Grüne auf Rekordhoch

Sarrazin-Debatte schadet SPD-Umfragewerten

Die SPD muss in einer neuen Umfrage Einbußen von zwei Prozentpunkten hinnehmen. Vor allem die Debatte um den Ausschluss Thilo Sarrazins haben in der Wählergunst Spuren hinterlassen.

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Thilo Sarrazin ist Mitglied der SPD. Doch die Sozialdemokraten würden den umstrittenen Bundesbanker gerne loswerden.
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Thilos Sarrazins Thesen zur Migration haben für Aufregung gesorgt. Hier eine Zusammenstellung von Reaktionen in Politik und Gesellschaft.
Michel Friedmann, ehemaliger Vorsitzender des Zentralrats der Juden: "Sarrazin ist menschenfeindlich und respektlos."
Renate Künast, Grüne-Fraktionsvorsitzende: "Das, was er macht, füllt vielleicht sein privates Portemonnaie, hilft uns aber in Integrationsfragen null weiter."
Bundespräsident Christian Wullf: "Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet - vor allem auch international."
Lothar de Maizière (CDU), Innenminister: "Das, was er gemacht hat, verstößt mindestens gegen den Grundsatz 'Das tut man nicht'."
Hannelore Kraft (SPD), Ministerpräsidentin in NRW: "Sarrazin polemisiert lediglich auf unerträgliche Art, wohl um sein Buch besser verkaufen zu können".
Finanzminister Schäuble (CDU): Sarrazins Äußerungen sind "verantwortungsloser Unsinn", diese "Art der Tabuverletzung" bringt Deutschland nicht weiter.
Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit: "Er ist offensichtlich nicht ausgelastet und freut sich über den Medienrummel, der entstanden ist. Es ist auch ein großes Stück Eitelkeit dabei."
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles: "Sarrazin ist ein unterbeschäftigter Bundesbanker mit ausgeprägter Profilneurose."
Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU: "Der Typ hat einen Knall."
Dagmar Enkelmann, Linke-Fraktionsgeschäftsführerin: "Würde ein Neonazi denselben Unsinn (...) verbreiten, wäre er zweifellos ein Fall für die Gerichte - nur bei einem Bunesbankvorstand hat man plötzlich die Samthandschuhe an.
Dieter Graumann, Vizechef des Zentralrats der Juden: "Er hat die rote Linie überschritten."
FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger: "Die diskriminierenden Äußerungen von Herrn Sarrazin sind nicht akzeptabel."
Grüne-Vorsitzende Claudia Roth: "Wenn die Bundesbank jetzt nicht mit einem Rauswurf handelt, wäre das nur der Beleg dafür, dass der Rechtspopulismus mit dem Champagnerglas in den oberen Etagen Einzug erhält."
Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei Die Linke: "Außerem muss untersucht werden, ob Sarrazin seine Privilegien als Bundesbankvorstand dafür missbraucht hat, sein Buch zu verkaufen."
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Video: Wulff muss entscheiden - Sarrazin will Anhörung bei Bundespräsident
Video: Sarrazin-Rauswurf - Wulff fragt bei Merkel nach
Video: Thilo Sarrazin - Bundesbank entzieht ihm alle Geschäftsbereiche
Video: Studio Friedman - Spricht Sarrazin dem Volk aus dem Herzen?
Video: Wulff prüft Antrag - Bundesbank will Sarrazin loswerden

Die parteiinterne Diskussion um die Thesen und den angestrebten Parteiausschluss ihres umstrittenen Mitgliedes Thilo Sarrazin lässt die SPD in der Wählerzustimmung fallen. Nach dem Forsa-Wahltrend von "Stern" und RTL sinken die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche um 2 Punkte auf 25 Prozent. Es ist ihr schlechtester Wert seit Mitte Mai. Die Grünen hingegen kletterten um 2 Punkte und erreichten mit 21 Prozent ein neues Allzeithoch. Auch die Linke gewinnt laut Umfrage einen Punkt und steht nunmehr bei zehn Prozent.

Die Union erreicht den Angaben zufolge wie in der Vorwoche 31 Prozent. Die FDP geht um einen Punkt auf 5 Prozent zurück. Damit liegt das "linke Lager" aus SPD, Grünen und Linkspartei mit 56 Prozent 20 Punkte vor Union und FDP.

Erneut im Ansehen der Bevölkerung gestiegen ist laut der Erhebung SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Wenn die Deutschen ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden sich nach dem Wahltrend 33 Prozent für Steinmeier entscheiden, ein Punkt mehr als in der Vorwoche, und 39 Prozent für Angela Merkel. Bei der sozialdemokratischen Alternative Sigmar Gabriel würden sich 24 Prozent für den SPD-Chef entscheiden und 48 Prozent für die Bundeskanzlerin. 2503 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger wurden vom 30. August bis 3. September befragt.

(dapd, N24)

08.09.2010 08:54 Uhr

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