Deutsche und europäische Konzerne haben nach Darstellung von Menschenrechtlern in den USA systematisch Arbeitnehmerrechte verletzt. So hätten die Deutsche Telekom und die Deutsche Post bei US-Tochterunternehmen die Beschäftigten daran gehindert, sich gewerkschaftlich zu organisieren, geht aus einem Bericht vor, den die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) vorlegte. Dabei hätten sie gegen internationale Bestimmungen und teils gegen US-Arbeitsgesetze verstoßen.
Wie aus dem Bericht hervorgeht, wurden Angestellte europäischer Konzerne in den USA "in aggressiver Weise" daran gehindert, sich zu organisieren und Tarifverhandlungen zu führen. Zudem seien sie zur Teilnahme an Veranstaltungen mit anti-gewerkschaftlichen Vorträgen gezwungen worden. Mitarbeiter seien zudem im Fall von Gewerkschaftsgründungen oder Streiks arbeitsrechtliche Konsequenzen angedroht worden. Auch Entlassungen und den Versuch, Angestellte auszuspionieren, soll es dabei gegeben haben.
In allen untersuchten Firmen wurden laut HRW "in unterschiedlichem Maße" Normen etwa der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) oder Bestimmungen über Menschenrechte verletzt, die Arbeitnehmern die Vereinigungsfreiheit zubilligen und eine Einmischung der Arbeitgeber in diesen Prozess untersagen. Die Unternehmen hätten dabei auch von dem schwachen US-Arbeitsrecht profitiert, erklärte Arvind Ganesan, Chef der HRW-Abteilung Wirtschaft und Menschenrechte.
Zu den kritisierten Unternehmen gehören die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile USA, und die US-Tochter der Deutsche-Post-Logistiksparte DHL. Der Bericht basiert auf Interviews mit 30 Arbeitnehmern. Er dokumentiert zudem die Aussagen von Angestellten in Prozessen, Untersuchungen der US-Aufsichtsbehörden und konzerneigenen Dokumenten.
Human Rights Watch wirft T-Mobile USA konkret vor, 2006 in einem Callcenter in Allentown im US-Bundesstaat Pennsylvania Ansätze gewerkschaftlicher Organisation gestört zu haben. Das soll auch DHL 2007 in einem Betrieb in derselben Stadt getan haben. T-Mobile USA erklärte gegenüber Human Rights Watch, es habe die US-Arbeitsgesetze stets eingehalten. DHL wies die Anschuldigungen der Gewerkschaft zur Vorgängen in in Allentown zurück. An anderen Firmenstandorten habe es trotz gewerkschaftlicher Aktivitäten nie ähnliche Vorwürfe gegeben.
(AFP)
02.09.2010 07:24 Uhr





