Spektakulärer Saisonstart

Die Bundesliga steht Kopf

Nach zwei Spieltagen geht die Bundesliga in die Länderspielpause. Einige Teams können sie gut gebrauchen, viele Arrivierte legten einen miesen Start hin - und die Kleinen grüßen von oben.

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0:2 gegen Aufsteiger Kaiserslautern verloren: Bayern-Trainer Louis van Gaal ist restlos bedient.
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Die Bundesligisten kassierten durch Spielertransfers diesen Sommer über 100 Millionen Euro. Am meisten Geld spülten diese beiden Spieler in die Kassen ihrer jeweiligen Ex-Klubs. Hier ein Überblick über die wichtigsten Zu- und Abgänge:
Er ist zurück in der Bundesliga! Für 15 Millionen Euro wechselt Diego von Juve nach Wolfsburg.
Jerome Boateng verlässt die Bundesliga. Der Hamburger SV kassierte bei dem Verkauf 12,5 Millionen von Manchester City, die der Verein sofort wieder ...
... in Heiko Westermann (7,5 Millionen Euro) vom Schalke 04 reinverstierte.
Michael Ballack wechselt ablösefrei von Chelsea zu Bayer Leverkusen.
Statt große Summen für einen neuen Linksverteidiger zu investieren, setzt Branchenkrösus Bayern auf den eigenen Nachwuchs. Der 20 Jahre alte Diego Contento rückt aus der Jugend in den Bundesliga-Kader.
Keinen Transfer sondern eine vorzeitige Vertragsverlängerung gibt es beim 20-Jährigen Thomas Müller. Der WM-Torschützenkönig von 2010 bleibt den Bayern bis 2015 erhalten.
Für Ernesto Sousa ist seine Zeit beim FC Bayern beendet. Er wechselt nach Italien zum SSC Neapel.
Der VfB Stuttgart hat es noch nicht mit dem Verein geklärt, aber sich bereits mit dem Spieler verständigt. Wunschkanditat: Der ghanaische WM-Teilnehmer Andre Ayew .
Der Schweizer Abwehrspieler Philipp Degen kommt ablösefrei von Liverpool nach Stuttgart.
Dabei hätte der VfB Stuttgart sogar das nötige Kleingeld für Ablösesummen. Für Sami Khedira kassierten die Schwaben geschätzte 14 Millionen Euro Ablöse vom spanischen Rekordmeister Real Madrid.
Mesut Özil folgt seinem Nationalmannschaftskollegen Khedira nach Madrid. Dafür kassiert Werder Bremen von Real 15 Millionen Euro Ablöse.
8 Millionen davon investierte Werder in den Brasilianischen Mittelfeld-Allrounder Wesley. Er kommt für 4 Jahre vom FC Santos.
Wolfsburg investierte zwölf Millionen Euro in den dänischen WM-Verteidiger Simon Kjaer. Der wechselte vom US Palermo zum VFL-Wolfsburg - der bislang teuerste Transfer in der Bundesliga in dieser Saison.
Rafinha wechselt für 9.000.000 Euro von Schalke zum italienischen Erstligisten FC Genua 93.
Aber Schalkes Coach Felix Magath ging auch auf Shoppingtour. Aktuellster Erwerb ist der spanische Linksverteidiger Sergio Escudero von Real Murcia für geschätzte 2,5 Millionen Euro.
Auch neu auf Schalke, gekommen vom Spitzenclub Real Madrid: Christoph Metzelder und Fußball-Legende ...
... Raúl. Beide kamen ablösefrei.
Mit Atsuto Uchida kommt der erste Japaner zu den Schalkern. Der 22-Jährige von den Kashima Antlers aus der japanischen J.League spielte während der WM im Nationalteam.
Die deutsche Bundesliga ist um einen österreichischen Legionär reicher: Abwehrspieler Emanuel Pogatetz kommt vom FC Middlesbrough zu Hannover 96.
Maximilian Nicu wechselt ablösefrei aus Berlin in den Breisgau zum SC Freiburg.
Ein altes Gesicht ist zurück in der Bundesliga. Torhüter Martin Pieckenhagen wechselt ablösefrei aus Holland nach Mainz.
Mlapa kommt für 1,3 Millionen Euro von 1860 München nach Hoffenheim.
Dafür wechselt Carlos Eduardo für 20 Millionen Euro zu Rubin Kazan. Trotz Özil und Khedira - Eduardo ist der Top-Transfer in dieser Saison!
Gerald Asamoah soll mit seiner Erfahrung dem Pauli-Sturm helfen. Er kommt ablösefrei von Schalke.
Toni Kroos kehrt aus Leverkusen zurück nach München. Er kostet keine Ablöse, da er nur ausgeliehen war.
Kevin Kuranyi ist ablösefrei zu Dynamo Moskau gewechselt und hat dort sogar schon sein erstes Tor erzielt.
Skandalnudel Maniche verlässt Köln und geht ablösefrei zu Sporting Lissabon.
Diese Geste kennen wir von Obafemi Martins aus der Bundesliga. Er konnte sich gegen die starke Konkurrenz im Wölfe-Sturm nicht durchsetzen und wechselt für 9 Millionen Euro zum russischen Meister Kazan.
Der Eintracht-Sturm wird diese Saison von Theofanis Gekas unterstützt. Er kommt für 1 Million Euro aus Leverkusen.
Christian Gentner zieht es zurück nach Stuttgart. Der Nationalspieler kommt ablösefrei aus Wolfsburg.
Mo Idrissou kehrt Freiburg den Rücken und versucht sein Glück in Mönchengladbach. Er kommt ablösefrei zur Borussia.
Letztes Jahr noch zweite Liga mit Kaiserslautern, darf Erik Jendrisek diese Saison neben Raul in der Champions League stürmen. Er war für Schalke ablösefrei zu haben.
Der serbische WM-Teilnehmer Kacar wechselt von Hertha BSC an die Elbe zum HSV. Ablöse 5,5 Millionen Euro.
Marko Arnautovic - so heißt Werders neues Sturmjuwel. Er kam für 6,2 Millionen vom FC Twente, fiel bisher allerdings eher durch Undizipliniertheiten auf.
Bei der WM eine Bank. Das wünscht sich auch Dieter Hoeneß von Arne Friedrich beim VfL Wolfsburg. Kostenpunkt: 2 Millionen Euro.
Video: Bundesligaauftakt - Van Gaal hat die Haare schön
Video: Es geht wieder los - Die Top-Clubs vor dem Bundesligaauftakt

