"Bundesländerranking"

Osten holt bei Wirtschaftsentwicklung auf

Zwanzig Jahre nach der Unterzeichnung des Einheitsvertrags holen die ostdeutschen Länder wirtschaftlich immer weiter auf. Noch ist einiges zu tun, doch der Osten kommt mit ganz großen Schritten.

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Dem Sekthersteller Rotkäppchen ist es gelungen, sich nach der Einheit zu behaupten.
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Eines der DDR-Produkte, das sich über die Wende gerettet hat ist die Vita Cola: Erfunden wurde sie 1954 durch den Biergroßhändler Oskar Heinicke in Jena. Damals hieß sie aber noch „Brauselimonade mit Frucht- und Kräutergeschmack".
Zu großem Ruhm nach der Wende gelangte auch der Nuss-Nughat-Aufstrich aus dem Osten Nudossi. Ihm wird nachgesagt, dass er inzwischen besser ist, als sein Westkonkurrent Nutella. Das war aber nicht immer so: Noch zu DDR-Zeiten war das Zeug hart ...
...wie eine Tafel Schokolade. Erst nach der Wende wurde der Haselnussanteil auf 36 Prozent erhöht und ist damit um 23 Prozent höher als bei seinem West-Pendant Nutella. Inzwischen schmeckt es tatsächlich besser.
Filinchen wurde in der DDR für den zarten Gaumen als ein feines Waffelbrot hergestellt. Sie werden fast ausschließlich mit süßen Belägen wie Honig, Nusscremes oder Marmelade gegessen und sind vor allem bei Kindern beliebt.
Bereits 1931 wurde das von Dr. Wilhelm Kraft erfundene Knäckebrot, dessen Idee er übrigens aus Skandinavien mitbrachte in Magdeburg hergestellt. Auch in der DDR erfreute sich das Knusperbrot bei Kallorienbewußten großer Beliebtheit.
Was es in der DDR reichlich gab, war Alkohol. Die besten Tropfen wurden auch in der Bundesrepublik gern und reichlich konsumiert. Vielleicht liegt darin auch das Geheimnis, dass gerade Brennereien und Malzereien die Wende überlebt haben.
Neben dem Nordhäuser Doppelkorn, den es eigentlich schon seit 1507 im thüringischen Nordhausen gibt, hat es auch die Wilthener Goldkrone in Sachsen über die Wende geschafft.
Ein sehr zwiespältiges Getränk - aber immer in den Regalen der DDR-Kaufhallen vorrätig - war der Wermut Gotano, der im thüringischen Gotha hergestellt wurde und wird. Er sollte Cinzano und Martini Konkurrenz machen. Allerdings war das Zeug zuckersüß.
In Dresden hergestellt, in der DDR nicht zu kaufen. Die Radeberger Brauerei war eine Exportbrauerei, die ausschließlich für das Ausland produzierte. Gab es das Exportbier doch mal in den DDR-Läden, wurden nur wenige Flaschen an die Kunden verkauft.
Das in der DDR wohl am meisten konsumierte alkoholische Getränk war Rotkäppchen Sekt. Auf keiner Betriebsfeier, keinem Geburtstag, auch nicht zu Weinachten und schon gar nicht zu Silvester durfte das Getränk aus der Sektkellerei Freyburg fehlen.
Heute ist die Rotkäppchen Sektkellerei GmbH eine der Erfolgreichsten und hat sich auch schon einige der West-Konkurrenten und Ost-Nebenbuhler unter den Nagel gerissen.
Ein nicht alkoholisches Getränk, welches auch heute noch in den Regalen zu finden ist, ist die Club-Cola. Interessanter als sein Geschmack ist seine Geschichte: Auf Wunsch der SED und anderer staatlicher Organisationen sollte ...
... ab der Leipziger Frühjahrsmesse 1966 ein eigenes, den westlichen Vorbildern ähnelndes Cola-Getränk entwickelt werden. Die Cola hatte einen aromatischen, weichen Geschmack, der sich völlig von anderen DDR Cola-Marke, wie Vita Cola unterschied.
Auch genascht wurde in der DDR. Neben dem schon erwähnten Nudossi gab es auch die Bambina. Schokolade mit einer Milch-Creme-Füllung. Viele mochten sie, andere fanden ihren Geschmack furchtbar.
Ein kleines Highlight waren die Knusperflocken. Auch sie haben sich über die Jahre gerettet. Vielleicht ist es gerade ihre Einfachheit, die sie so begehrt macht. Sie bestehen aus Vollmilchschokolade und Knäckebrot. Man nennt sie auch: "Schoko Ossis".
Ebenfalls eine Süßigkeit, die die Wende überdauert hat sind die Halloren Kugeln. In den 1950er Jahren war sie als sogenannte "Volkspraline" angelegt, um die schweren Zeiten zu versüßen. Der Grundstoff war Fondant mit Kakao in einer Schokoladenhülle.
Auch der Hansa Keks erfreut sich noch heute großer Beliebtheit. Er ist vergleichbar mit Bahlsens Leibnitz-Keks. Aber nur der hat ja bekanntermaßen die 52 Ecken. Allerdings waren und sind die Kekse von Wilkana etwas weicher als ihr West-Pendant.
Die Kathi Rainer Thiele GmbH in Halle besitzt im Osten etwa den Stellenwert, den die Dr. August Oetker KG im Westen hat. Als erstes deutsches Unternehmen wurde bei Kathi 1951 eine Backmischung für einen einfachen Sandkuchen entwickelt. Bei Oetker...
...gab es die erst 1970. Kathi arbeitete bis 1972 als Privatbetrieb wurde dann aber enteignet. 1992 ging die Firma nach einem Reprivatisierungsantrag an den Sohn der Gründer Kaethe und Kurt Thiele zurück.
Auch das Leckermäulchen findet sich heute in den Regalen der Supermärkte. Zu DDR-Zeiten war es ein schlichter Quark mit Vanillegeschmack. Heute gibt es ihn, mit Stickstoff aufgeschäumt, in vielen Geschmacksrichtungen. Wirklich besser?
Der Osten schlechthin wird vom Bautz’ner Senf verkörpert. Er zählt zu den bekanntesten und beliebtesten ostdeutschen Produkten. Heute gehört die Marke zur Develey Senf & Feinkost GmbH – Unterhaching.
Die Produktion findet jedoch immer noch im Werk in Kleinwelka, einem Vorort von Bautzen statt. Die Tradition der Senfherstellung in Bautzen begann im Übrigen mit einer bereits 1866 in Bautzen gegründeten Firma.
Auch Babys mussten im Osten etwas essen. Sie bekamen Milasan. Wer will, kann auch heute die lieben Kleinen mit Milasan hochpäppeln.
Röstfein war schon zu DDR-Zeiten die bekannteste Kaffee-Dachmarke. In den 70er Jahren wurden in Magdeburg und den sechs weiteren Röstereien der DDR jährlich etwa 50.000 Tonnen verschiedener Kaffeesorten wie z. B. RONDO, MONA und KOSTA hergestellt.
Obwohl Kaffee ein teurer Luxusartikel war, reichte die Menge nicht, um den Kaffeedurst der DDR-Bürger zu stillen. Ein neues Röstverfahren zur Steigerung der Quantität sicherte der Marke auch nach der Wende das Überleben: das Wirbelschicht-Röstverfahren.
Über diese Delikatesse müssen nur wenige Worte verloren werden: Spreewälder Gurken sind Kult. Das wusste schon Theodor Fontane, der 1870 vermerkte, dass die Spreewaldgurke an der Spitze der landwirtschaftlichen Produktion steht.
Auch die Eierteigwaren aus Riesa haben es bis ins Jahr 2009 geschafft.
Und natürlich auch die Tempo Linsen. Sie wurden entwickelt, um der berufstätigen modernen Frau der DDR die Arbeit und Kochzeit in der Küche zu verkürzen. Auch heute noch kann man mit Tempo Linsen binnen kürzester Zeit eine Suppe zaubern.
Bleiben noch zwei Dinge, die sich über die Zeit gerettet haben. Der Ketchup aus Werder. Den eine Fülle an Tomaten auszeichnet und keine künstlichen Aromastoffe und ...
... die Pfeffis. In der DDR so beliebt, wie die Kaugummis im Westen. Das "Tick Tack" des Ostens.
