Baumhaus geräumt

Stuttgart-21-Gegner sagen Treffen ab

Die Gegner des Bahnbauprojekts Stuttgart 21 haben das Gesprächstreffen mit der Politik überraschend abgesagt. Derweil räumte die Polizei ein von Naturschützern besetztes Baumhaus.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Die Räumung des Baumhauses wurde von Sitzblockaden der Stuttgart-21-Gegner begleitet.
Video: Stuttgart 21 - Zeichen stehen auf Konfrontation
Bitte auf das Bild klicken, um die Galerie zu starten!
"Stuttgart 21" ist der Projektname für den Bau eines der teuersten Schienenverkehrsprojekte in der Geschichte Deutschlands.
Hauptbestandteil ist der aufwändige Um- und Neubau des alten Stuttgarter Hauptbahnhofs aus den 1920er Jahren.
Aus dem Kopfbahnhof in Backsteinoptik soll ein moderner Durchgangsbahnhof werden, der sich ...
... weitgehend unterirdisch befindet. Durch die aufwändige und teure Verlegung der Gleise unter die Erde ...
... wird in der Stuttgarter Innenstadt ein riesiges Areal frei, auf dem neue Wohn- und Geschäftsgebäude für Zehntausende Menschen entstehen sollen.
Der verantwortliche Architekt Christoph Ingenhoven ergänzt den unter Denkmalschutz stehenden Backsteinbau von Paul Bonatz ...
... mit einem futuristischen Neubau aus Stahl, Glas und Beton. Teile des alten Gebäudes müssen dafür jedoch weichen.
Der neue Bahnhof wird mehrere unterirdische Ebenen besitzen, das Dach ebenerdig abschließen. Darunter folgen ...
... eine Verteilerebene mit Zugängen zu den Bahnsteigen, die Bahnsteige der Fernbahn und die Bahnsteige der S-Bahn.
Der Bahnhof ist als Null-Energie-Bahnhof konzipiert. Durch den unterirdischen Bau soll keine Energie für Heizung oder Kühlung gebraucht werden.
Für die Beleuchtung soll am Tage Sonnenlicht genutzt werden, das durch gläserne Lichteinlässe in der Bahnhofsdecke dringt. Im Zuge des Bauprojekts ...
... müssen umfangreiche Gleisbauarbeiten in und um Stuttgart durchgeführt werden. Die Verbindung nach Ulm wird komplett neu gebaut.
Am 2. Februar 2010 begannen offiziell die Bauarbeiten für das Milliarden-Projekt. Stuttgarts Bürgermeister Wolfgang Schuster, der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ...
... Günther Oettinger (2.v.l., CDU), Bahnchef Südwest Werner Klingberg (M), Bahnchef Rüdiger Grube (3.v.r.) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (2.v.r.) drückten den "Startknopf".
In der Stuttgarter Bevölkerung ist das Bauvorhaben umstritten. Von Beginn an gab es immer wieder Proteste dagegen mit ...
... teils mehreren tausend Teilnehmern. Die Gründe für die Proteste sind vielfältig. So werden etwa die gigantischen Kosten für das Vorhaben kritisiert.
Ursprünglich waren diese auf 2,6 Milliarden Euro geschätzt worden. Inzwischen ist gar von 4,1 Milliarden Euro die Rede.
Auch ökologische und denkmalpflegerische Aspekte spielen eine Rolle. Der Anfang 2009 aus dem Projekt ausgestiegene Architekt ...
... Frei Otto befürchtet gar gravierende Risiken. Das Erdreich unter dem Bahnhof könnte nachgeben, so Otto. Risse und sogar Krater könnten entstehen.
Ungeachtet der Bedenken und Proteste haben die Bauarbeiten in Stuttgart begonnen. Teile des alten Bahnhofs ...
... wurden bereits abgerissen. Demonstranten besetzten Gebäudedächer, um die Abrissarbeiten zu behindern. Auf Transparenten ...
... forderten sie den Rücktritt von Bürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), der das Projekt vehement verteidigt.
Unterstützt werden die "Stuttgart 21"-Gegner von anderer politischer Seite. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast will dem Projekt ...
... wegen der explodierenden Kosten die Bundesmittel streichen lassen. Ihre Erfolgschancen sind gering. Union und SPD stehen weiter zu dem Vorhaben.
Video: Stuttgart 21 - Zehntausende bei Großdemo
Video: Nach Stuttgart 21-Demo - Bahnchef Grube zu Gesprächen bereit
Video: Stuttgart 21 - Bürger sauer, neue Großdemonstration
Video: Bahnhofsneubau - Massive Bürgerproteste gegen "Stuttgart 21"
Video: "Stuttgart 21" - Architekt fordert sofortigen Baustopp
Video: Stuttgart 21 - Grube: "Bahn braucht dieses Projekt"
Video: Abrissarbeiten beginnen - Massive Proteste gegen "Stuttgart 21"

Die Polizei hat in der Nacht ein von Gegnern des umstrittenen Bauprojekts Stuttgart 21 seit Freitag besetztes Baumhaus im Mittleren Schlossgarten geräumt. Rund 100 Demonstranten eilten den Besetzern zur Hilfe, einige bildeten nach Polizeiangaben zeitweise eine Sitzblockade um den Baum herum. Elf Demonstranten wurden von Einsatzkräften weggetragen. Die Aktivisten in der Krone sollen sich der Sprecherin der Umweltorganisation Robin Wood, Kei Andrews, zufolge auch an den Baum gekettet haben.

Nur wenige Stunden zuvor hatte bereits das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 überraschend das für Freitag geplante Spitzengespräch über das Milliardenprojekt am Hauptbahnhof platzen lassen. Begründet wurde der Schritt damit, dass es keinen sofortigen Baustopp am Hauptbahnhof geben werde.

Der Sprecher der sogenannten Parkschützer, Matthias von Herrmann, kündigte zudem eine härtere Gangart an. Man werde noch mehr Aktionen starten, bei der sich Demonstranten anketten, um die Bauarbeiten zu behindern, sagte er. Auch protestierten am Abend erneut tausende Menschen mit Trillerpfeifen und Vuvuzelas gegen eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Polizei sprach von 8.000 Demonstranten, die Organisatoren von 20.000. "Rote Karte für die Scheißpolitik", hieß es auf einem Transparent.

Streit um Ernsthaftigkeit von Gesprächsangebot

Ob es einen neuen Versuch für ein Gespräch geben wird, war zunächst unklar. Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann, der gemeinsam mit Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zu dem Treffen eingeladen hatte, sprach davon, dass der erste Anlauf gescheitert sei. Mappus erneuerte trotz seiner scharfen Kritik an der Absage die Einladung. "Unser Gesprächsangebot gilt fort. Nach meiner festen Überzeugung liegt in einem offenen und fairen Dialog zwischen Projektbefürwortern und -gegnern unverändert eine wichtige Chance, eine Versachlichung der öffentlichen Diskussionen zu erreichen." Er appellierte an die Kritiker, "sich einem konstruktiven Austausch nicht zu verweigern".

Parkschützer von Herrmann zweifelte an der Ernsthaftigkeit des Angebots. "Wenn Mappus einen Baustopp ablehnt, ist klar, dass er auch die Gespräche ablehnt." CDU-Fraktionschef Peter Hauk warf den Gegnern hingegen vor, die ursprüngliche Zusage zu dem Gespräch sei nur der Versuch gewesen, "die Bauarbeiten durch die Hintertür zu stoppen".

(dpa, N24)

07.09.2010 08:31 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik