Hartes Stück Arbeit

DFB-Elf startet mit knappem Sieg in EM-Quali

Die deutsche Nationalelf hat das Auftaktspiel der EM-Qualifikation gegen Belgien mit 1:0 gewonnen. Glanz versprühten Jogis Jungs dabei allerdings nicht. Den deutschen Treffer erzielte Miroslav Klose.

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Sami Khedira im Zweikampf mit dem Belgier mit der schönsten Frisur, Marouane Fellaini. Die Belgier überraschten die DFB-Elf mit gewaltiger Gegenwehr.
Video: Löw und Lahm - Stimmen nach dem Spiel gegen Belgien
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Philipp Lahm ist während der WM 2010 Kapitän der Nationalmannschaft. Michael Ballack - etatmäßiger Mannschaftsführer - ist verletzt. Damit steht Lahm in einer Reihe großer Fußball-Idole in Deutschland. Ein Rückblick in Bildern:
Wer an die WM 1954 und das „Wunder von Bern“ denkt, dem fällt sofort Fritz Walter ein. Der Pfälzer führte Deutschland damals als Kapitän zum ersten Weltmeistertitel. Bei dem Triumph war auch …
… Hans Schäfer (r) mit dabei. Acht Jahre später, bei der WM 1962 in Chile, war der Kölner dann selbst Spielführer.
Uwe Seeler gilt als legendärer Mittelstürmer – einen großen internationalen Titel gewann der Hamburger allerdings nie. 1966 musste sich die Elf um „Uns Uwe“ im WM-Finale nach dem berühmten „Wembley-Tor“ gegen England geschlagen geben.
Nach Seeler streifte sich Franz Beckenbauer die Kapitänsbinde über. Mit dem „Kaiser“ begann eine goldene Ära des deutschen Fußballs, gekrönt durch den Weltmeistertitel 1974. Der „Lichtgestalt“ …
… folgte Defensiv-Haudegen Berti Vogts als Kapitän nach. Bei der WM 1978 führte er jene Elf aufs Feld, die durch die „Schmach von Cordoba“, der Niederlage gegen Österreich, zweifelhaften Ruhm erlangte.
Bernhard Dietz gehörte nie zu den schillernden Rasen-Stars Deutschlands. Doch mit „Ennatz“, dem eisenharten Verteidiger, wurde die DFB-Elf 1980 Europameister.
Karl-Heinz Rummenigge (l) zählte in den 80er Jahren zu den besten Stürmern der Welt. In seine Ära als DFB-Kapitän fielen die Vize-Weltmeisterschaften 1982 und 1986. Den ganz großen Triumph …
… durfte Lothar Matthäus bei der WM 1990 in Italien nachholen. Der Franke drückte dem Turnier eindrucksvoll seinen Stempel auf, wurde anschließend zum „Weltfußballer des Jahres gekürt“. Weil Matthäus …
… bei der EM in Schweden zwei Jahre später verletzt ausfiel, erlangte Andreas Brehme Kapitänsweihen. An das verlorene Finale gegen dänische Urlauber wird er sich sicherlich nicht so gerne erinnern.
Zwölf Jahre ist es her, dass Deutschland einen Titel gewann: 1996 stemmte Kapitän Jürgen Klinsmann den EM-Pokal in den Londoner Nachthimmel. Da applaudierte sogar die Queen (im Hintergund). Den Erfolg möglich gemacht hatte …
… Oliver Bierhoff (l) mit seinem berühmten „Golden Goal“ im Finale. Bei der EM 2000 wollte er sich wieder zum Protagonisten aufschwingen. Trainer Ribbeck ließ ihn jedoch trotz Spielführerbinde häufig auf der Ersatzbank schmoren.
Es ist das vielleicht berühmteste Bild seiner langen Karriere: Oliver Kahn trauert nach dem WM-Finale 2002. Als Kapitän hatte der Torwart ein überragendes Turnier gespielt – und dann ausgerechnet im Endspiel gegen Brasilien folgenschwer gepatzt.
Jürgen Klinsmann machte ihn zum „Capitano“ - und auch für Jogi Löw ist er Deutschlands wichtigster Führungsspieler: Auf Michael Ballacks Schultern ruhten die Hoffnungen auf eine erfolgreiche WM 2010 - bis er sich verletzte.
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Haben Sie ihn erkannt? Genau, der Herr mit dem eleganten Schnauzer ist Jogi Löw. Der Bundestrainer, ...
... geboren am 3.2.1960, war früher nämlich Spieler, für Stuttgart, Eintracht, KSC und den SC Freiburg - wo er bis heute Rekordtorschütze ist.
Obwohl Löw ein anständiger Fußballspieler gewesen ist, gründet sein heutiger Ruhm eher auf seiner sich anschließenden Trainerkarriere. Die beginnt Mitte der 90er beim VfB Stuttgart. 1995 wird der Badener Co-Trainer unter dem glücklosen Rolf Fringer.
Nach einer enttäuschenden Saison übernimmt Jogi und feiert gleich große Erfolge. In seinem ersten Jahr holt der VfB unter Löw den DFB-Pokal. 1998 erreichen die Schwaben das Finale des Europapokals der Pokalsieger. Gemeinsam mit dem ...
... so genannten "Magischen Dreieck" - Giovanne Elber, Krassimir Balakov und Fredi Bobic - ist Jogi Löws Arbeit der Garant für den Erfolg.
Und trotzdem: Joachim Löw hat Feinde im Verein, die den Klub-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder dazu bringen, Löw 1998 zu feuern und durch Winfried Schäfer zu ersetzen.
Den smarten Fußballlehrer mit dem unverkennbaren Dialekt zieht es an den Bosporus. Jogi Löw wird Trainer bei Fenerbahce Istanbul. Meisterschaft verpasst, Aus in der ersten Runde des UEFA-Pokals: Das Engagement währt nur ein Jahr.
Ebenso glücklos Löws Zeit 1999/2000 als Trainer beim Karlsruher SC. Die Badener wollen unbedingt den Aufstieg in die erste Liga schaffen. Doch Jogi kann's nicht richten, das Team gewinnt nur eins von 18 Spielen. Löw muss noch vor Ende der Spielzeit gehen.
Und die Misserfolgsserie reißt nicht ab: Bei Adanaspor in der Türkei überlebt Löw gerade einmal etwas mehr als zwei Monate. Er bleibt zunächst arbeitslos bis ihn endlich der FC Tirol Innsbruck engagiert. Löw führt das Team 2002 zur Meisterschaft.
Doch der Verein meldet Konkurs an, Jogi ist wieder arbeitslos. Nach einem Jahr unterschreibt er bei Austria Wien. Es läuft alles glatt, sein Team ist Tabellenführer. Nach einer Niederlage gegen den Tabellenletzten heißt es aber trotzdem: Koffer packen!
Und dann folgen die Zeiten, aus denen die meisten Jogi kennen. Nach verpatzter EM 2004 - Deutschland schied in der Vorrunde aus - tritt Rudi Völler als Bundestrainer ab und Jürgen Klinsmann übernimmt. Der Schwabe holt sich den Badener Löw an seine Seite.
Mit Oliver Bierhoff im Dreiergespann läutet der DFB damit eine neue, modernere Phase ein. Fitnesstrainer, Psychologen, die berühmten Gummi-Bänder - alle Methoden sind recht, um den deutschen Fußball aus dem spielerischen Mittelalter zu befreien.
Die Rollenverteilung ist dabei von Anfang an klar. Jürgen Klinsmann gibt den Motivator, den Antreiber, den, der den Kopf hinhält.
Und Jogi Löw? Der ist der Mann mit den Zetteln, der Kopf hinter dem deutschen Spiel, ein Taktiker und Planer.
Die beiden feiern Erfolge. Bei der WM 2006 erreicht die deutsche Mannschaft das Halbfinale, belegt am Ende Platz 3.
Eine Welle der Fußballeuphorie schwappt durch das Land. Das Führungsteam (links noch Torwarttrainer Andreas Köpke) erzielt Ergebnisse, die niemand dem kurz zuvor noch darniederliegenden deutschen Fußball zugetraut hatte.
Trotz des guten Abschneidens verlängert Jürgen Klinsmann nicht beim DFB. Für die Fans ist schnell klar: Nur mit "höggschder Disziplin" kann das Niveau gehalten werden.
Der zweite Mann wird zum ersten und führt das Projekt fort. Mit gelassener Souveränität tritt Löw in die Fußstapfen von Klinsmann.
Dabei setzt er weiter auf seinen eigenen Stil und professionellen Rat. Er behält den großen Betreuerstab bei und ...
... holt sich Hans-Dieter "Hansi" Flick als Assistenten an seine Seite.
"J.L." formt aus oft jungen Spielern immer wieder eine international konkurrenzfähige Auswahl und führt die Elf zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Und dort wird er endgültig zu Legende und Sympathieträger.
Im letzten Vorrundenspiel gegen Gastgeber Österreich spielen die Nerven verrückt. Es kommt zum Streit zwischen Jogi Löw, Österreich-Trainer Josef Hickersberger und dem vierten Offiziellen.
Der Schiedsrichter verweist Löw auf die Tribüne, für das kommende Viertelfinalspiel gegen Portugal darf er nicht auf der Trainerbank sitzen. Das Spiel gegen die Portugiesen ...
... verläuft dermaßen dramatisch, dass es Löw nicht mehr aushält. Der Gelegenheitsraucher steckt sich vor Nervosität eine an ...
... und pafft sich hektisch einen in der Glaskabine - unter den Augen der TV- und Fotokameras. Ein schlechtes Vorbild, der Herr Löw, aber eben auch nur ein Mensch.
Deutschland gewinnt gegen Portugal, übersteht auch das Halbfinale gegen die Türkei. Doch im Finale gegen Spanien folgt der Niederschlag: Die Iberer besiegen Jogis Jungs mit 1:0. Löw muss trösten. Der Titel war so nahe.
2010 in Südafrika wittern Jogi und seine Jungs ihre nächste Chance. Doch wenige Wochen vor Turnierbeginn der Schock: Aufgrund einer Verletzung muss die Mannschaft ohne Kapitän Michael Ballack antreten.
Mit Ballack verliert Löw seinen erfahrensten Spieler, der die junge Multikulti-Truppe anführen sollte. Fans und Medien sind skeptisch ...
... zu Unrecht: Nur im Halbfinale gegen Spanien, das Deutschland 0:1 verliert, ist die Mannschaft des smarten Baden im blauen Glückspulli zu stoppen. Die "Adler" belegen am Ende erneut den dritten Platz.
Spätestens seit dieser WM gilt Löw als Superheld des deutschen Fußballs - und hat nun gemeinsam mit der gesamten Führungsrige sein Engagement bis 2012 verlängert.

Der schwierige Neubeginn nach der furiosen WM ist geglückt: Torjäger Miroslav Klose hat die deutsche Fußball- Nationalmannschaft 55 Tage nach Platz drei in Südafrika beim hart erarbeiteten 1:0 (0:0) in Belgien einen erfolgreichen Start in die EM-Qualifikation beschert. Mit seinem 53. Länderspiel-Treffer in der 51. Minute entschied der Münchner am Freitagabend vor 42.000 Zuschauern im König-Baudouin-Stadion von Brüssel eine flotte Partie, in der die DFB-Elf mit umgestellter Defensive einige Mühe mit den forschen Gastgebern hatte. Mit dem erwarteten Sieg am Dienstag in Köln gegen das von Berti Vogts trainierte Team aus Aserbaidschan wäre Joachim Löws Maßgabe von sechs Punkten zum Auftakt erfüllt.

Vom Schwung des WM-Turniers in Südafrika war im deutschen Team indes lange Zeit wenig zu sehen. Obwohl der Bundestrainer zum EM-Aufgalopp bis auf die Abwehrspieler Marcell Jansen und Holger Badstuber seine WM-Stammelf aufs Feld geschickt hatte, blieb vor allem in der Offensive zunächst einmal vieles Stückwerk. Erst im zweiten Spielabschnitt lief der Ball auch nach vorne besser durch die deutschen Reihen und klappte auch der Abschluss - weil Klose wieder einmal richtig stand.