Ein Produkt, dass zwar nicht in aller Munde, aber zumindest in fast jeder Waschmaschine war: Spee. Das ultimative Ost-Waschmittel. Der Name steht übrigens für Spezial-Entwicklung.
Wer glaubt, dass das phosphatfreie Spee und Spee Color Erfindungen des Westens sind der irrt. Die gab es bereits in den 1980er Jahren in der DDR. Zugegeben nicht so schön verpackt, aber mit guter Waschkraft.
Auch das, was heute als Spee Megaperls oder Persil Megaperls verkauft wird, ist eine Erfindung der Waschmittelwerke in Genthin. Zu DDR-Zeiten hieß es lediglich: "Spee gekörnt".
Mit fit ist es allerdings anders. Das ultimative Ost-Produkt für den Abwasch hat außer dem Namen nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem alten DDR-Produkt zu tun. Und das ist auch gut so.
Auch gecremt wurde in der DDR und zwar mit Florena. Der Markenname Florena wurde erstmals 1920 beim Reichspatentamt in München registriert. Bis 1970 trug der seit 1946 Volkseigene Betrieb den Namen "Rosodont Werk Waldheim“.
Die erste Florena-Creme in der blau-weißen Dose – analog der Nivea-Dose in Westdeutschland – kam ab 1960 heraus. Seit dem Jahr 2002 ist Florena eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Beiersdorf AG, der auch die Konkurrenzmarke Nivea gehört.
Auch gelesen wurde in der DDR. Die ganz Kleinen fingen mit dem Bummi an. Bummi erschien erstmals am 15. Februar 1957 als Monatszeitschrift in der DDR. Später erschien sie vierzehntäglich zum Preis von 0,25 Mark mit einer Auflage von 736.300 Exemplaren.
Die Bummi-Hefte für Kinder von drei bis sechs Jahren gibt es auch heute noch.
Mit sechs Jahren las man, wenn man es denn bekam, das Mosaik. Das Mosaik ist der älteste und auflagenstärkste noch erscheinende Comic deutscher Produktion. Die Zeitschrift wurde 1955 in Ost-Berlin gegründet. Das erste Heft erschien im Dezember 1955.
1975 wechselten die Protagonisten im Mosaik. Nach den Digedags kamen die Abrafaxe, aber noch heute erfreuen sich die drei kleinen Kerlchen größter Beliebtheit. Weit mehr als 200 Millionen Hefte wurden bis heute verkauft.
Wer beim Versandhändler Otto einen Kühlschrank der Marke Foron gekauft hat, hat sich vielleicht schon mal die Frage gestellt wo die den herkommt: Aus der DDR.
1993 sorgte das Unternehmen für Aufsehen, weil es den weltweit ersten FCKW freien Kühlschrank auf den Markt brachte. Unterdessen hat sich das Unternehmen mit Designkühlschränken der Serien Avantgarde und Bistro am Markt etabliert.
Als letztes sei die Ur-Zigarette des Ostens erwähnt: f6. Auch sie hat sich am Markt gehalten. Grund: Sie betont, ein Ost-Produkt zu sein. Die Verpackung ist auch nahezu originalgetreu, sowohl im Design, als auch in ihrer Handhabung.
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Die DDR - 41 Jahre lang ist sie der Versuch, den ersten deutschen "sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern" zu etablieren. 20 Jahre nach ihrem Scheitern und der Wiedervereinigung wollen wir einen Blick zurück werfen.
Gegründet wird die DDR am 7. Oktober 1949. Zunächst leben die DDR-Bürger ohne Mauer jedoch unter strenger Kontrolle der ...
... Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands auf dem Gebiet der nach dem 2. Weltkrieg vereinbarten sowjetischen Besatzungszone. Erster Generalsekretär bis 1953 ist Walter Ulbricht. Ihm folgen Erich Honecker (1971-89) und Egon Krenz (1989).
Die zunehmende Republikflucht aufgrund des diktatorischen Regimes führt 1961 zum Bau der Mauer, von der DDR als "antifaschistischer Schutzwall" bezeichnet. Sie wird das Symbol der Teilung der DDR von der westlichen Welt und ...
... führt auf deutschem Boden zur Entwicklung einer eigenen sozialistischen Parallelwelt neben der BRD, inklusive eigener Wirtschaftsordnung (Planwirtschaft), eigenen Produkten und eigener Lebenskultur.
Nur mit Ausnahmegenehmigung oder Passierschein ist es DDR-Bürgern erlaubt, die innerdeutsche Grenze zu überqueren. Damit beschränkt sich der Urlaub auf das DDR-Territorium und das sozialistische Ausland.
Das "Glück des Ostens" ist ein Wartburg und ein Zeltplatz an der Ostsee. Urlaub wurde in der DDR als Teil der Arbeit am Sozialismus betrachtet und auch so organisiert.
Schüler fahren in die Kinderferienlager, Familien versuchen einen der preiswerten aber knappen Plätze im FDGB-Heim zu bekommen. Ein Sieben-Tage-Urlaub im Harz kostet beispielsweise 1960 17,50 Ost-Mark.
Wer dem Massenurlaub in einem der FDGB-Ferienheime mit geregelten Essenszeiten und organisierter Fröhlichkeit entrinnen will, versucht eine ebenso rare Unterkunft an der Ostsee zu bekommen.
Beziehungen sind selbst fürs Zelten nötig, denn auch die Campingplätze sind während der Sommerferien völlig überlaufen. Und mit dem eigenen Boot die Ostsee zu befahren, ist streng verboten. Der Staat fürchtet die "Republikflucht".
Davon lassen sich die Bürger aber nicht abschrecken. Große Teile der Ostseeküste sind fest in der Hand der "Nackten" - das Fröhnen der FKK-Kultur gilt als typisches DDR-Gut.
Wenn die DDR-Bürger schon nicht die Freiheit besitzen, in westliche Länder zu reisen, so nehmen sie sich zumindest die Freiheit im eigenen Land, ungezwungen ohne Textilien die Freikörperkultur zu zelebrieren.
Neben FKK ist der Trabant ein weiteres Symbol der DDR. Zu Beginn seiner Produktion wird er noch als ostdeutscher "Volks“-Wagen gefeiert und gilt für viele Familien mit mittlerem Einkommen als Einstieg in die automobile Welt. Er kostet ca. 10.000 Ost-Mark.
Mangels Alternativen sind die Auftragsbücher übervoll. Interessenten müssen mehr als zehn Jahre auf einen Trabi warten. Praktisch jeder erwachsene DDR-Bürger hat daher eine Pkw-Bestellung laufen - ein ostdeutsches Männertrauma quasi.
Eine gehobenere Alternative zum Trabi ist der Wartburg. Er kostet jedoch ca. 30.000 Ost-Mark, was für DDR-Bürger ein Vermögen ist.
Für die hochrangigen Minister und Funktionäre des Staatsapparates stehen natürlich andere Karossen zur Verfügung. Mit diesem Volvo wird beispielsweise Erich Honecker chauffiert.
Nicht nur Autos sind gefragte und daher knappe Güter in der DDR. Es herrscht seit den 60er Jahren zwar kein existenzieller Mangel an lebenswichtigen Grundbedarfsgütern, aber alles wurde irgendwann und irgendwo mal knapp.
Die 1000 kleinen Dinge des täglichen Bedarfs beschäftigen wiederholt das Politbüro. Die Weihnachtsversorgung der Bevölkerung gerät alljährlich zur Staatsaktion. Doch aller politischer Eifer kann nicht verhindern, dass ...
... das Angebot der Nachfrage hinterherhinkt. Der Kardinalfehler steckt im planwirtschaftlichen System selbst. Es wird am Bedarf vorbeiproduziert und führt somit zu der vielzitierten Mangelwirtschaft.
Die Wirtschaft und der Konsum ist ein ewiges Thema in der historischen Betrachtung der DDR und wird neben der politischen Diktatur als Hauptgrund ihres Scheiterns aufgeführt.
Auch wenn es Erfolgsmeldungen gibt: Die schon vor DDR-Zeiten gegründete Sektkellerei "Rotkäppchen" schafft es, den Übergang vom "volkseigenen Betrieb" in der DDR zu einem heute erfolgreichen Unternehmen zu meistern.
Und eine weitere in der DDR gegründete Marke hat bis heute überlebt - die ostdeutsche "Vita Cola" wird in der DDR in verschiedenen Getränkebetrieben abgefüllt und ist seit 1994 deutschlandweit im Handel erhältlich.
Ein weiteres kulinarisches Überbleibsel der DDR - die Soljanka, eine Wurstsuppe mit Paprika, sauren Gurken und Zwiebeln. Sie ist eigentlich osteuropäischen Ursprungs, findet aber als beliebter Eintopf Einzug in die DDR-Gastronomie.
Quasi das Fast Food der DDR - der Broiler, die in der DDR übliche Bezeichnung für Brathähnchen. In der DDR werden Zuchtversuche unternommen, um ein möglichst fleischreiches Huhn für den Broiler zu züchten - jedoch nur mit mäßigem Erfolg.
Ein wichtiger Werbeträger der Ostalgie-Welle ist das Sandmännchen, auch wenn es sowohl eine BRD- als auch eine DDR-Version gibt. Dies führt in den Kindergärten der DDR zu recht heimtückischen Ausforschungen der Kinder.
Wenn die Kinder in den DDR-Kindergärten das Sandmännchen beschreiben oder malen sollen, wird schnell klar, welches Fernsehprogramm im Elternhaus gesehen wird. Das Empfangen von Westsendern wird verfolgt und bestraft.
Pittiplatsch - von dieser niedlichen Koboldfigur handeln die Geschichten des Sandmännchens. Die nur wenige Minuten langen Filme in der Abendgruß-Sendung zeigen Pittiplatsch meist im Dialog mit Schnatterinchen und dem Hund Moppi.
Die Jugend in der DDR ist generell der starken sozialistischen Ideologie unterworfen. Jugendorganisationen wie die FDJ sollten Kinder und Jugendliche von klein auf systemkonformes Verhalten lehren.
Die Pionierorganisation "Ernst Thälmann“ war in der DDR die politische Massenorganisation für Kinder: angefangen als Jungpionier (1.-3. Klasse) mit blauen Halstüchern, gefolgt vom Thälmannpionier (4.-7. Klasse) mit rotem Halstuch.
Nachfolgeorganisation ab dem 14. Lebensjahr ist die "Freie Deutsche Jugend". Die Mitgliedschaft ist zwar freiwillig, doch haben Nichtmitglieder erhebliche Nachteile (z.B. bezüglich Studien- und Berufswahl). FDJ-Kleidung ist das "Blauhemd".
Ein wichtiger Schritt für die DDR-Jugend ist die Jugendweihe als Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter. Sie ist eine nichtkirchliche Alternative zur Konfirmation bzw. Firmung und findet mit dem 14. Lebensjahr statt.
Zu dem Festakt sind alle Angehörigen eingeladen. Nach einigen offiziellen Reden und dem Gelöbnis werden von Jungpionieren Blumen, eine Urkunde und das Buch "Der Sozialismus - Deine Welt" überreicht.
Auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel verbringt ihre Jugend in der DDR. Als junges Mädchen bereitet Angela Kasner im Juli 1973 - nach ihrem Abitur - mit Freunden beim Camping im brandenburgischen Himmelpfort auf der Feuerstelle ein Essen zu.
Wer entdeckt Angela Merkel auf diesem Bild? Hier ist sie 1971 mit ihren Schulfreunden aus der 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule Templin/Brandenburg zu sehen. Lösung: 2. Reihe, Mitte, leicht verdeckt
Angela Merkel ist zu DDR-Zeiten noch unbekannt, nicht so dieser Mann - Sigmund Jähn, der damalige Stolz des DDR-Volkes. Der DDR-Kosmonaut ist 1978 der erste Deutsche im All. An Bord des Raumschiffs Sojus 31 hebt er zu einem einwöchigen Weltraum-Trip ab.
Hier ist er mit seinem russischen Kollegen Bykowski zu sehen. Gemeinsam absolvieren sie den Flug zur russischen Raumstation Salut 6. Selbstverständlich sind die DDR-Funktionäre besonders stolz, dass gerade ein DDR-Bürger der erste Deutsche im All ist.
Das Kräftemessen mit der westlichen Welt wird auch im Sport weiter betrieben. Der immense Ehrgeiz und die Rivalität führt teilweise zum Einsatz illegaler Mittel, um die DDR-Sportler auf Höchstleistung zu trimmen.
