Leichtathletik-EM

Medaillenregen für deutsche Leichtathleten

Ralf Bartels gewann Bronze im Kugelstoßen, Carloyn Nytra wurde Dritte über 110 Meter Hürden, Jennifer Oeser holte Bronze im Siebenkampf, Matthias de Zordo sorgte mit dem Speer für eine Sensation.

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Als Titelverteidiger angereist, als EM-Dritter abgereist - Ralf Bartels hat trotzdem allen Grund zur Freude.

Speerwerfer Matthias de Zordo aus Saarbrücken hat bei der Leichtathletik-EM in Barcelona überraschend die Silbermedaille gewonnen. Seine persönliche Bestleistung von 87,81 Metern wurde am Samstagabend nur von Weltmeister und Olympiasieger Andreas Thorkildsen aus Norwegen (88,37) übertroffen.

Bronze ging an den Finnen Tero Pitkämäki (86,67). "Eine EM auf so hohem Niveau habe ich noch nie erlebt", sagte de Zordos Trainer Boris Henry. Sein 22 Jahre alter Schützling war in diesem Jahr zum ersten Mal deutscher Meister geworden.

Oeser Dritte im Siebenkampf

Siebenkämpferin Jennifer Oeser hat ein Jahr nach ihrem Silber-Coup der WM in Berlin EM-Bronze in Barcelona gewonnen. Mit 6683 Punkten stellte die 26-jährige Leverkusenerin eine persönliche Bestleistung auf und erzielte dabei den besten Wert einer DLV-Athletin seit dem WM-Sieg der Wattenscheiderin Sabine Braun 1997 in Athen.

Gold ging wie erwartet an Weltmeisterin Jessica Ennis aus Großbritannien (6823), Silber holte sich Olympiasiegerin Natalja Dobrynska aus der Ukraine (6778). Als weitere DLV-Athletinnen kamen Maren Schwerdtner aus Hannover mit 6167 Punkten auf den neunten und die Frankfurterin Claudia Rath mit 6107 Zählern auf den elften Rang.

"Mir wurde verboten, mein Schwein mit in den Innenraum des Stadions zu nehmen - Sauerei!", beschwerte sich Oeser über die restriktiven Anweisungen der Wettkampfleitung. Doch der fehlende Glücksbringer fiel nicht weiter ins Gewicht: In vier Disziplinen verbuchte sie persönliche Bestleistungen, ihr Top-Resultat der letztjährigen WM steigerte sie nochmals um 190 Zähler.

Nytra holt Bronze über 110 Meter Hürden

Carolin Nytra hat bei der Leichtathletik-EM in Barcelona die Bronzemedaille über 100 Meter Hürden gewonnen. Die 25 Jahre alte Bremerin musste sich am Samstag nach 12,68 Sekunden der Türkin Nevin Yanit (12,63) und der Irin Derval O'Rourke (12,65) geschlagen geben.

Für Nytra war es nach vier deutschen Meistertiteln die erste Medaille bei einem internationalen Großereignis.Yanit holte bei dieser EM schon die zweite Goldmedaille für die Türkei. Nadine Hildebrand (Stuttgart) wurde nach 13,08 Sekunden Achte.

Sie hat mit dem Gold geflirtet, doch am Ende gewann es eine andere. Mit süßsaurer Miene bekannte die als Favoritin auf dem Bronzeplatz gelandete Bremerin: "Wenn man als Europas Jahresbeste hierher kommt und beim Aufwärmen super Starts macht wie lange nicht mehr, durfte man mehr erwarten. Aber das Ziel war eine Medaille, daher bin ich mit Bronze zufrieden."

Bronze für den "Teddy"

Ralf Bartels war wieder ganz der "Teddybär mit Killerinstinkt": Mit seinem fast immer funktionierenden "Geheimrezept" gewann der 32 Jahre alte Neubrandenburger am vorletzten EM-Tag von Barcelona mit 20,93 m Bronze. Für den Titelverteidiger war es die sechste Medaille seiner Karriere bei WM (2) oder EM (4).

"Ich kann mich im entscheidenden Augenblick gut pushen. Mein Ziel war eine Medaille und es hat wieder geklappt. Gottseidank habe ich es wieder mit dem letzten Versucht geschafft", meinte der strahlende Kapitän des deutschen Männerteams, über den schon geschrieben stand, dass sein Kopf und sein Bauch genau so rund seien wie seine Kugel.

130-Kilo purer Kampf

Ralf Bartels, vor dem letzten Versuch mit 20,65 m Vierter, stieß ganz zum Schluss den Letten Maris Urtains (20,72) noch vom Podest. Gold gewann mit 21,01 m Weißrusslands Ex-Weltmeister Andrej Michnewitsch, Silber mit 21,00 m Polens Olympiasieger Tomasz Majewski. Auf Platz fünf landete nach einer Halswirbelblockade vom Vortag in der Qualifikation der erst 20 Jahre alte Chemnitzer Junioren-Weltmeister David Storl mit guten 20,57 m.

Den 130-Kilo-Mann Bartels, der durch eine Gewichtsreduzierung nicht den gewünschten Erfolg erlangte, ist längst wieder zum Kugelbauch zurückgekehrt. Irgendwie muss er dort im Zentrum seines Körpers diese Ressourcen mobilisieren können, durch die der 1,86 m große Neubrandenburger seit dem Sieg bei der Junioren-WM 1996 so oft über sich hinauswächst.

Man erinnert sich: Bei der EM 2002 holte der nervenstarke Mecklenburger überraschend Bronze, 2006 in Göteborg mit dem letzten Stoß sogar Gold. Bei der WM bestieg Bartels 2005 und 2009 in Berlin das Bronze-Podest. Nur bei Olympia gings 2004 schief, 2008 musste Bartels auf den Start verzichten.

Schwierige Ausgangsposition

Selten war die Ausgangsposition vor einer EM so schwierig wie diesmal. Weißrusslands Ex-Weltmeister Andrej Michnewitsch, dessen Frau Natalja am Dienstag Silber gewann, hatte die Konkurrenz vor der EM mit 22,09 m geschockt, Urtans bot 21,63 m. Doch wie so oft wurden die starken Männer schwach.

Doch auch Bartels kam nicht ganz an seine Saisonbestmarke von Rang zwei beim ersten Meeting der Diamond League Mitte Mai in Doha heran. "Ich bin als Fünfter der Bestenliste angereist, da bin ich mit der Medaille zufrieden. Ich habe einfach noch Probleme mit der Stabilität. Ich habe meine ersten drei Versuche praktisch verschenkt und damit meine Gegner stark gemacht", sagte Bartels.

Medaillenspiegel der Leichtathletik EM 2010 in Barcelona

Stand nach 36 von 47 Wettbewerben

1. Russland 8 (Gold) 6 (Silber) 7 (Bronze)

2. Großbritannien 6 6 4

3. Frankreich 6 2 4

4. Deutschland 3 4 4

5. Weißrussland 2 1 1

(SID, dpa, N24)

31.07.2010 21:50 Uhr

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