DFB-Präsident bis 2013

Zwanziger gar nicht mehr amtsmüde

DFB-Präsident Theo Zwanziger will nun doch bis 2013 im Amt bleiben. Das Nationalteam und die Fußballverbände sind erfreut. Doch dem 65-Jährigen droht in seiner neuen Amtszeit auch Ungemach.

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Theo Zwanziger will weiter DFB-Präsident bleiben. Seine Amtsmüdigkeit ist auch dank der Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Jogi Löw verschwunden.
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Haben Sie ihn erkannt? Genau, der Herr mit dem eleganten Schnauzer ist Jogi Löw. Der Bundestrainer, ...
... geboren am 3.2.1960, war früher nämlich Spieler, für Stuttgart, Eintracht, KSC und den SC Freiburg - wo er bis heute Rekordtorschütze ist.
Obwohl Löw ein anständiger Fußballspieler gewesen ist, gründet sein heutiger Ruhm eher auf seiner sich anschließenden Trainerkarriere. Die beginnt Mitte der 90er beim VfB Stuttgart. 1995 wird der Badener Co-Trainer unter dem glücklosen Rolf Fringer.
Nach einer enttäuschenden Saison übernimmt Jogi und feiert gleich große Erfolge. In seinem ersten Jahr holt der VfB unter Löw den DFB-Pokal. 1998 erreichen die Schwaben das Finale des Europapokals der Pokalsieger. Gemeinsam mit dem ...
... so genannten "Magischen Dreieck" - Giovanne Elber, Krassimir Balakov und Fredi Bobic - ist Jogi Löws Arbeit der Garant für den Erfolg.
Und trotzdem: Joachim Löw hat Feinde im Verein, die den Klub-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder dazu bringen, Löw 1998 zu feuern und durch Winfried Schäfer zu ersetzen.
Den smarten Fußballlehrer mit dem unverkennbaren Dialekt zieht es an den Bosporus. Jogi Löw wird Trainer bei Fenerbahce Istanbul. Meisterschaft verpasst, Aus in der ersten Runde des UEFA-Pokals: Das Engagement währt nur ein Jahr.
Ebenso glücklos Löws Zeit 1999/2000 als Trainer beim Karlsruher SC. Die Badener wollen unbedingt den Aufstieg in die erste Liga schaffen. Doch Jogi kann's nicht richten, das Team gewinnt nur eins von 18 Spielen. Löw muss noch vor Ende der Spielzeit gehen.
Und die Misserfolgsserie reißt nicht ab: Bei Adanaspor in der Türkei überlebt Löw gerade einmal etwas mehr als zwei Monate. Er bleibt zunächst arbeitslos bis ihn endlich der FC Tirol Innsbruck engagiert. Löw führt das Team 2002 zur Meisterschaft.
Doch der Verein meldet Konkurs an, Jogi ist wieder arbeitslos. Nach einem Jahr unterschreibt er bei Austria Wien. Es läuft alles glatt, sein Team ist Tabellenführer. Nach einer Niederlage gegen den Tabellenletzten heißt es aber trotzdem: Koffer packen!
Und dann folgen die Zeiten, aus denen die meisten Jogi kennen. Nach verpatzter EM 2004 - Deutschland schied in der Vorrunde aus - tritt Rudi Völler als Bundestrainer ab und Jürgen Klinsmann übernimmt. Der Schwabe holt sich den Badener Löw an seine Seite.
Mit Oliver Bierhoff im Dreiergespann läutet der DFB damit eine neue, modernere Phase ein. Fitnesstrainer, Psychologen, die berühmten Gummi-Bänder - alle Methoden sind recht, um den deutschen Fußball aus dem spielerischen Mittelalter zu befreien.
