Über 2040 hinaus?

Gutachten empfiehlt längere AKW-Laufzeiten

Der Streit um die Atomkraftwerke geht in eine neue Runde - ein Regierungsgutachten spricht sich für längere Laufzeiten aus. Dadurch würden die besten Effekte für Klimaschutz und Wirtschaft erzielt.

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Quo vadis Atomkraftwerk? Ein Gutachten der Regierung empfiehlt längere AKW-Laufzeiten, die Öko-Branche warnt davor.
Video: Atomstreit - Merkel pocht auf Zusatzbeitrag
Video: Studio Friedman - Atombosse erpressen Deutschland

Das von der Regierung in Auftrag gegebene Gutachten zur künftigen Energieversorgung kommt laut mehrerer Medienberichte zu dem Schluss, dass eine Verlängerung der Atom-Laufzeiten um 12 bis 20 Jahre am sinnvollsten sei. So seien die besten Effekte für den Klimaschutz und für die Volkswirtschaft zu erreichen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ/Samstag).

Laut "Focus" heißt es in dem Gutachten: "Im Vergleich der Szenarien mit einer Laufzeitverlängerung von 4, 12, 20 und 28 Jahren ergeben sich insgesamt die vergleichsweise günstigsten Ergebnisse für eine LVZ (Laufzeitverlängerung) zwischen 12 und 20 Jahren."

Nach dem bislang geltenden Atomausstiegsbeschluss von Rot-Grün würde das letzte Atomkraftwerk etwa 2025 vom Netz gehen. Jetzt wird über Laufzeiten über das Jahr 2040 hinaus nachgedacht.

Regierung entscheidet Ende September

Auf Basis des federführend vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln (EWI) und der Prognos AG erarbeiteten Gutachtens will die Regierung bis Ende September ihr Konzept zum zukünftigen Energiemix vorlegen. Kritisiert wird, dass das EWI acht Millionen Euro an Förderung von den Stromkonzernen RWE und Eon erhält.

Verglichen mit einer Laufzeitverlängerung um vier Jahre würde bei einem Plus von zwölf Jahren die Kohlendioxidemissionen um zehn Prozent geringer ausfallen, berichtete die "FAZ". Der Börsenstrompreis werde dank des billigen Atomstroms um 20 Prozent, der für Haushaltskunden um 4 Prozent sinken. Eine Verlängerung um 12 Jahre könnte demnach 43.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozent steigern.

Strompreis soll fallen

Noch besser sähe es demnach bei einer Verlängerung um 20 Jahre aus: Der Strompreis für Haushaltskunden würde um sieben Prozent fallen, 71 000 Arbeitsplätze könnten entstehen und das Wachstum um 0,5 Prozentpunkte gesteigert werden.

Eine solche Verlängerung gilt als höchst unwahrscheinlich, vor allem, weil der Bundesrat angesichts einer fehlenden Mehrheit für Union und FDP umgangen werden soll. Das Bundesinnen- und das Justizministerium halten deshalb nur eine moderate Verlängerung für vertretbar. Als moderat gelten, je nach Interpretation, maximal zehn Jahre.

Öko-Branche warnt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Freitag zum Abschluss ihrer "Energie-Reise" bekräftigt, es werde im Energiekonzept ein klares Bekenntnis sowohl zur Kern- als auch zur Kohlenergie geben. Es gehe um "Brückentechnologien" hin zu einer Versorgung nur mit Öko- Energien. RWE-Chef Jürgen Großmann sagte der "Rheinischen Post", dass eine Laufzeitverlängerung für die Stromkosten preisdämpfend wirke.

Die Öko-Energie-Branche warnt seit Wochen vor längeren Laufzeiten. Sie würden den Ausbau der Stromerzeugung etwa aus Sonne und Wind behindern, da bereits bis 2020 fast die Hälfte des Stroms aus regenerativen Energien kommen könnte. Schon jetzt liefen viele Atommeiler mit gedrosselter Leistung, um dem Einspeisevorrang für Öko-Strom gerecht zu werden.

(dpa, N24)

28.08.2010 10:54 Uhr

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