Fußball: 1. Bundesliga
Mainz mit Talfahrt - Schalke mit Fehlstart
Ein Spieltag voller Überraschungen - Mainz holt einen Drei-Tore-Rückstand gegen Diegos Wiolfsburger auf, München verliert auf dem Betze und Schalke kassiert die zweite Pleite in Folge.
Der FC Schalke 04 hat in der Fußball-Bundesliga einen krassen Fehlstart erwischt. Der Vizemeister des Vorjahres verlor am Samstag sein Heimspiel gegen Hannover 96 mit 1:2 und wartet nach dem zweiten Spiel auf den ersten Punkt. Die Rückkehr von Diego nach Deutschland war nicht von Erfolg gekrönt. Trotz eines Treffers des Brasilianers und einer 3:0-Führung verlor der VfL Wolfsburg gegen Mainz 05 noch mit 3:4.
Seinen zweiten Saisonsieg feierte der Hamburger SV durch ein 3:1 bei der punktlosen Frankfurter Eintracht. Werder Bremen kam gegen Köln mit einem 4:2 zum ersten Erfolg. Der SC Freiburg setzte sich beim 1. FC Nürnberg mit 2:1 durch. Hoffenheim besiegte am Abend St. Pauli mit 1:0 und feierte den zweiten Sieg in Folge.
VfL Wolfsburg - FSV Mainz 3:4 (3:1)
Auch der neue Superstar Diego hat den VfL Wolfsburg nicht vor einem Fehlstart in die Fußball-Bundesliga bewahren können. Der VfL verlor am Samstag mit dem brasilianischen Bundesliga-Rückkehrer auch das zweite Saisonspiel gegen Mainz 05 nach einer 3:0-Führung überraschend mit 3:4 (3:1). Torschützenkönig Edin Dzeko (23. und 27. Minute) und Diego (30.) hatten den VfL bereits scheinbar beruhigend in Führung geschossen, ehe Morten Rasmussen (39.), Elkin Soto (48.), André Schürrle (58.) und Adam Szalai (85.) das Spiel noch drehten.
Für die Rheinhessen ist nach dem 2:0 am ersten Spieltag über den VfB Stuttgart der Traumstart dagegen perfekt. Mit nun sechs Punkten liegen die Mainzer zusammen mit Aufsteiger Kaiserslautern an der Tabellenspitze. Dabei hatten Diego und Top-Torjäger Dzeko die Mainzer Abwehr in den ersten 30 Minuten regelgerecht auseinandergenommen. Bereits vor dem Spiel war der 25 Jahre alte Diego von den 26 116 Zuschauern in der VW-Arena frenetisch gefeiert worden.
Wolfsburgs neuer Trainer Steve McClaren hatte den erst am Donnerstag von Juventus Turin verpflichteten Brasilianer auf Anhieb in die Startelf berufen. Der bisherige VfL-Spielmacher Zvjezdan Misimovic, der nun mehr denn je auf einen Wechsel pocht, stand schon nicht mehr im Kader.
"Wir werden sehen, was noch passiert. Für Kleingeld werden wir ihn mit Sicherheit nicht gehen lassen", sagte VfL-Manager Dieter Hoeneß vor dem Spiel. Einem möglichen Wechsel zum FC Schalke 04 erteilte er allerdings eine Absage: "Innerhalb der Bundesliga werden wir ihn mit Sicherheit nicht abgeben, sondern nur ins Ausland." Auch Galatasaray Istanbul gilt als Interessent.
Neben Diego und Dzeko gefiel beim Gastgeber mit Abstrichen auch Mittelfeld-Abräumer Josue. Mainz hatte in Linksverteidiger Christian Fuchs und Torschütze Soto seine besten Akteure.
Trainer Steve McClaren (VfL Wolfsburg): "Was heute passiert ist, das ist nur schwer zu erklären. So etwas habe ich weder als Spieler noch als Trainer erlebt. Wenn man nach einer 3:0-Führung noch verliert, dann sind mentale und charakterliche Probleme offensichtlich. Ich habe niemals zuvor so einen dramatischen Qualitätsverlust gesehen. Meine Mannschaft hat schon wieder zwei Gesichter gezeigt. Das Team muss noch zusammenwachsen. Diego und Dzeko haben im Zusammenspiel gezeigt, dass sie jeden Gegner vor Probleme stellen können."
Trainer Thomas Tuchel (FSV Mainz 05): "In der Mannschaft herrscht ein ungewöhnlicher Geist, den sich jeder Trainer wünscht. In der Halbzeit habe ich der Mannschaft mein Vertrauen ausgesprochen und Ruhe ausgestrahlt. Ich habe gespürt, dass Wolfsburg das sichere Gefühl des Siegers hatte und wusste, dass wir mit einem Tor das Spiel noch kippen könnten."