Die Rollenverteilung ist dabei von Anfang an klar. Jürgen Klinsmann gibt den Motivator, den Antreiber, den, der den Kopf hinhält.
Und Jogi Löw? Der ist der Mann mit den Zetteln, der Kopf hinter dem deutschen Spiel, ein Taktiker und Planer.
Die beiden feiern Erfolge. Bei der WM 2006 erreicht die deutsche Mannschaft das Halbfinale, belegt am Ende Platz 3.
Eine Welle der Fußballeuphorie schwappt durch das Land. Das Führungsteam (links noch Torwarttrainer Andreas Köpke) erzielt Ergebnisse, die niemand dem kurz zuvor noch darniederliegenden deutschen Fußball zugetraut hatte.
Trotz des guten Abschneidens verlängert Jürgen Klinsmann nicht beim DFB. Für die Fans ist schnell klar: Nur mit "höggschder Disziplin" kann das Niveau gehalten werden.
Der zweite Mann wird zum ersten und führt das Projekt fort. Mit gelassener Souveränität tritt Löw in die Fußstapfen von Klinsmann.
Dabei setzt er weiter auf seinen eigenen Stil und professionellen Rat. Er behält den großen Betreuerstab bei und ...
... holt sich Hans-Dieter "Hansi" Flick als Assistenten an seine Seite.
"J.L." formt aus oft jungen Spielern immer wieder eine international konkurrenzfähige Auswahl und führt die Elf zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Und dort wird er endgültig zu Legende und Sympathieträger.
Im letzten Vorrundenspiel gegen Gastgeber Österreich spielen die Nerven verrückt. Es kommt zum Streit zwischen Jogi Löw, Österreich-Trainer Josef Hickersberger und dem vierten Offiziellen.
Der Schiedsrichter verweist Löw auf die Tribüne, für das kommende Viertelfinalspiel gegen Portugal darf er nicht auf der Trainerbank sitzen. Das Spiel gegen die Portugiesen ...
... verläuft dermaßen dramatisch, dass es Löw nicht mehr aushält. Der Gelegenheitsraucher steckt sich vor Nervosität eine an ...
... und pafft sich hektisch einen in der Glaskabine - unter den Augen der TV- und Fotokameras. Ein schlechtes Vorbild, der Herr Löw, aber eben auch nur ein Mensch.
Deutschland gewinnt gegen Portugal, übersteht auch das Halbfinale gegen die Türkei. Doch im Finale gegen Spanien folgt der Niederschlag: Die Iberer besiegen Jogis Jungs mit 1:0. Löw muss trösten. Der Titel war so nahe.
2010 in Südafrika wittern Jogi und seine Jungs ihre nächste Chance. Doch wenige Wochen vor Turnierbeginn der Schock: Aufgrund einer Verletzung muss die Mannschaft ohne Kapitän Michael Ballack antreten.
Mit Ballack verliert Löw seinen erfahrensten Spieler, der die junge Multikulti-Truppe anführen sollte. Fans und Medien sind skeptisch ...
... zu Unrecht: Nur im Halbfinale gegen Spanien, das Deutschland 0:1 verliert, ist die Mannschaft des smarten Baden im blauen Glückspulli zu stoppen. Die "Adler" belegen am Ende erneut den dritten Platz.
Spätestens seit dieser WM gilt Löw als Superheld des deutschen Fußballs - und hat nun gemeinsam mit der gesamten Führungsrige sein Engagement bis 2012 verlängert.
Video: Präsident "amtsmüde" - Zwanzigers "Sehnsucht nach dem Privaten"