Unvergessen ist der Sieg der DDR-Fußballnationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 1974 gegen die BRD im Hamburger Volksparkstadion. Jürgen Sparwasser schießt das Tor zum 1:0, gleichzeitig Endstand des Spiels.
Auch nach der Wende ein Gesicht des gesamtdeutschen Fußballs - Matthias Sammer. Der in Dresden geborene Spieler ist Kapitän der DDR-Fußballnationalmannschaft und bestreitet die letzten Spiele des DDR-Teams.
Ein weiteres Aushängeschild des DDR-Sports ist Katharina Witt. Das "Time Magazine" bezeichnet sie als das "schönste Gesicht des Sozialismus". Sie ist sechsfache Europa-, vierfache Weltmeisterin und gewinnt zweimal olympisches Gold.
Auch Erik Zabel lernt das Einmaleins des Leistungssports in der DDR. Als Radsportler erringt er über 200 Siege und gewinnt als einziger Profi sechsmal das Grüne Trikot bei der Tour de France. Getrübt wird sein Ansehen jedoch durch ein Dopinggeständnis.
Die DDR-Leichtathletin Marlies Göhr zählt in den 70er und 80er Jahren zu den weltbesten 100-Meter-Läuferinnen. Sie wurde jeweils zweimal Olympiasiegerin und Weltmeisterin sowie fünfmal Europameisterin. Doch auch ihr wird systematisches Doping vorgeworfen.
Wie im Sport übt der Staat nahezu im gesamten DDR-Territorium seinen Kontroll- und Reglementierungszwang aus. Die Stasi ist das Staatsorgan, welches vor allem ein Unterdrückungs- und Überwachungsinstrument der SED ist und deren Machterhalt dient.
Die Stasi setzt insbesondere die Mittel der Überwachung und Einschüchterung gegen Oppositionelle und Regimekritiker ein. Hauptziel ist, die Gesellschaft in allen Bereichen zu kontrollieren, um DDR-kritische Tendenzen schnellstmöglich zu entdecken und ...
... jegliche Gefährdung des "wahren Sozialismus" zu unterbinden. In Stasigefängnissen werden zahlreiche Menschen inhaftiert, die der kommunistischen Diktatur im Weg stehen.
Ziel und Opfer der Stasi sind auch Künstler wie Wolf Biermann, die in ihren Arbeiten wegen vermeintlich "grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“ und Kritik an der DDR, Schikane und Verboten unterworfen sind.
Der Kultur wird in der DDR große Aufmerksamkeit gewidmet. Es ist erklärtes Ziel, als "sozialistische Kultur zur ideologischen Erziehung und Gestaltung eines sozialistischen Weltbildes" beizutragen. Entsprechend streng ist die Zensur.
Dieses Bronzerelief vor der Leipziger Universität ist ein Beispiel der in der DDR vorrangigen Auftragskunst. Es trägt den Namen "Karl Marx und das revolutionäre, weltverändernde Wesen seiner Lehre".
Seitens der DDR-Führung gibt es das Bestreben in Abgrenzung zur westlichen Beatmusik eine eigene Tanzmusik zu etablieren. Dennoch treffen Musikgruppen wie die Puhdys, City oder Karat eher das Zeitgefühl der DDR-Bürger und feiern nationale Erfolge.
Erich Honecker kämpft erbittert um die Gunst der Jugend. Selbst West-Musiker Udo Lindenberg trifft er, um sich Freunde zu machen. Lindenberg überreicht "Honi" bei der Gelegenheit eine Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren".
Und es gibt auch einen "Ost-Comic": die Digedags sind die Helden der in der DDR erscheinenden Comiczeitschrift Mosaik. Die drei Protagonisten Dig, Dag und Digedag erleben in mehreren großen Serien Abenteuer in Raum und Zeit.
Ein mittlerweile berühmt gewordenes Film-Langzeitprojekt wird ebenfalls in der DDR durchgeführt - die "Kinder von Golzow". Für die Doku werden Schüler aus dem brandenburgischen Golzow auf ihrem Lebensweg begleitet. 20 Filme entstehen während des Projekts.
Was gibt es sonst noch für Anekdoten, die einem von der DDR in Erinnerung geblieben sind: zum Beispiel ...
... die des ersten eigenentwickelten Passagierstrahlflugzeugs der DDR. Bei dem zweiten Testflug der Maschine kommen alle vier Besatzungsmitglieder ums Leben. Weitere technische Probleme führen dazu, das der Flugzeugbau in der DDR eingestellt wird.
