Geplante Koranverbrennung

Angst um Sicherheit der Bundeswehrsoldaten

Ein fundamentalistischer US-Pastor droht mit Koran-Verbrennung. Für die in Afghanistan stationierten Soldaten berge dies die Gefahr von Racheakten, meint Generalmajor Hans-Werner Fritz.

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Video: Aktion vorerst abgesagt - Hin und Her um Koran-Verbrennung
Video: Koran-Verbrennung - Feuerwehr soll radikalen Pastor stoppen
Video: Umstrittene Gedenkaktion - Empörung über geplante Koran-Verbrennung
Video: Koran-Verbrennung - Sind wir auf dem Weg in einen Religionskrieg?
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Es ist ein Tag, der die Welt verändert und Menschen rund um den Globus in einen Schockzustand versetzt. Die Ereignisse werden weitreichende politische Folgen haben, von denen am Morgen des 11. September 2001 noch niemand etwas ahnt.
Der 11. September 2001 in New York beginnt bei strahlendem Sonnenschein. Um halb neun Uhr morgens füllen sich langsam die Straßen und Büros.
Seit seiner Fertigstellung 1973 ist das World Trade Center (WTC) markanter Orientierungspunkt in der Skyline von Manhattan.
8:46 Uhr: Ein Flugzeug rast in den nördlichen der beiden Türme des World Trade Centers...
... und explodiert in einem riesigen Feuerball.
Dichter Rauch steigt aus dem oberen Drittel des 417 Meter hohen Gebäudes, Flammen schlagen aus der zerstörten Front.
Den Eingeschlossenen ist jeder Fluchtweg versperrt. Menschen ringen an geöffneten Fenstern nach Luft: Viele von ihnen springen aus Angst vor Flammen und Rauch in den Tod.
Geschockt beobachten tausende Menschen das Geschehen. Viele von ihnen glauben zu diesem Zeitpunkt noch an einen tragischen Unglücksfall...
... bis die entsetzten Augenzeugen ein zweites Flugzeug beobachten, das sich dem World Trade Center schnell nähert.
09:03 Uhr: Eine Boeing vom Typ 767 hält direkt auf den südlichen Turm zu...
... und wird, wie die erste Maschine, von dem Gebäude förmlich verschluckt.
Die Bilder der zweiten Attacke auf das World Trade Center werden von Nachrichtensendern live in alle Welt übertragen.
Auch vom Boden aus wird der zweite Einschlag einer Maschine in das WTC von Kameras eingefangen.
Trümmer des Gebäudes und des Flugzeugs regnen auf die Straßen Manhattans. Mittlerweile hat brennendes Kerosin auch den zweiten Turm in Brand gesetzt.
Das Wahrzeichen New Yorks steht weit hin sichtbar in Flammen, eine riesige Rauchfahne zieht über die Bucht.
09:05 Uhr: US-Präsident George W. Bush wird beim Besuch einer Grundschule in Sarasota (Florida) vom zweiten Einschlag in das WTC informiert. Stabschef Andrew Card flüstert ihm zu: "Amerika wird angegriffen."
09:37 Uhr: Eine Überwachungskamera vor dem Pentagon in Washington DC...
... dokumentiert den Einschlag von American Airlines Flug 77 in den Westflügel des Gebäudekomplexes.
Wie im 365 Kilometer entfernten New York steigt schwarzer Rauch über der Stadt auf.
09:59 Uhr: Der Südturm des World Trade Centers fällt in sich zusammen.
Die 110 Etagen des Turms sacken eine nach der anderen ab und stürzen in die Tiefe.
Jetzt bricht Panik aus: Die Menschen in der Umgebung laufen um ihr Leben. Viele werden von Trümmerteilen erschlagen oder ersticken in der Staubwalze, die durch die Straßen rast.
10:03 Uhr: Ein viertes Flugzeug stürzt südlich von Pittsburgh auf freiem Feld ab. Passagiere hatten sich gegen die Entführer zur Wehr gesetzt und den Kampf mit den Entführern gewagt. Diese wollten offenbar Kurs auf das Weiße Haus nehmen.
10:28 Uhr: Der zweite, nördliche Zwillingsturm stürzt ein ...
... die gesamte Südspitze Manhattans ist von dichtem Rauch eingehüllt...
... und vom anderen Ufer der Bucht nicht mehr zu erkennen.
Einige Menschen flüchten vom Ort der Katastrophe...
... andere irren alleine durch Schutt und Staub.
Marcy Borders hat in einem benachbarten Bürogebäude Schutz vor den Trümmern gesucht. Der Staubwolke konnte sie dadurch nicht entkommen.
Wer laufen kann, verlässt Manhattan in Richtung Norden...
... doch der riesigen Staubwolke zu entkommen ist nahezu unmöglich.
12:16 Uhr: Die Bundesflugbehörde meldet, dass der Luftraum der USA gesperrt ist. Nur Militär- und Rettungsmaschinen fliegen noch.
Die Rauch- und Staubwolke über Manhattan, fotografiert von einem Satelliten aus 400 Kilometern Höhe.
20:30 Uhr: US-Präsident Bush kündigt in einer Fernsehansprache an, die Täter gnadenlos zu verfolgen:"Wir werden keinen Unterschied machen zwischen denen, die diese Attacken ausgeführt haben, und denen, die ihnen Schutz bieten."
Dutzende Feuerwehrmänner verlieren an diesem Morgen in New York ihr Leben bei den Rettungsarbeiten.
Dort, wo noch am Vormittag das World Trade Center stand, türmen sich am Mittag die Schuttberge aus tausenden Tonnen Stahl und Beton Meter hoch.
Auch Teile des Pentagon sind schwer beschädigt. Über eine Breite von vielen Metern ist die Westfront aufgerissen.
Feuerwehrmänner suchen im Schutt zwischen verbogenen Stahlträgern nach Opfern des Anschlags.
Auch viele Neben- und Nachbargebäude des WTC sind strukturell schwer beschädigt und kollabieren.
Von den einst höchsten Fassaden der Stadt...
... steht nur noch ein kleiner Teil wie ein Mahnmal in der Trümmerlandschaft.
Die verheerenden Anschläge vom 11. September 2001 haben fast 3000 Menschen in den USA das Leben gekostet.

