Referendum über Frieden?
Kritik an Netanjahu und Abbas
Benjamin Netanjahu und Mahmud Abbas müssen sich in ihrer Heimat nach den ersten Nahost-Gesprächen Kritik gefallen lassen. Netanjahu stellte ein Referendum über ein Friedensabkommen in Aussicht.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schließt einem Medienbericht zufolge ein Referendum über die Grundzüge eines möglichen Friedensabkommens mit den Palästinensern nicht aus. Sollte ein "Rahmenabkommen" für einen künftigen Friedensvertrag unterzeichnet werden, könnte eine Abstimmung stattfinden, berichtete der israelische Rundfunk unter Berufung auf Vertraute des Ministerpräsidenten. Dies könne möglicherweise noch innerhalb eines Jahres geschehen.
Netanjahu war am Freitag nach Israel zurückgekehrt, nachdem er am Donnerstag in Washington Palästinenserpräsident Mahmud Abbas getroffen hatte. Es waren die ersten direkten Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern seit fast zwei Jahren. Netanjahu und Abbas vereinbarten dabei, die Friedensgespräche im Zwei-Wochen-Rhythmus fortzusetzen.
Netanjahus Koalition will keine Gebiete aufgeben
In ihrer Heimat sind Netanjahu und Abbas sind mit Kritik empfangen worden. Im Mittelpunkt stand der Siedlungsbau im Westjordanland, der bis Ende September gestoppt ist und dessen Wiederaufnahme von Abbas als Ende des direkten Dialogs bezeichnet wurde.
Netanjahu steht in seiner Koalition unter Druck, möglichst kein besetztes Gebiet im Westjordanland und Ost-Jerusalem aufzugeben. In Washington erkannte Netanjahu die Notwendigkeit an, einen palästinensischen Staat zu schaffen und forderte "gegenseitige und schmerzhafte Zugeständnisse auf beiden Seiten". In Netanjahus Koalition haben dies bislang seine eigene Likud-Partei, Yisrael Beitenu und die ultraorthodoxe Schas abgelehnt. Die Arbeitspartei hat einen moderateren Standpunkt.
Hamas bleibt bei ablehnender Haltung
Ein Likud-Mitglied in Netanjahus Kabinett, Umweltminister Gilad Erdan, sagte, der Ministerpräsident werde einen Mittelweg durch die politischen Hindernisse gehen. Netanjahu werde soviel wie möglich vom Westjordanland behalten wollen und zugleich eine Lösung für ein friedliches Zusammenleben mit den Palästinensern anstreben, sagte Erdan im israelischen Rundfunk.
Auf palästinensischer Seite ist die den Gazastreifen kontrollierende Hamas gegen die Direktverhandlungen. Von Gaza aus wurde in der Nacht eine Rakete auf Israel abgefeuert, die nach israelischen Militärangaben keinen Schaden anrichtete. Der einflussreiche politische Aktivist Mustafa Barghuti sagte, Abbas kehre geschwächt zurück. "Was wir gehört haben (in Washington) hat unseren Standpunkt in keiner Weise geändert", sagte er. Es habe im Gegenteil den Verdacht bestärkt, dass es "endlose Gespräche werden, die kaum Ergebnisse produzieren werden".
(AFP, apn, N24)
03.09.2010 15:42 Uhr