Die Amtsmüdigkeit ist verflogen: Theo Zwanziger will bis 2013 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bleiben. "Ich freue mich auf die künftigen Aufgaben", sagte der 65-Jährige nach einer Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main. Bundestrainer Joachim Löw und weitere führende deutsche Fußball- Funktionäre lobten die "gute Nachricht", aber Zwanziger geht bei einer Wiederwahl nicht unbelastet in die dritte Amtszeit.

Die Schiedsrichter-Affäre um Michael Kempter und Manfred Amerell könnte ein juristisches Nachspiel haben. Das Präsidium beschloss einstimmig, die von Amerell geltend gemachten Schadenersatzansprüche nicht anzuerkennen. Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär fordert diese Erklärung bis zum 2. August. Ansonsten würde Klage gegen den DFB erhoben. Das Gremium hält die Ansprüche in keiner Weise für nachvollziehbar und lässt die neuen Vorwürfe durch Kontroll-Ausschuss und Schiedsrichter-Kommission prüfen. Erst danach will das Präsidium entscheiden, ob und in welcher Form Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt wird. Kempter soll bis zur Klärung nicht mehr pfeifen, teilte der DFB mit.

Löw und Bierhoff erfreut

"Es muss legitim sein, sich am Ende einer Legislaturperiode intensive Gedanken über die zukünftige Lebensplanung zu machen", erklärte Zwanziger. Gespräche mit der Familie, der große Rückhalt aus den unterschiedlichsten Bereichen des Fußballs, der Politik und Gesellschaft sowie die anstehenden Herausforderungen des Verbandes hätten ihn zur festen Überzeugung geführt, noch einmal für das Ehrenamt zu kandidieren. Der Jurist aus dem rheinland-pfälzischen Altendiez führt den größten Sportverband der Welt seit 2004. Zuerst gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder, seit dem 8. September 2006 als alleiniger Präsident.

Nicht unwesentlich in der Entscheidungsfindung sei auch die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw gewesen. "Das Verhalten des Bundestrainers hat mir gezeigt, das mein Vertrauen gerechtfertigt war. Auf dieser Basis können wir weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten", sagte Zwanziger. "Sein gesellschaftspolitisches Engagement kommt auch unserer Nationalmannschaft zugute. Der Präsident hat uns immer den Rücken gestärkt", erklärte Löw. Auch Teammanager Oliver Bierhoff fand lobende Worte: "Das ist eine gute Nachricht. Viele neue Ideen hat er unterstützt und dabei wichtige Weichen gestellt."

Mehr Integration und Gleichberechtigung

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) freut sich ebenfalls über das Weitermachen des obersten Fußball-Funktionärs. "Der Liga-Verband begrüßt den Wunsch nach einer weiteren Amtszeit ausdrücklich", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball. Seine zentrale Aufgabe sieht Zwanziger in dem zuletzt forcierten gesellschaftlichen Engagement des Verbandes. "Die hohe Identifikation der Menschen mit dem Fußball muss für uns Verpflichtung und Auftrag sein, soziale Verantwortung wahrzunehmen", meinte der DFB-Boss. Die Themen Integration, Prävention, Gleichberechtigung und Umweltschutz würden immer mehr an Gewicht gewinnen. So soll auf dem Bundestag in Essen erstmals ein Nachhaltigkeitskonzept vorgestellt werden.

Allerdings droht Zwanziger noch Ungemach im Schiedsrichter-Skandal: Der ehemalige Bundesliga-Referee Kempter hatte im Februar Amerell der sexuellen Nötigung bezichtigt, die der Beschuldigte stets bestritten hat. Zwanzigers Aufklärungsarbeit wurde heftig kritisiert. Ihm wurde vorgehalten, er fahre einen Zickzack-Kurs und habe sich allzu schnell auf die Seite Kempters geschlagen. Mit der Affäre beschäftigte sich auch das DFB-Präsidium. Ergebnisse teilte der Verband aber nicht mit.

Klage gegen DFB angedroht

Amerells Anwalt Jürgen Langer hatte jedem der 19 Präsidiumsmitglieder einen 24 Seiten langen Schriftsatz zukommen lassen. Bis zum 2. August sollen die Funktionäre die Schadenersatzansprüche gegen den Verband anerkennen. "Wenn in dieser Zeit nichts passiert, werden wir Klage gegen den DFB einreichen", hatte Langer erklärt. Gegen Kempter hat der Anwalt bereits vor dem Amtsgericht Hechingen wegen übler Nachrede und Verleumdung Klage erhoben.

Der inzwischen von der FIFA-Liste gestrichene Kempter hatte im Februar angezeigt, der 63-jährige Amerell habe ihn und andere Schiedsrichter sexuell genötigt. Langer beklagt, dass Amerell entgegen den Statuten "zu keiner Zeit das ihm zustehende rechtliche Gehör gewährt worden ist". Der DFB hätte "erheblichen Schaden von ihm abwenden können".

(dpa, N24)

30.07.2010 18:22 Uhr

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