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St. Pauli - TSG Hoffenheim 0:1 (0:0)
Mit einem Sieg bei Aufsteiger FC St. Pauli hat 1899 Hoffenheim seine Führungsposition in der Fußball-Bundesliga vorerst behauptet. Die Kraichgauer gewannen am Samstagabend im Millerntorstadion durch ein Tor von Isaac Vorsah in der 87. Minute mit 1:0 (0:0) und liegen nun gleichauf mit Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern auf Platz eins. Vor 23.794 Zuschauern besaß auch St. Pauli Chancen zu einem Sieg, scheiterte aber an der Schwäche im Abschluss. Pech hatte Fabian Boll, der in der 5. Minute mit einem Kopfball an der Latte scheiterte.
Die Bundesliga-Heimpremiere nach mehr als achtjähriger Abwesenheit vor nagelneuer Haupttribüne wurde zur unterhaltsamen Vorstellung. Die Gastgeber hatten gar mehr vom Spiel und boten den favorisierten Hoffenheimern ohne Zurückhaltung die Stirn. In der abwechslungsreichen Begegnung suchten beide Teams die Offensive, doch meist war vor der Strafraumgrenze des Rivalen Endstation.
St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski, der an der Seitenlinie «immer mit auf dem Platz steht», wie er bekennt, bewies diesmal Stehvermögen. In den einzigen Partien beider Clubs im Zweitliga-Jahr 2007/2008 war der Hamburger Trainer beide Male auf die Tribüne verwiesen worden.
Beste Akteure im Team von St. Pauli-Coach Holger Stanislawski waren Ebbers und Hennings. Aufseiten der Gäste konnten Tobias Weis und Sejad Salihovic überzeugen.
Schalke 04 - Hannover 96 1:2 (0:1)
Dem FC Schalke 04 droht eine weitere Verschlechterung des ohnehin angespannten Vereinsklimas. Eine Woche nach der von Fanprotesten gegen die wachsende Machtfülle von Trainer Felix Magath begleiteten Niederlage in Hamburg musste der mit großen Ambitionen in die Saison gestartete Revierclub am Samstag beim 1:2 (0:1) gegen Hannover 96 eine weitere Schlappe hinnehmen.
Vor 61.226 Zuschauern in der Veltins-Arena sorgten Konstantin Rausch (31.) und Mohammed Abdellaoue (49.) für den verdienten Erfolg der Gäste. Damit ging der Wunsch von 96-Coach Mirko Slomka, an seiner alter Wirkungsstätte einen Coup zu landen, in Erfüllung. Der Anschlusstreffer der Schalker durch Jermaine Jones (82.) kam zu spät.
Nach dem Saison-Fehlstart hat sich die Lage "Auf Schalke" einen Tag vor der geplanten Aussprache zwischen Magath, Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und Fanvertretern nicht entspannt. Neuerliche Proteste der Anhänger blieben gegen Hannover zwar aus, aber der Unmut über die Vorstellung der Profis war unverkennbar. Nur die Meldung, wonach der Club auf der Suche nach einem starken Angreifer fündig geworden sei und vor der Verpflichtung des 13 Millionen Euro teuren niederländischen Nationalstürmer Klaas-Jan Huntelaar (AC Mailand) stehen soll, sorgte bei den Fans für freudige Erwartung.
Aus einer starken 96-Elf ragten Torschütze Rausch und der Ex-Schalker Sergio Pinto heraus. Jones erreichte als einziger Schalker Feldspieler Normalform.
Trainer Felix Magath (Schalke 04): "Wir haben uns von dem Fehler vor dem 0:1 völlig verunsichern lassen. Diese Situation hat uns durcheinandergebracht. Ein wichtiger Spieler wie Jefferson Farfan hatte aber auch überhaupt keine Szenen und war in Gedanken vielleicht schon bei der Nationalmannschaft. Natürlich kann ich die Pfiffe gegen Christoph Metzelder nachvollziehen, auch er hat sich verunsichern lassen, das ist schade, weil wir einen stabilen Christoph Metzelder gebraucht hätten. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich alle unsere Probleme lösen lassen."
Trainer Mirko Slomka (Hannover 96): "Das war unsere zweiter Sieg in Folge gegen Schalke, das war schon etwas ganz Besonderes. Ich bin mit sehr vielen positiven Gefühlen hier zurückgekommen. Obwohl wir in den letzten zehn Minuten nur noch verteidigt haben, war unser Sieg verdient. Die Zweikämpfe waren unsere große Stärke. Mit 6 Punkten können wir jetzt die Länderspielpause genießen."
Werder Bremen - 1. FC Köln 4:2 (2:1)
Mit einem 4:2 (2:1) gegen den 1. FC Köln hat Werder Bremen einen Fehlstart in die Fußball-Bundesliga noch einmal abgewendet. Ein von Torsten Frings verwandelter Foulelfmeter in der 33., Treffer von Marko Arnautovic (36./90.+1) sowie von Hugo Almeida (74.) bescherten den Hanseaten eine Woche nach der 1:4-Schlappe bei 1899 Hoffenheim den ersten Dreier der neuen Saison. Die Rheinländer hingegen haben sich nach zwei Partien ohne Punktgewinn bereits im Tabellenkeller eingenistet.
