"Untragbare Situation"

Kaum Ermittlungen gegen Telefonbetrüger

Von Januar bis April 2010 gingen mehr als 66.000 Beschwerden wegen unlauterer Geschäftspraktiken bei der Bundesnetzagentur ein. Trotzdem finde "faktisch keine Strafverfolgung statt", so ein Bericht.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Die Ermittlung der Täter ist nicht einfach - meist besitzen sie Scheinfirmen mit Sitz im Ausland.
Video: Abzocke am Telefon - Dubiose Gewinnspielpraktiken
Video: Vorwahl 0900 - Warteschleifen können richtig teuer werden

Die Zahl betrügerischer Telefonanrufe nimmt nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" drastisch zu. Dies gehe aus einem Bericht der Aufsichtsbehörde für die Telefonbranche hervor, bei der immer mehr geschädigte Bürger Anzeige erstatteten, meldet die Zeitung am Samstag. Polizei und Justiz greifen dem Bericht zufolge nur selten durch. Selbst bei großen Betrugsfällen finde "faktisch keine Strafverfolgung statt", heißt es darin.

Weiter rüge die Bundesnetzagentur in ihrem Bericht, der dem Blatt vorliege, dass die Justiz nicht konsequent gegen mutmaßliche Betrüger vorgehe und stattdessen viele Ermittlungsverfahren "sanktionslos" eingestellt würden. Dies sei eine "untragbare Situation".

"Löchrig wie 'Schweizer Käse'"

Der verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert, macht sich ebenfalls für mehr Entschlossenheit bei der Strafverfolgung stark. "Das ist alles Andere als ein Kavaliersdelikt bei dem man ein Auge zudrücken darf", erklärte er laut einer am Samstag verbreiteten Mitteilung. Zudem werde eine gesetzliche Korrektur immer notwendiger. "Das Gesetz der großen Koalition ist aus Verbrauchersicht ganz offensichtlich löchrig wie ein "Schweizer Käse"."

66.000 Beschwerden von Januar bis April 2010

Die Bundesnetzagentur wird wegen unlauterer Geschäftspraktiken am Telefon laut "SZ" von einer "Anzeigenflut" empörter Bürger überschwemmt. Von Januar bis April 2010 gingen in Bonn demnach mehr als 66.000 Beschwerden ein. In den ersten vier Monaten des Vorjahres seien es nur 14.000 Eingaben gewesen.

Der Aufsichtsbehörde zufolge gibt es immer mehr Fälle, bei denen kriminell agierende Firmen mit Hilfe von Sprachcomputern massenweise Verbraucher anrufen und ihnen per Bandansage mitteilen, sie hätten ein wertvolles Auto gewonnen. Um den Gewinn einzulösen, müsse eine 0900-Servicenummer gewählt werden.

Wer das befolge, lande aber in teuren Warteschleifen und werde mit hohen Telefongebühren belastet. An die Täter komme man meist nicht heran, da sie oft im Ausland säßen, wo sie Scheinfirmen gegründet hätten.

(dpa, N24)

31.07.2010 15:52 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik