Ein fundamentalistischer US-Pastor droht mit Koran-Verbrennung. Für die in Afghanistan stationierten Soldaten berge dies die Gefahr von Racheakten, meint Generalmajor Hans-Werner Fritz.
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Zwei Tage vor der geplanten Koran-Verbrennung in Florida hat auch US-Präsident Barack Obama den radikalen Pastor Terry Jones aufgefordert, auf den "zerstörerischen Akt" zu verzichten. In einem Interview des Senders ABC warnte Obama am Donnerstag, die am neunten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September vorgesehene Verbrennung könne "schwerwiegende Gewalt" gegen amerikanische Soldaten in Pakistan und Afghanistan auslösen. Er mahnte zudem, die Aktion wäre ein regelrechter "Rekrutierungsschlager für Al-Kaida" und würde der Terrororganisation neue Mitglieder in die Arme treiben.
Bereits zuvor hatten auch Außenministerin Hillary Clinton und Pentagonchef Robert Gates die Pläne der kleinen fundamentalistischen Freikirche in Gainesville angeprangert.
Isaf-Chef David Patraeus besorgt über Folgen für Afghanistan-Mission
Der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, äußerte die Befürchtung, dass das Ansehen der USA durch die Verbrennung ähnlich stark beschädigt werden könne wie 2004 durch die Folter-Fotos aus dem US-Gefängnis Abu Ghoreib im Irak.
"Wir sind besorgt, dass die Bilder (...) in der gleichen Weise benutzt würden wie Bilder von Abu Ghoreib - sie wären sozusagen nicht zu löschen", so der General. "Sie würden von jenen benutzt, die uns Böses wollen, um zur Gewalt anzustacheln und die öffentliche Meinung gegen uns und unsere Mission hier ein Afghanistan aufzubringen - und zweifellos auch gegen unsere Missionen rund um die Welt." In Pakistan und Afghansian sind für Freitag bereits Protestdemonstrationen angekündigt.
Clinton sagte, sie wünsche sich, dass die Medien kein so großes Interesse an Pastor Jones zeigen würden. Dabei verwies sie darauf, dass er nur einer kleinen Gemeinde von gerade mal 50 Mitgliedern vorstehe. Aber "das ist die Welt, in der wir jetzt leben", fügte sie hinzu. Zugleich bekräftigte Clinton die von Petraeus vorgebrachte Sorge, dass eine Koran-Verbrennung US-Soldaten in Ländern wie Afghanistan gefährden könnte.
Deutscher Kommandeur warnt auch vor Gefahr für deutsche Soldaten
Der oberste Kommandeur der deutschen Truppen in Afghanistan hat sich über die geplante Verbrennung des Korans durch eine US-Kirchengruppe besorgt gezeigt. Brigadegeneral Hans-Werner Fritz warnte am Mittwoch gegenüber «Spiegel Online» vor möglichen Racheakten auch an Soldaten des deutschen Kontingents. "Ich kann mir nur wünschen, dass die Geschichte nicht stattfindet", sagte Fritz den Angaben zufolge. Denn sie würde "einer aufgehetzten Bevölkerung und den Radikalen Anlass zu Gewalt gegen alle ISAF-Truppen, auch gegen die Deutschen in Nordafghanistan, geben".
Eine Gruppe fundamentalistischer Christen aus Florida hat angekündigt, zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September den Koran zu verbrennen. Der Plan hat weltweit Empörung und Proteste ausgelöst. Das Weiße Haus und der NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, David Petraeus, hatten vor den möglichen Folgen für ausländische Soldaten in Afghanistan gewarnt.