Werder-Kapitän Frings war vom Punkt nach einem Foul von Petit an Marko Marin erfolgreich, Arnautovic traf per Kopfball. Im Gegenzug verkürzte allerdings Nationalspieler Lukas Podolski nur 60 Sekunden später ebenfalls mit Kopfstoß, vorausgegangen war eine präzise Flanke von Milivoje Novakovic. Für den Schlusspunkt sorgte Kölns Innenverteidiger Kevin McKenna (90.+3). vor 35.500 Zuschauern im Weserstadion.
Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen): "Ich bin natrülich froh über den ersten Bundesliga-Sieg der Saison. Man kann wieder viele gute Dinge von uns sehen. Leider haben wir wieder zwei Gegentore bekommen, da müssen wir noch ruhiger und abgeklärter werden."
Trainer Zvonimir Soldo (1. FC Köln): "Wir haben vor der Partie über unser Zweikampfverhalten gesprochen. Daher bin ich über vier Gegentore sehr enttäuscht. Im letzten Jahr waren wir körperlich sehr stark, das fehlt uns im Moment. Auch was die Konzentration angeht, ist es nicht genug, was wir im Moment leisten."
Eintracht Frankfurt - Hamburger SV 1:3 (1:0)
Weltstar Ruud van Nistelrooy hat dem Hamburger SV auch am 2. Spieltag der Fußball-Bundesliga zum Sieg geschossen. Der Niederländer schoss beim 3:1 (0:1)-Erfolg der Norddeutschen bei Eintracht Frankfurt den wegweisenden Treffer zum 2:1 und erzielte damit nach dem Doppelpack zum Auftakt gegen Schalke 04 (2:1) bereits sein drittes Saisontor.
Während der HSV somit sechs Punkte auf dem Konto hat, gehen die Hessen nach der Auftakt-Niederlage in Hannover (1:2) ohne Punkt in die zweiwöchige Länderspielpause.
Vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter WM-Arena hatte der türkische Nationalspieler Halil Altintop die Hessen in der 38. Minute in Führung gebracht. Altintop fälschte dabei einen Schuss von Patrick Ochs entscheidend ab. Den Ausgleich erzielte der niederländische Vize-Weltmeister Joris Mathijsen per Kopf (61.). Nach van Nistelrooys Tor sorgte Paolo Guerrero für den Endstand (89. ).
Beste Spieler auf Seiten der Eintracht waren Altintop und Ochs. Beim HSV gefielen Pitroipa und van Nistelrooy.
Trainer Michael Skibbe (Eintracht Frankfurt): "Natürlich haben wir uns einen anderen Saisonstart gewünscht, momentan geht es absolut in die falsche Richtung. Die Niederlage gegen den HSV ist sehr enttäuschend, weil wir vor der Pause das 2:0 hätten machen müssen. Wir hatten aber in den beiden Spielen gegen Hamburg und in Hannover die Chance zu gewinnen, deshalb bleibe ich für die kommenden Wochen zuversichtlich."
Trainer Armin Veh (Hamburger SV): "Wir haben uns in der ersten Halbzeit sehr schwer getan, obwohl wir deutlich mehr Spielanteil hatten. In der zweiten Halbzeit haben wir dann noch eine Schippe draufgelegt und sind dank zweier Standarttore 2:1 in Führung gegangen. Wir haben dann gezeigt, zu was wir in der Lage sind, weil wir einfach lauter gute Fußballer in unseren Reihen haben."
1. FC Nürnberg - SC Freiburg 1:2 (1:1)
Pappis Cissé hat den SC Freiburg vor dem totalen Fehlstart bewahrt und dem 1. FC Nürnberg die Saison-Heimpremiere gründlich verdorben. Dank des Doppeltorschützen aus dem Senegal feierten die Breisgauer mit dem 2:1 (1:1) am Samstag beim enttäuschenden "Club" eine Woche nach der 1:3-Heimpleite gegen den FC St. Pauli den ersten Saisonsieg.
Nach Nürnbergs Führung durch Julian Schieber (15. Minute) vor 36.780 Zuschauern machte Cissé (40./Foulelfmeter/52.) den ersten Bundesliga-Auswärtssieg des Sportclubs seit neun Monaten perfekt.
Neben dem quirligen Ekici überzeugte beim Club Timmy Simons im defensiven Mittelfeld. Bei Freiburg gefiel neben dem überragenden Cisse der kampfeslustige Jäger.
Dieter Hecking (1. FC Nürnberg): "Besser als in den ersten 40 Minuten, können wir nicht spielen. Wir haben den Gegner nicht nur dominiert, sondern wir hatten ihn am Boden. Wir haben sehr viel richtig gemacht. Aber dann haben wir das mit Füßen getreten, was wir uns aufgebaut hatten. Das war eine ärgerliche, eine unnötige Niederlage."
Robin Dutt (SC Freiburg): "Ich bin allenthalben zufrieden mit dem Ergebnis und der Einstellung der Mannschaft, ansonsten sollten wir aufpassen, dass hier nicht bald wieder nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Wir hatten viel zu wenig Ballbesitz, das kann nicht unser Anspruch von Fußball sein. Es warten 14 Tage harter Arbeit auf uns."
(dpa, SID, N24)
28.08.2010 21:51 Uhr







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