Die staatliche Fluggesellschaft der DDR heißt übrigens "Interflug". In russischen Propellerflugzeugen werden DDR-Bürger und Frachtgut durchs Land geflogen.
Dieser Vogel ist das Maskottchen des DDR-weiten Tankstellennetzes Minol - der "Minol-Pirol". Zum Ende der DDR existieren über 1.300 Minol-Tankstellen.
Auch Karneval wird in der DDR gefeiert - hier unter dem Namen Fasching. Büttenredner müssen aber schon überlegen, ob und wie weit sie sich mit der Obrigkeit anlegen wollten. Ging einer von ihnen zu weit, waren Bespitzelung und Auftrittsverbot die Folge.
Ein starker Wintereinbruch im Winter '78/'79 bringt im Norden der DDR chaotische Zustände. Besonders betroffen ist Rügen, wo nach einem milden Weihnachtsfest die Temperaturen innerhalb weniger Stunden von fünf Grad plus auf 20 Grad unter Null fallen.
Straßen sind unpassierbar, Viehherden verenden, Leitungen brechen und Züge bleiben im Schnee stecken. Hier sehen wir ein durch Schneemassen von der Außenwelt abgeschnittenes Gehöft.
Und sie ist das letzte Kind der DDR - die blonde Sarah erblickt exakt zwei Minuten vor der deutschen Einheit am 2. Oktober 1990 in der Städtischen Frauenklinik Leipzig das Licht der Welt und ist, einer Fernsehumfrage zufolge, das letzte Kind der DDR.
Seit dem 3. Oktober 1990 ist die DDR Geschichte. Doch neben den Erinnerungen lebt sie zumindest im kanadischen Montreal weiter: die DDR-Flagge weht noch 2009 vor dem einstigen Radrenn-Stadion im Olympiapark und soll an die Sommerspiele 1976 erinnern.
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Die ostdeutschen Bundesländer holen bei der wirtschaftlichen Entwicklung immer mehr auf. Im von der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) und der "Wirtschaftswoche" vorgestellten "Bundesländerranking" rangieren sie hisichtlich ihrer wirtschaftlichen Dynamik auf den fünf vorderen Plätzen. Im Bestandsvergleich liegen die östlichen Länder dagegen immer noch hinten.

Beim errechneten Bestands-Index, in dem die Wissenschaftler des Kölner Instituts "IW Consult" unter anderem die Höhe des Bruttoinlandsproduktes, die Arbeitslosenquote und soziale Indikatoren wie den Anteil von Transferleistungsempfängern berücksichtigten, konnte Bayern den ersten Platz verteidigen. Es folgen Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Ganz hinten rangieren trotz ihrer in der Studie festgestellten Aufholjagd Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und als Schlusslicht Berlin.

Im Dynamikvergleich, bei dem die Autoren der Studie wirtschaftliche Kenndaten des vergangenen Jahres mit denen aus 2006 verglichen, führt Brandenburg vor Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Thüringen. Die in ihren wirtschaftlichen Bestandswerten vergleichsweise starken Westländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und das Saarland liegen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung auf den hinteren Plätzen. Schlusslicht im Dynamikvergleich ist der Sieger im Bestandsranking: Baden-Württemberg.

Ostdeutschland bewältigte Krise relativ gut

"Insgesamt zeigt das Bundesländerranking auch, dass Ostdeutschland vergleichsweise besser durch die Turbulenzen der Wirtschaftskrise gekommen ist als vor allem die stark industrialisierten Länder des Westens", sagte der stellvertretende Chefredakteur der "Wirtschaftswoche", Henning Krumrey.

Gute Noten erhielten die ostdeutschen Länder auch hinsichtlich ihrer Haushaltspolitik. In der Rangfolge, bei der die Forscher von "IW Consult" den Schuldenstand pro Einwohner, seine Änderung von 2006 auf 2009 sowie die Personalausgaben der Länder berücksichtigten, führt Mecklenburg-Vorpommern vor Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Die rote Laterne hat Bayern vor dem Saarland, Bremen und Hessen.

(apn, N24)

03.09.2010 16:36 Uhr

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