Kachelmann vor Gericht

Was geschah in der Nacht zum 9. Februar?

Vor dem Landgericht Mannheim begann am 6. September der Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann. Die zentrale Frage dabei ist: Was geschah in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010?

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Schon vor dem Prozess war eine beispiellose Medienberichterstattung zugange, zitiert wurde immer wieder aus Ermittlungsunterlagen oder Gutachten.
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Menowin ist der unbeliebteste Nachbar. Das ergab eine Umfrage von "ImmobilienScout 24" unter 1050 Deutschen.
Ist die Großfamilie Schuld? Neben dem DSDS-Zweiten Menowin Fröhlich will jedenfalls keiner wohnen. 19 Prozent der Befragten würden lieber ihre Koffer packen. Damit holt Menowin wenigstens hier Platz 1.
Platz 2 geht an DSDS-Juror Dieter Bohlen. 12 Prozent wollen auf keinen Fall neben Diiddaa wohnen. Vielleicht ist das auch die Angst, beim Streit am Gartenzaun den Kürzeren zu ziehen.
Bushido folgt auf Platz 3. Wer die Polizeiakte des Rappers liest, weiß warum: Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Sachbeschädigung und Körperverletzung - nicht unbedingt die besten Eigenschaften eines guten Nachbarn.
Platz 4: Bill Kaulitz - Groupies im Garten, wer will das schon.
Platz 5: Seit er mitregiert geht vieles schief. Vielleicht haben auch deswegen nicht mehr viele Bürger Lust auf Guido Westerwelle als Nachbarn.
Vergleiche mit dem dritten Reich und geschmacklose Loveparade-Kritik bringen Eva Herman auf Platz 6 der ungeliebten Nachbarn.
Superblondine Daniela Katzenberger landet auf Platz 7. Vielleicht ist die Cafebesitzerin auch deshalb erstmal auf unbestimmte Zeit nach Mallorca ausgewandert.
Er ist einer der mächtigsten Männer Deutschlands und auch einer der unbeliebtesten Nachbarn. "Deutsche Bank"-Chef Josef Ackermann wurde auf Platz 8 gewählt.
Hübsche Frau, aber hoher Nervfaktor - Rang 9 für Giulia Siegel. Das TV-Sternchen ist bei vielen Deutschen als Nachbarin unerwünscht.
Zur Zeit gewöhnt sie sich gerade in der Pro7-Doku "Don't Smoke on the Water" das Rauchen ab.
Wer Loddar betrügt, der ist auch kein guter Nachbar! So jedenfalls denken viele Deutsche und wählen Liliana Matthäus auf Platz 10.
Liliana will jetzt ihr Glück in New York suchen. Als Topmodel natürlich.
Neben ihm könnte es laut werden - Jimi Blue Ochsenknecht ist ein Partytiger, das bringt ihm Rang 11.
Lena - in Oslo noch Liebling aller Deutschen, geht sie mittlerweile vielen auf die Nerven. Statt 12 Points, Platz 12 bei den nervigsten Nachbarn.
Ex-Wetterfrosch Kachelmann ist kein gern gesehener Nachbar mehr. Wie viele seiner ehemaligen "Lausemädchen" an der Umfrage teilgenommen haben ist nicht bekannt. Immerhin reicht es noch für Rang 13.
Platz 14: Ballack-Treter Kevin Prince Boateng hat in Deutschland nur noch wenig Sympathien....
...aber auch sein Opfer Michael Ballack könnte bei der Haus-Suche in der nähe von Leverkusen so seine Probleme bekommen. Oder hat vielleicht Christian Lell an der Umfrage teilgenommen und den Capitano auf Platz 15 befördert?
Platz 16: Sarah Connor als Nachbarin? Wieso eigentlich nicht! Das dachten sich die meisten Befragten. Allerdings möchte wohl auch niemand dafür extra nach Delmenhorst ziehen.
Video: Aus dem Nähkästchen - Knastalltag mit Jörg Kachelmann
Video: Freilassung Kachelmann - Im Studio: Professor Jo Groebel, Medienexperte

Einem der beiden muss die Sache wie ein Alptraum vorkommen: Entweder Jörg Kachelmann, der - möglicherweise nichts Böses ahnend - am 20. März von den Olympischen Winterspielen in Vancouver zurückkommt und gleich am Flughafen verhaftet wird. Der aus allen Wolken fällt, als man ihn beschuldigt, seine ehemalige Geliebte bedroht und vergewaltigt zu haben. Der mehr als 130 Tage in Untersuchungshaft sitzt und ansehen muss, wie immer neue Details seines Intimlebens in der Öffentlichkeit ausgebreitet werden.

Oder aber dem mutmaßlichen Opfer: Einer Frau Ende 30, in den Medien meist "Sabine" genannt, die seit 1998 ein Verhältnis mit Kachelmann hatte. Die zwölf Jahre lang auf ihn wartet und hofft. Und dann - wenn man ihr glaubt - eine Reihe von Demütigungen erlebt, die kaum zu ertragen sind: zu erkennen, dass ihr Geliebter sie die ganze Zeit getäuscht hat, von diesem Mann brutal missbraucht zu werden. Und schließlich, nachdem sie den Mut hatte, ihn anzuzeigen, öffentlich als Lügnerin beschimpft zu werden.

Traurige Trennung oder Beziehungsdrama?

Am 6. September begann vor dem Landgericht Mannheim der Prozess gegen den 52 Jahre alten Schweizer. 13 Sitzungstage sind geplant, 25 Zeugen und 5 Sachverständige sollen vernommen werden - alles, um eine Frage zu klären: Was geschah in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010? "Sabine" soll Kachelmann Flugtickets gezeigt haben, die auf ihn und eine andere Frau lauteten. Sie habe ihn zur Rede gestellt. Was dann geschah, ist umstritten.

Laut Anklage wollte sich "Sabine" von Kachelmann trennen. Daraufhin habe er sie mit einem Küchenmesser bedroht und zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Dabei habe er ihr das Messer gegen den Hals gedrückt. Während und nach der Tat soll er gedroht haben, sie umzubringen. Kachelmann hingegen bestreitet die Tat. Sie hätten sich getrennt, traurig, aber friedlich, dann sei er in ein Hotel gefahren.

Beispielloser "Vorprozess" der Medien

Es dürfte schon so schwer genug sein, die Wahrheit über diese Nacht zu ermitteln - doch hinzu kommt, dass seit der Verhaftung des Moderators ein beispielloser "Vorprozess" in den Medien stattfindet. "Spiegel", "Focus" und "Zeit" berichteten ausführlich aus Ermittlungsakten und Gutachten. "Ich fand das mehr als erstaunlich, was die alles wussten", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim, Andreas Grossmann. Er betont: "Von uns hatten sie's nicht."

Vorwürfe, wonach die Staatsanwaltschaft Kachelmanns Persönlichkeitsrechte besser hätte schützen müssen, weist Grossmann zurück: "Es ist illusorisch anzunehmen, die Behörden könnten den Namen eines inhaftierten Prominenten über Monate geheim halten." Kachelmann ist gegen mehrere Veröffentlichungen gerichtlich vorgegangen; vom Springer-Verlag fordert er wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte eine Entschädigung in Höhe von rund zwei Millionen Euro. Nach seiner Freilassung am 29. Juli ging der Moderator selbst in die PR-Offensive: In zwei Interviews betonte er seine Unschuld.

Keine Namen der Zeugen bekannt

Es wird sich zeigen, wie die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Mannheim den öffentlichen Druck ausblenden kann. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nennt das Gericht keine Namen von Zeugen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte nur, dass "diverse weibliche Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten" geladen seien. Eine Zeugin hat bereits vor ihrem Auftritt vor Gericht in der Zeitschrift "Bunte" ausgesagt. Auch das Magazin der "Süddeutschen Zeitung" druckte vergangene Woche Aussagen verschiedener Freundinnen und Kolleginnen des Moderators. Der öffentliche Vorprozess, so scheint es, dreht sich inzwischen vor allem um die Frage, was für ein Mensch Kachelmann ist.

Es fällt auf, dass auch das Landgericht zunächst die Zeuginnen aus dem Umfeld Kachelmanns hören will - und erst gegen Schluss, ab dem 9. Verhandlungstag, das mutmaßliche Opfer. Erfahrene Strafrechtler halten dies für ungewöhnlich: "Die Frauen können die Persönlichkeit des Angeklagten beleuchten - ob das, was ihm vorgeworfen wird, schlüssig ist im Vergleich zu anderen Verhaltensmustern", sagt der Berliner Strafverteidiger Ulrich Wehner. "Aber sie können naturgemäß zum Kerngeschehen nichts sagen." Allein auf dieses Kerngeschehen kommt es jedoch bei der strafrechtlichen Beurteilung an - auf das, was in der Nacht zum 9. Februar passiert ist. "Zu verhandeln ist nicht seine Persönlichkeit", sagt der Jurist Wehner. "Der Vorwurf lautet nicht: 'allgemeine Fehlbehandlung von Frauen'."

(dpa)

06.09.2010 13:57 Uhr

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