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Ausbildung im Terrorcamp?

Deutscher Islamist in Afghanistan verhaftet

Die US-Truppen in Afghanistan haben einen deutschen Islamisten wegen Terrorverdachts festgenommen. Der Mann soll an der Grenze zu Pakistan ein Terrorcamp besucht haben.

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Die US-Armee hält in Afghanistan einen Deutschen unter Terrorverdacht fest. Der Mann soll ein Terrorcamp besucht haben.
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Afghanistan und der Krieg sind seit über 30 Jahren untrennbar miteinander verbunden. Die politischen Unruhen in der ehemaligen britischen Kolonie, an der Schnittstelle zwischen Zentral- und Südasien, beginnen in den 1970ern.
1973 wird Afghanistan Republik, fünf Jahre später ermorden Kommunisten Präsident Mohammed Daoud-Khan. Die Rothemden ergreifen die Macht, können sich aber nur aufgrund ihrer Unterstützung durch die Sowjets behaupten. Gleichzeitig wächst der Widerstand.
Im Kampf gegen die Kommunisten bilden sich muslemische Guerilla-Gruppen - die Geburtsstunde der Mudschahidin, der "Heiligen Krieger". Es folgen eine Reihe politischer Morde und die Invasion durch die sowjetische Armee.
Als erster lässt Präsident Taraki (l.) im September 1979 sein Leben. Hafizullah Amin, der angeblich die Strippen hinter der Ermordung zog, übernimmt die Geschäfte. Wenige Monate später ereilt ihn dasselbe Schicksal, als Babrak Karmal (r.) ...
... mit Hilfe der sowjetischen Armee im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert. Die sowjetische Offensive wird am 14. Januar 1980 von der UN-Vollversammlung verurteilt. Karmal beerbt Amin nach dessen Sturz und Ermordung im Amt.
Als Kurzeinsatz der UdSSR geplant, entwickelt sich sie Invasion zu einem zehnjährigen Krieg. Trotz einer Streitmacht von über 100.000 Soldaten können die Sowjets das Land gegen die muslemischen Rebellen nicht unter Kontrolle bringen.
Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges unterstützen insbesondere die USA die Widerstandskämpfer mit Waffen und lassen durch den Geheimdienst CIA in den pakistanischen Flüchtlingslagern Mudschahidin ...
... militärisch ausbilden. Erst mit Michail Gorbatschow ändert sich die Außenpolitik der UdSSR. Im Mai 1986 wird Karmal durch den Geheimdienst-Chef Najibullah (Bild) ersetzt. Die erhoffte Wende im Konflikt bleibt aber aus.
Bereits Ende der 80er Jahre gründet sich Al-Kaida ("Die Basis") im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Zunächst widmet sich das fundamentalistische Terrornetzwerk vor allem dem Kampf gegen die sowjetische Besatzungsmacht ...
Im Februar 1988 ordnet Gorbatschow den Abzug der sowjetischen Truppen an. Nach offiziellen Angaben haben die Sowjets rund 15.000 Tote zu beklagen, auf afghanischer Seite sind es mehr als eine Million. Nach dem Abzug beginnt ...
... der Bürgerkrieg, in dem sich verschiedene muslimische Gruppierungen gegenüber stehen. Die Taliban, eine radikal-islamische Miliz, die auch Al-Kaida Unterschlupf gewährt, erobert nach und nach das Land.
Mitte der 1990er Jahre werden die Taliban unter Mulla Mohammed Omar zur mächtigsten Bewegung des Landes. Nach dem Sturz Najibullahs gelten in Afghanistan streng religiöse Gesetze. Das Land wird zur ...
... Brutstätte und zum Ausbildungslager von Terroristen. Widerstand gibt es im nordöstlichen Teil des Landes, der sich als "Vereinigte Front" gegen die Taliban verbündet. Nach verschiedenen terroristischen ...
... Anschlägen im Auftrag der Terrorgruppe El Kaida erreicht der Krieg 2001 eine neue Dimension: Die Anschläge auf das amerikanische World Trade Center im September 2001, als deren Drahtzieher sich El Kaida herausstellt, leiten den ...
... globalen Krieg gegen den Terrorismus ein. Nach den Attentaten weigern sich die Taliban, Osama Bin Laden an die USA auszuliefern.
Infolgedessen beginnen die USA und ihre Verbündeten die Operation "Enduring Freedom" (Dauerhafte Freiheit).
Am 7. Oktober 2001 üben amerikanische und britische Streitkräfte in Afghanistan gezielte Angriffe mit Cruise Missles und Marschflugkörpern aus. Neben der Vernichtung von Ausbildungsstellen ...
... und Führungseinrichtungen von El Kaida soll auch das Regime der fundamentalistischen Taliban gestürzt werden. Den Krieg rechtfertigen die USA unter Berufung ...
... auf die UN-Charta als "Selbstverteidiung" und legitimieren ihn damit völkerrechtlich. Nach wochenlangen Luftangriffen durch die USA gelingt der Sturz der Taliban, die "Vereinigte Front" nimmt Kabul, Kandahar und Kundus ein.
Kurz darauf schalten sich die USA mit Bodentruppen ein - auch um der "Vereinigten Front" Einhalt zu gewähren. Im Dezember 2001 wird der Paschtune Hamid Karsai bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn als Übergangspräsident bestimmt.
Um den Wiederaufbau zu unterstützen, erteilt der UN-Sicherheitsrat 2001 ISAF ("International Security Force")-Mandate unter NATO-Führung. Daraufhin entsenden verschiedene Länder zum ISAF-Einsatz Schutztruppen nach Afghanistan, die ...
... sich auch 2010, fast zehn Jahre später, noch im Land befinden. Ihr Ziel ist es, afghanische Sicherheitstruppen und Polizeieinheiten aufzubauen ...
... die Infrastruktur, wie zum Beispiel die örtliche Stromversorgung zu verbessern, sowie die Gründung von Schulen und Bildungseinrichtungen. Die Bestrebungen stehen unter keinem guten Stern: Zu übermachtig sind die ...
... Taliban. Die Konflikte halten an, Terroranschläge auf die Zivilbevölkerung und ISAF-Stützpunkte sind zum traurigen Alltag geworden - daran ändern auch rund 70.000 Soldaten aus 41 Ländern nichts.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen räumt ein, dass die internationale Gemeinschaft den Einsatz am Hindukusch unterschätzt habe. "Nach neun Jahren internationalen Engagements ist es auf schmerzvolle Weise deutlich geworden, ....
... dass der Preis, den wir zahlen müssen, viel höher ist als erwartet - insbesondere angesichts all der getöteten internationalen und afghanischen Soldaten", schreibt Rasmussen vor der Afghanistan-Konferenz im Juli 2010.
Die Taliban lassen nicht locker. Fast 2.000 Soldaten der internationalen Koalition sind bislang am Hindukusch ums Leben gekommen. Allein im Juni wurden 102 ausländische Soldaten getötet, die höchste Zahl seit neun Jahren.
Hinzu kommt, dass Präsident Karsai zwar bei den Wahlen Ende 2009 im Amt bestätigt wurde, ihm allerdings eine breite Zustimmung in der Bevölkerung fehlt. Seiner Regierung wird Wahlfälschung vorgeworfen.
Geplant ist, die Sicherheitsverantwortung bis 2014 an die Afghanen zurückzugeben. Die internationale Gemeinschaft sagte dafür eine Aufstockung ihrer Hilfen zu. Im Gegenzug versprach die afghanische Regierung, ihre Anstrengungen zu erhöhen.
Ob diese Ziele erreicht werden können, bleibt fraglich. Zu groß ist die Macht der Clans, die ihre Priorität nicht auf den Frieden setzen - sondern auf Drogenhandel, Schmuggel oder religiöse Überzeugung.
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Ein unter Terrorverdacht stehender Deutscher wird seit mehreren Wochen von US-Sicherheitskräften in Afghanistan festgehalten. Das bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Die Bundesregierung bemühe sich bei der US-Regierung um konsularische Betreuung des Mannes. Nach Informationen der Tageszeitung "taz" gehörte der Mann einer Gruppe von Hamburger Islamisten an, die im März 2009 in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist waren, um sich dort in Terrorcamps ausbilden zu lassen.

Die Islamisten hatten sich vor ihrem Aufbruch in der Hamburger Taiba-Moschee - ehemals Al-Quds-Moschee - getroffen, berichtet die Zeitung unter Verweis auf die Hamburger Innenbehörde. Dort hatten schon die Attentäter vom 11. September 2001 gebetet. Die Moschee war im August von den Sicherheitsbehörden geschlossen worden. Der Trägerverein der Moschee habe jahrelang eine aggressive und demokratiefeindliche Ideologie und Religionsauffassung verbreitet, hieß es zur Begründung. Ob es schon eine Kontaktaufnahme deutscher Stellen mit dem nun in Afghanistan festgehaltenen Terrorverdächtigen gegeben hat, ist offen. Nähere Angaben zur Identität des Mannes lagen ebenfalls nicht vor.

Ende August war ein vor gut zwei Monaten in Pakistan verhafteter deutscher Islamist nach Deutschland ausgeliefert worden, der ebenfalls zu der Gruppe gehörte. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft von damals ist der 25-jährige Rami M. dringend verdächtig, sich der terroristischen Vereinigung "Islamische Bewegung Usbekistan (IBU)" angeschlossen zu haben. Der Verdächtige kam in Untersuchungshaft. Er soll in Pakistan eine Ausbildung im Umgang mit Waffen und Sprengstoff erhalten und sich anschließend an Kampfhandlungen beteiligt haben. Die IBU verübt - teilweise zusammen mit regionalen Taliban-Gruppen - Terroranschläge auf pakistanische Sicherheitskräfte und Mitglieder der in Afghanistan stationierten internationalen NATO-Schutztruppe ISAF.

(dpa, N24)

02.09.2010 14:25 Uhr

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