Rekord bei den Auswärtssiegen, reichlich Tore und jede Menge Überraschungen - die Bundesliga spielt verrückt. Mit einem spektakulären Saisonstart untermauerte das Fußball-Oberhaus seinen Ruf als Premiumprodukt des deutschen Sports. Das tolle 6:3 von Mönchengladbach in Leverkusen oder die furiose Aufholjagd der Mainzer zum 4:3 in Wolfsburg versetzten die Fans in Ekstase.

Auch Insider gerieten angesichts der unerwarteten Ereignisse ins Staunen. Ungläubig studierte Klaus Allofs nach dem zweiten Spieltag die Tabelle mit Außenseitern wie Kaiserslautern, Mainz und Hannover in der Spitzengruppe. "Was machen die da oben?", fragte der Clubchef von Werder Bremen kopfschüttelnd.

Heynckes kann sich über furiosen Start nicht freuen

Nicht nur der verblüffende Höhenflug der "Kleinen" sorgt zu Beginn der Länderspielpause für Gesprächsstoff. Immerhin 67 Tore fielen an den ersten beiden Spieltagen - so viele wie seit 24 Jahren nicht. Darüber hinaus gab es erstmals in der Liga-Historie sieben Auswärtssiege an einem Spieltag.

Einer der Leidtragenden dieses Rekords war Jupp Heynckes, dessen zuvor hochgelobtes Bayer-Team im Konterwirbel der Gäste aus Mönchengladbach unterging. Auf der Suche nach Erklärungen für das kuriose Geschehen verwies der Fußball-Lehrer auf die Ausgeglichenheit der Spielklasse: "In der Bundesliga ist alles möglich. Die Wolfsburger haben sich auch gewundert, dass sie 3:0 führen und am Ende 3:4 gegen Mainz verlieren."

Aufsteiger oft anfangs stark

Beim Spieltag für die Geschichtsbücher kamen auch die Statistiker auf ihre Kosten. Immerhin 19 Jahre ist es her, dass ein Team einen 0:3-Rückstand in einen Sieg umwandelte. Gar 45 Jahre brauchte Hannover 96, um wieder einmal mit zwei Erfolgen zu starten.

Dass sich ein Aufsteiger wie Kaiserslautern nach zwei Spieltagen über die optimale Ausbeute von sechs Punkten freuen kann, ist jedoch so ungewöhnlich nicht: Dieses Kunststück gelang in den vergangenen zehn Jahren auch den Emporkömmlingen VfL Bochum (2002), 1. FC Köln (2005) und 1899 Hoffenheim (2008). Nicht zuletzt deshalb mahnte Lautern-Coach Marco Kurz den euphorischen Anhang zu einer realistischen Sicht der Dinge: "Wir werden das aufsaugen und genießen. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Transferfrist endet in wenigen Stunden

Es passt ins Bild von einem kuriosen Ligastart, dass vermeintliche Spitzenteams wie der VfL Wolfsburg, Schalke 04 und VfB Stuttgart bisher leer ausgingen und die Zeit der Länderspielpause mit null Punkten im Tabellenkeller verbringen müssen. Mit prominenten Zukäufen bis zum Ende des Transferfrist an diesem Dienstag soll in Stuttgart und Gelsenkirchen eine Trendwende eingeleitet werden.

Beim VfB steht der italienische Fußball-Nationalspieler Mauro Camoranesi angeblich vor der Unterschrift. Der Revierclub buhlt um den niederländischen Vize-Weltmeister Klaas-Jan Huntelaar (AC Mailand) und Jose Manuel Jurado (Atletico Madrid). Die positiven Schlagzeilen über den Ligastart könnten neben üppigen Gehaltsversprechen helfen, nach Arjen Robben, Diego, Raúl oder Ruud van Nistelrooy weitere Superstars in die Bundesliga zu locken.

(Heinz Büse, dpa, N24)

30.08.2010 14:24 Uhr

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