Fehler eingeräumt

BP weist alleinige Schuld an Ölpest zurück

BP hat einen internen Bericht zur Explosion der "Deepwater Horizon" veröffentlicht. Darin gesteht der Konzern ein, dass Fehler vor der Katastrophe begangen wurden - jedoch nicht nur von BP.

Der Energiekonzern BP besteht darauf, nicht allein für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verantwortlich zu sein. In einem am Mittwoch veröffentlichten internen Bericht ist von einer "Tragödie" die Rede, die auf das Versagen mehrerer Parteien zurückzuführen sei. Der in dem Bericht ausdrücklich genannte Eigner der Plattform, das Schweizer Unternehmen Transocean, wies den Vorwurf der Mitschuld entschieden zurück.

"Die Tragödie der Macondo-Quelle wurde nicht von einem einzigen Faktor ausgelöst. Vielmehr führte ein reihenweises Versagen mehrerer Parteien zu der Explosion und dem Brand, die elf Menschen töteten und ausgedehnte Verschmutzung im Golf von Mexiko auslösten", heißt es in dem Bericht. Entscheidungen von "vielen Firmen und Arbeitsgruppen" hätten zu dem Unfall beigetragen. Es handele sich um eine komplexe Verkettung von Umständen, die "technisches Versagen, menschliche Urteile, die Konstruktion" sowie ein Versagen der Kommunikation beträfen.

Vorwürfe von Transocean

Die BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" war im April im Golf von Mexiko explodiert. Da das Leck in der Tiefe nur schleppend repariert werden konnte, strömten fast fünf Millionen Barrel Öl ins Meer. Das Unglück gilt als der schwerste Ölunfall weltweit. Der Bericht nennt als Mitschuldige explizit den Plattformeigner Transocean und das für die Zementierung der Ölquelle zuständige Unternehmen Halliburton. "Es ist offensichtlich, dass eine Reihe komplizierter Vorgänge und nicht ein einzelner Fehler zu der Tragödie führte. Viele Parteien, darunter BP, Halliburton und Transocean waren daran beteiligt", hebt BP-Sicherheitschef Mark Bly in dem Bericht hervor.

Transocean wies die Darstellung zurück und warf BP eine "fatal fehlerhafte Planung" vor. In dem Bericht versuche der Konzern, wesentliche Ursachen des Unfalls zu "verschleiern", sagte Transocean-Vertreter Lou Colasuonno. Allein von BP getroffene Entscheidungen zur Kosteneinsparung bei Planung und Bau der Plattform hätten die Risiken zum Teil stark erhöht.

Greenpeace fordert Bohrverbot

Die Ergebnisse des Berichts gelten als richtungsweisend für BPs Verteidigungsstrategie vor den Gerichten. Der Konzern muss mit Milliardenforderungen rechnen und hat nach eigenen Angaben bis zu 32 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro) dafür in seiner Haushaltsplanung bereitgestellt. Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern erklärte in Hamburg, das Zusammenspiel von menschlichen und technischen Problemen könne bei Tiefseebohrungen immer wieder auftreten und betreffe nicht nur BP. Daher seien ein weltweites Verbot aller Tiefseebohrungen und eine Überprüfung sämtlicher Anlagen von unabhängiger Seite nötig.

(AFP, N24)

08.09.2010 18:35 Uhr

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