Der Münchner unterstrich mit seinem 53. Tor im 102. Länderspiel einmal mehr seine Qualitäten als eiskalter Vollstrecker. Auch Thomas Müller spielte schon wieder seine Stärken aus. Der 20-jährige WM-Torschützenkönig legte Klose das Siegtor auf und hätte nach Zuspiel von Kapitän Philipp Lahm (70.) beinahe das 2:0 erzielt.

Westermann ersetzt Jansen

Vor der Pause war die Abwehr mit einem überzeugenden Manuel Neuer zwischen den Pfosten bester Mannschaftsteil gegen aggressiv beginnende Belgier. Der Schalker bestätigte mit guten Paraden seinen Status als Nummer eins im Tor. Vor ihm erwies sich Per Mertesacker als Abräumer mit Übersicht. Dagegen waren Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger nur selten in der Lage, das Spiel im Mittelfeld wie bei der WM anzukurbeln. Vor allem dem Neu-Madrilenen Khedira auf der Michael Ballack-Position war die fehlende Spielpraxis anzumerken.

Real Madrids andere Neuverpflichtung Mesut Özil und Lukas Podolski, der in seinem 80. Länderspiel nur wenige gelungene Aktionen hatte, waren längst noch nicht in WM-Verfassung. Jansen, der auf der linken Abwehrseite die Position des verletzt fehlenden Jerome Boateng einnahm, gelangen ein paar gute Vorstöße. Der Hamburger wurde nach der Pause wegen einer Sehnenreizung in der rechten Kniekehle durch seinen Clubkollegen Heiko Westermann ersetzt.

Über Kampf zum Spiel gefunden

Im 75. EM-Qualifikationsspiel fand die DFB-Elf gegen engagiert aufspielende Belgier zunächst keinen Rhythmus und offenbarte auch in der Defensive manche Schwäche. In der 6. Minute hatten Mertesacker und Co. Glück, dass der frei stehende Marouane Fellaini den Ball nicht richtig traf. Wenig später brachte ein Ballverlust von Schweinsteiger Jungstar Romelo Lukaku in Schussposition, doch der 17-Jährige scheiterte aus 18 Metern an Manuel Neuer (9.).

Erst allmählich kämpfte sich das gegenüber dem 2:2 beim Dänemark-Test im August auf allen elf Positionen neu besetzte deutsche Team in die Partie und kam zu ersten Gelegenheiten durch den Neu-Madrilenen Özil. Zuerst zielte der 21-Jährige aus 16 Metern flach neben das Tor (16.), dann jagte er den von Müller aufgelegten Ball mit dem schwächeren rechten Fuß drüber (19.). Wenig später vergab Müller (22.) per Kopf die Möglichkeit zur Führung für die deutsche Mannschaft, die die Partie zunehmend unter Kontrolle brachte.

"Rote Teufel" im Abschluss zu harmlos

Doch die "Roten Teufel" blieben in der kampfbetonten Begegnung jederzeit torgefährlich. Drei Minuten vor der Pause verhinderte der zur Nummer eins im Tor ernannte Neuer mit einer Glanzparade gegen Moussa Dembele den drohenden Rückstand. Kurz nach Wiederbeginn sorgte eine Bayern-Kombination für die deutsche Führung. Schweinsteiger erkämpfte am belgischen Strafraum gegen seinen Münchner Kollegen Daniel van Buyten entschlossen den Ball, Müller leitete weiter auf Klose und der bewies wieder einmal seine Stärke vor dem Tor.

Der Gegentreffer stachelte die Belgier noch einmal auf. Mit wütenden Attacken drängte das Team von Georges Leekens auf den Ausgleich. Doch im Abschluss blieben die bis zum Strafraum gefällig kombinierenden "Roten Teufel" zu harmlos. Zwei Minuten vor dem Ende vergab Klose auf der Gegenseite sogar das mögliche 2:0.

(Klaus Bergmann, dpa, N24)

04.09.2010 10:46 Uhr

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