, dass ich unschuldig bin, habe ich keinen Grund, mich von irgendetwas fernzuhalten, oder wegzulaufen", sagte der 52-Jährige bei ARD und ZDF in einem ersten Interview nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft. Er habe Vertrauen in die deutsche Justiz. Jetzt gelte es, die Hauptverhandlung vorzubereiten. "Der Alptraum ist für mich noch nicht zu Ende", sagte Kachelmann. Unschuldig im Gefängnis zu sitzen, sei das bisher furchtbarste in seinem Leben gewesen, sagte er mit Blick auf die viereinhalb Monate in der Untersuchungshaft in Mannheim.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte den Haftbefehl gegen den Schweizer am Donnerstag aufgehoben. Am 6. September beginnt unabhängig davon wie geplant der Prozess gegen Kachelmann vor dem Landgericht Mannheim. Das Landgericht hatte eine Verschiebung erwogen. Am Freitag erklärte es dann: "Trotz der Aufhebung des Haftbefehls sieht die Kammer das Verfahren im Hinblick auf den schwerwiegenden Tatvorwurf weiterhin als eilbedürftig an". Die Staatsanwaltschaft wirft Kachelmann vor, seine ehemalige Freundin vergewaltigt und mit einem Messer am Hals verletzt zu haben. Der TV-Wettermoderator bestreitet die Vorwürfe.

Juristen rügen Anklagebehörden

Deutliche Kritik am Verhalten der Mannheimer Justiz übten unterdessen Strafverteidiger und Medienrechtler. Der Berliner Presserechtsanwalt Christian Schertz hält Schadenersatzansprüche des Moderators für möglich. "Ich gehe davon aus, dass die sehr frühe Information der Öffentlichkeit über die Inhaftierung die Persönlichkeitsrechte Kachelmanns verletzt hat", sagte Schertz. "Sollte Kachelmann im Hauptverfahren freigesprochen werden, stehen Amtshaftungsansprüche im Raum. Die Pressearbeit der Staatsanwaltschaft war Auslöser für die mediale Hetzjagd auf Kachelmann, bei der immer neue Details aus seinem Intimleben an die Öffentlichkeit kamen."

Das Privatleben des Wettermoderators sei in einer Weise an die Öffentlichkeit gezerrt worden, wie es bei weniger prominenten Verdächtigen nie der Fall gewesen wäre, kritisierte der Präsident des Verbandes deutscher Strafrechtsanwälte, Jürgen Möthrath. "Es ist wahrscheinlich ein bisschen schön, wenn man einen Prominenten vorführen kann", sagte Möthrath. "Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, der Erfolg hat, wird schnell mit Namen genannt und nicht nur mit dem Kürzel", kritisierte der Strafverteidiger. Unter der Hand würden Informationen an die Presse weitergeben.

(dpa, N24)

30.07.2010 19:00 Uhr

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