Krise in der Kabul-Bank
Kundus-Opfer erhalten keine Zahlungen
Ob durch Korruption oder die Panikmache der Medien herbeigeführt, die afghanische Kabul Bank steckt in der Krise. Von den Zahlungsschwierigkeiten sind auch die Opfer der Kundus-Affäre betroffen.
Die Krise bei der afghanischen Kabul Bank beeinträchtigt offenbar auch die Zahlungen der Bundeswehr an die Opfer des Luftangriffs von Kundus. In mindestens einem Fall sei ein Hinterbliebener ohne Geld wieder nach Hause geschickt worden, sagte der Bremer Opferanwalt Karim Popal. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass die Hilfsleistung von 5.000 Dollar je betroffener Familie auf Konten bei der Kabul Bank eingezahlt worden waren. "Unseren Erkenntnissen zufolge läuft der Zahlungsverkehr regulär", sagte ein Sprecher.
Popal liegt nach eigenen Angaben der Fall eines Betroffenen vor, in dem die Auszahlung der Hilfsleistung durch die Kabul Bank verweigert worden sei. Die Bank habe dies damit begründet, dass kein Geld vorhanden sei. "Die Kabul Bank ist keine vertrauenswürdige Bank", sagte der Anwalt.
Gerüchte um Korruption
Das größte Geldinstitut Afghanistans war US-Medienberichten zufolge in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil Manager Bankkapital veruntreut haben sollen. US-Medien berichteten, dass die beide Topmanager der Bank wegen Korruption und Regelverstöße bei Kreditvergabe abgelöst werden sollen. US-Zeitungen, darunter die " New York Times" und das " Wall Street Journal" , hatten berichtet, die Zentralbank habe den Aufsichtsratsvorsitzenden Scher Chan Farnud aufgefordert, Luxusgüter im Wert von 125 Millionen Euro zurückzugeben, die er in Dubai für sich selbst und Freunde gekauft haben soll.
Der Gouverneur der afghanischen Zentralbank, Abdul Kadir Fitrat, erklärte hingegen, Farnud und Vorstandschef Chalilullah Ferosi seien freiwillig zurückgetreten, weil Anteilseigner der Bank neuen Vorgaben zufolge nicht mehr gleichzeitig Führungspositionen in dem Geldhaus innehaben dürften. Gemeinsam mit Finanzminister Hasrat Omar Sachailwal versicherte der Zentralbank-Chef, die Einlagen der Kunden seien sicher.
86 Familien erhalten Entschädigung für Kundus-Einsatz
Bei dem von der Bundeswehr veranlassten Luftangriff gegen zwei von den Taliban entführte Tanklaster waren in der Nacht zum 4. September 2009 in der Nähe des nordafghanischen Kundus nach NATO-Angaben bis zu 142 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen auch Zivilisten. Im vergangenen Monat hatte die Bundeswehr an 86 betroffene Familien rund 3.900 Euro gezahlt - unabhängig davon, wie viele Opfer sie jeweils zu beklagen hatten.
Popal bemüht sich seit vergangenem Herbst um eine Entschädigung für dutzende Hinterbliebene der Opfer des Luftangriffs. Die vom Verteidigungsministerium als "humanitäre Hilfe" eingestuften 5000 Dollar kritisierte er als nicht ausreichend und verlangte in der vergangenen Woche Zahlungen von jeweils 33.000 Dollar für 113 Todesopfer. Einer der Fahrer der bombardierten Tanklaster reichte über eine andere Kanzlei vor dem Landgericht Bonn und dem Verwaltungsgericht Köln Klage gegen die Bundesrepublik ein. Wie die Anwälte Andreas Schuld und Markus Goldbach am Wochenende mitteilten, fordern sie für ihren Mandanten medizinische Betreuung und ein Schmerzensgeld.
Zentralbank greift ein
Seit Mittwoch versuchen hunderte Afghanen ihr Geld abzuheben, aus Angst vor einem Zusammenbruch der Bank. Präsident Hamid Karsai versicherte vergeblich, die Kabul Bank und die Einlage seien sicher. Der Zentralbank, die am Montag mitteilte die private Kabul Bank mit Krediten unter die Arme greifen zu wollen, stünden 4,8 Milliarden Dollar zur Verfügung, um eine Finanzkrise zu verhindern. Der Sprecher des Finanzministeriums, Asis Schams, sagte, entgegen der Gerüchte habe die Kabul Bank "kein wirkliches Problem". "Wir unterstützen die Bank und wir haben nicht die Sorge, dass sie zusammenbrechen wird." Medienberichte, wonach die afghanische Regierung dem angeschlagenen Geldinstitut bereits 200 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt habe, wies der Sprecher der Zentralbank allerdings zurück.
(N24, dpa, AFP)
06.09.2010 15:37 Uhr