Zwei Tage vor der geplanten Koran-Verbrennung in Florida hat auch US-Präsident Barack Obama den radikalen Pastor Terry Jones aufgefordert, auf den "zerstörerischen Akt" zu verzichten. In einem Interview des Senders ABC warnte Obama am Donnerstag, die am neunten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September vorgesehene Verbrennung könne "schwerwiegende Gewalt" gegen amerikanische Soldaten in Pakistan und Afghanistan auslösen. Er mahnte zudem, die Aktion wäre ein regelrechter "Rekrutierungsschlager für Al-Kaida" und würde der Terrororganisation neue Mitglieder in die Arme treiben.

Bereits zuvor hatten auch Außenministerin Hillary Clinton und Pentagonchef Robert Gates die Pläne der kleinen fundamentalistischen Freikirche in Gainesville angeprangert.

Isaf-Chef David Patraeus besorgt über Folgen für Afghanistan-Mission

Der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, äußerte die Befürchtung, dass das Ansehen der USA durch die Verbrennung ähnlich stark beschädigt werden könne wie 2004 durch die Folter-Fotos aus dem US-Gefängnis Abu Ghoreib im Irak.

"Wir sind besorgt, dass die Bilder (...) in der gleichen Weise benutzt würden wie Bilder von Abu Ghoreib - sie wären sozusagen nicht zu löschen", so der General. "Sie würden von jenen benutzt, die uns Böses wollen, um zur Gewalt anzustacheln und die öffentliche Meinung gegen uns und unsere Mission hier ein Afghanistan aufzubringen - und zweifellos auch gegen unsere Missionen rund um die Welt." In Pakistan und Afghansian sind für Freitag bereits Protestdemonstrationen angekündigt.

Clinton sagte, sie wünsche sich, dass die Medien kein so großes Interesse an Pastor Jones zeigen würden. Dabei verwies sie darauf, dass er nur einer kleinen Gemeinde von gerade mal 50 Mitgliedern vorstehe. Aber "das ist die Welt, in der wir jetzt leben", fügte sie hinzu. Zugleich bekräftigte Clinton die von Petraeus vorgebrachte Sorge, dass eine Koran-Verbrennung US-Soldaten in Ländern wie Afghanistan gefährden könnte.

Deutscher Kommandeur warnt auch vor Gefahr für deutsche Soldaten

Der oberste Kommandeur der deutschen Truppen in Afghanistan hat sich über die geplante Verbrennung des Korans durch eine US-Kirchengruppe besorgt gezeigt. Brigadegeneral Hans-Werner Fritz warnte am Mittwoch gegenüber «Spiegel Online» vor möglichen Racheakten auch an Soldaten des deutschen Kontingents. "Ich kann mir nur wünschen, dass die Geschichte nicht stattfindet", sagte Fritz den Angaben zufolge. Denn sie würde "einer aufgehetzten Bevölkerung und den Radikalen Anlass zu Gewalt gegen alle ISAF-Truppen, auch gegen die Deutschen in Nordafghanistan, geben".

Eine Gruppe fundamentalistischer Christen aus Florida hat angekündigt, zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September den Koran zu verbrennen. Der Plan hat weltweit Empörung und Proteste ausgelöst. Das Weiße Haus und der NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, David Petraeus, hatten vor den möglichen Folgen für ausländische Soldaten in Afghanistan gewarnt.

(dpa, AFP, N 24)

10.09.2010 21:17 Uhr

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