Endgültig gerettet

Karstadt-Hängepartie hat ein Happy End

Die Zukunft der Warenhauskette Karstadt ist gesichert. Nach zähen Verhandlungen sind alle Unterschriften geleistet und der Weg für die Übernahme durch Investor Berggruen ist frei.

Den Plan zur Zerschlagung der Warenhausgruppe Karstadt hielt die Insolvenzverwaltung bis zuletzt griffbereit, doch im vierten Anlauf ist die Rettung des Konzerns am Freitag geglückt. Um 14.00 Uhr konnte das Essener Amtsgericht seine Zustimmung zum Insolvenzplan verkünden. Der Tag der Entscheidung war für 25.000 Karstadt-Mitarbeiter eine erneute Zitterpartie: Um 10.00 Uhr hatte das Amtsgericht Essen über den Plan zur Rettung entscheiden wollen, aber auch zum mittlerweile vierten Termin waren die Bedingungen dafür zunächst nicht erfüllt. Der Vereinbarung über niedrigere Mieten für die Karstadt-Warenhäuser, Voraussetzung für das Inkrafttreten des Kaufvertrags zwischen Nicolas Berggruen und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, fehlten zwei letzte Unterschriften. Das Gericht musste seine Entscheidung auf den Nachmittag verschieben.

Erst am Donnerstag hatten sich Karstadt-Käufer Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet auf die künftig günstigeren Mietkonditionen geeinigt. In einem Kraftakt seien über Nacht 80 Unterschriften eingesammelt worden, sagte Highstreet-Sprecher Richard Speich. Noch am Freitagmorgen rechnete er damit, dass auch die letzten Unterschriften pünktlich zum Termin vor dem Amtsgericht da sein würden. Insolvenzverwalter Görg teilte dem Gericht am Vormittag mit, er erwarte den Eingang der Unterschriften innerhalb der nächsten Stunden.

Unterschriften 90 Minuten verspätet

Gegen 11.30 Uhr, 90 Minuten nach dem ursprünglichen Termin vor Gericht, konnte Highstreet schließlich den Eingang der fehlenden Unterschriften bekannt geben. "Alles ist da, alles ist bestens", erklärte Highstreet-Sprecher Speich. In einer Stellungnahme teilte das Konsortium mit, die Einigung mit Herrn Berggruen zu begrüßen. "Nun ist Herr Berggruen in der Pflicht, Kapital und Ressourcen einzusetzen und zu beweisen, wie sein Plan für Karstadt gelingen kann", heißt es darin. Berggruen und sein Management müssten zeigen, dass sie Karstadt operativ führen könnten.

Mit der gerichtlichen Zustimmung zum Insolvenzplan ist ein schwieriger Prozess zu Ende gegangen. Die Karstadt-Mutter Arcandor hatte am 9. Juni 2009 Insolvenz angemeldet. Seit Frühjahr dieses Jahres hat die Insolvenzverwaltung nach einem Investor gesucht, der die verbliebenen Warenhäuser als Ganzes übernimmt.

Alle Filialen sollen bleiben

Die Einigung mit Highstreet auf niedrigere Mieten war eine Voraussetzung für den Einstieg Berggruens. Das Immobilienkonsortium, hinter dem unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank stehen, hatte sich selbst Geld bei Kapitalgebern geliehen, um die meisten der Warenhaus-Filialen zu erwerben und dann an Karstadt zurückzuvermieten. Für diese Gläubiger bedeuten niedrigere Mieten auch eine geringe Rendite.

Berggruen will alle 120 Filialen erhalten. Investieren will er 70 Millionen Euro eigenes Kapital, sobald der Kaufvertrag in Kraft tritt. Die Marke Karstadt soll verjüngt und modischer werden. Es wird damit gerechnet, dass der 48 Jahre alte Finanzier in Kürze Details zu seinem Konzept vorlegt.

(dpa, APN, N24)

03.09.2010 15:01 Uhr

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