"Bottom Kill" unnötig?
Ölquelle vielleicht nicht von unten versiegelt
Womöglich war das Stopfen der Katastrophen-Ölquelle im Golf von Mexiko schon so erfolgreich, dass auf eine Versiegelung von unten verzichtet werden kann. BP prüft derzeit den erreichten Status.
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Die Gefahr, dass weiteres Öl aus dem Bohrloch ausdringt, scheint gebannt. Dennoch bleibt es eine Umweltkatastrophe gigantischen Ausmaßes.
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Die Tiefsee erscheint nicht erst seit dem Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko geheimnisvoll und lebensfeindlich. Mit der Ölkatastrophe hat BP eindrucksvoll bewiesen, wie risikoreich dort menschliche Eingriffe sind.
Die Versuche das Leck zu schließen, aus dem seit drei Monaten Öl ins offene Meer strömt, blieben bislang erfolglos. Jetzt bringt der Öl-Konzern Licht in das Dunkel 1,6 Kilometer unter dem Meeresspiegel.
Dank Unterwasser-Videokameras kann jeder Internetbenutzer live das Geschehen in der Tiefe mitverfolgen. Die Aufnahmen geben zumindest den Anschein von Kontrolle.
Die Installation einer riesigen und tonnenschweren Auffangkappe über dem Ölleck wird seit Tagen mit Bangen erwartet. Die Arbeiten wurden aber nun verschoben ...
... um noch weitere Analysen durchzuführen. Damit soll die Wahrscheinlichkeit für ein Gelingen der Operation erhöht werden. Zuvor scheiterten ...
... schon so einige andere Versuche: "Top Kill" vor sechs Wochen sollte das Loch mit Schlamm verstopfen; Der Super-Tanker "A Whale" versprach Anfang Juli Öl und Meereswasser zu trennen.
BP installierte nun einen 40-Tonnen Aufsatz über dem Meeresboden. Idealerweise verhindert die Kappe ...
... jedes weitere Austreten des Öls oder dämmt es zumindest so ein, dass es von Schiffen an der Oberfläche vollständig abgepumpt werden kann.
Was können die Internet-Nutzer also am Bildschirm mitverfolgen? Zum einen Roboter und ferngesteuerte Kameras, die dem Laien unverständliche Dinge tun, ...
... zum anderen das Öl, wie es auch weiterhin ungehindert fließt, ...
... und fließt ...
... und fließt.
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Einer der mächtigsten Männer der Welt ist machtlos angesichts der nicht enden wollenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.
"Deepwater Horizon": Hier im Golf von Mexiko hat das Unglück begonnen. Seitdem versucht der britische Ölmulti BP das Desaster unter Kontrolle zu bringen.
Seit dem 20. April, als die Bohrplattform "Deepwater Horizon" explodierte, strömen jeden Tag rund drei Millionen Liter Öl ins Meer.
Der heftig kritisierte BP-Konzern muss im Kampf gegen die Ölpest seitdem immer weitere Rückschläge einstecken.
US-Präsident Obama hat BP aufgefordert, die Betroffenen der Ölkatastrophe angemessen zu entschädigen.
"BP hat moralische und rechtliche Verpflichtungen hier am Golf für den Schaden, der angerichtet wurde", sagte Obama bei seinem Besuch in der Krisenregion.
Obama verwies auf die Dividenden in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar, die BP an seine Aktionäre auszahlen wird, ...
... sowie auf die 50 Millionen Dollar teure TV-Kampagne, mit welcher der Ölkonzern sein Image retten will.
Er habe kein Problem damit, wenn der Konzern den Verpflichtungen gegenüber seinen Aktionären nachkomme, aber: ...
... "ich will nicht hören, dass sie - wenn sie dieses Geld für Aktionäre und TV-Spots ausgeben ...
... Fischer und Kleinunternehmer hier am Golf, die eine schwere Zeit durchleben, mit kleinen Beträgen abspeisen", sagte der Präsident.
Die Tage dieser Strandidylle im Nordwesten von Florida scheinen gezählt: Unablässig treiben Wind und Meeresströmung den Ölteppich in Richtung Florida, am Freitag waren die ersten Ausläufer nur noch wenige Kilometer entfernt.
Besonders schmerzhaft für die Menschen in der Region ist die Machtlosigkeit angesichts der herannahenden Giftbrühe.
Chemische Lösungsmittel, wie sie mancherorts zur Auflösung des Öls eingesetzt werden, können nur wenig ausrichten. "Bei diesem schwer verklumpten Öl sind Lösungsmittel wirkungslos“, sagte Michael Sole von Floridas Umweltschutzbehörde.
Bisher war die Öl-Katastrophe auf Louisiana beschränkt: Dort sind mehr als 220 Kilometer Küste verseucht, sagte Gouverneur Bobby Jindal.
Die US-Regierung habe dem Staat jetzt erlaubt, insgesamt 70 Kilometer breite Sandbänke im Wasser aufzuschütten, um den Ölteppich vom Land fernzuhalten.
"Wenn wir nicht die vollen Kosten unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen berechnen, dann verpassen wir unsere Chance auf eine Zukunft mit sauberer Energie", sagte Barack Obama.
Am härtesten trifft die Ölpest allerdings wie immer die schwächsten.
An der Küste Louisianas erfasste das Öl eine der Hauptbrutstätten für Pelikane.
Heftige Winde trieben den Ölschlick bis zur Pelikan-Kolonie auf der kleinen Insel Queen Bess.
Tierschützer entdeckten 60 völlig verklebte Vögel, darunter 41 Pelikane. Der Pelikan ist das Wahrzeichen Louisianas.
Die Vögel der Region, wie auch dieser Reiher, haben schwer mit dem Öl zu kämpfen.
Doch für viele wird der Kampf gegen den Tod wohl aussichtslos sein, ...
... wenn den Tieren nicht rechtzeitig geholfen werden kann.
Selbst wenn es den Helfern gelingt die Vögel einzufangen und …
… zu reinigen, haben diese jedoch nur noch eine 50- bis 70-prozentige Überlebenschance.
"Die Feuchtgebiete des Mississippi-Deltas sind die wichtigsten Feuchtgebiete auf dem ganzen Kontinent, und zurzeit nisten dort alle Zugvögel", sagte Dean Wilson, Aufseher im Apatchafalaya-Sumpf westlich des Deltas.
Auch der braune Pelikan macht auf seiner Reise in wärmere Gefilde gerne einen Zwischenstopp in den Sümpfen und an den Stränden des Mississippi-Deltas, um Fische zu fangen.
Er war erst im November von der Liste der gefährdeten Tierarten genommen worden.
Unterdessen wird der Protest gegen BP immer lauter.
In New York begossen sich Demonstranten mit Motorenöl um gegen den britischen Konzern zu protestieren.
Diese Demonstrantin übergoss vor der dem Washingtoner Büro des Öl-Giganten ein Modell einer Ente mit Schokoladensirup.
Auch im Internet finden sich zahlreiche Protestaktionen. Greenpeace rief zum Beispiel zu einem Umgestaltungs-Wettbewerb des BP-Firmen-Logos auf.
"IfItWasMyHome“ visualisiert das Ausmaß des Öl-Desasters und die Größe des Ölteppichs.
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Die Versiegelung des Öllecks im Golf von Mexiko direkt an der Quelle im Meeresboden findet vielleicht nun doch nicht statt - weil sie nicht mehr nötig ist. BP führte wichtige Tests durch: Der Konzern wollte herauszufinden, ob das Verstopfen des Bohrlochs von oben mit Zement bereits so erfolgreich war, dass auf den bisher geplanten "Bottom Kill" verzichtet werden kann.
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Am Freitag solle entschieden werden, ob die Bohrungen des für das Manöver nötigen Nebenzugangs noch fortgesetzt werden, sagte der Einsatzleiter der Regierung, Thad Allen. "Wir könnten die Opfer unseres eigenen Erfolges geworden sein." Er sprach aber von einer nur "kleinen Möglichkeit", dass es nicht mehr zu dem "Finale" kommt.
Hohlraum muss völlig abgedichtet sein Der Nebenzugang ist nur noch rund 10 Meter vom Ölreservoir rund 4.000 Meter tief im Meeresgrund entfernt. Die Bohrarbeiten waren vor wenigen Tagen wegen schlechten Wetters unterbrochen worden. In der vergangenen Woche hatte BP das Steigrohr im Meeresboden von oben mit Schlamm und Zement verstopft. Bisher ist geplant, als letzten Schritt die Quelle auf die gleiche Weise zu versiegeln, das heißt, Zement soll durch den Nebenzugang gepumpt werden. Dadurch soll vor allem sichergestellt werden, dass auch ein Hohlraum um das zur Quelle führende Bohrloch-Rohr völlig abgedichtet ist.
Wie Allen erläuterte, ist dies aber möglicherweise durch den "Top Kill", das Einleiten des Zements von oben, erreicht worden. So oder so werde der Ring versiegelt sein, sagte der Admiral. "Unsere Frage ist, ob das schon geschehen ist."
(dpa, N24)
13.08.2010 07:32 Uhr
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