Aldi macht Ärger

Kalter Krieg im Lebensmittel-Handel

Aldi hat mal wieder den Preiskampf der Discounter eröffnet. Von Marmelade bis Hundefutter wird der Rotstift angesetzt. Doch eigentlich steigen die Preise in den Regalen stetig an.

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Aldi gilt in der Branche als Trendsetter beim Preiseinstieg.
Video: Aldi liegt vorn - Sonnencremes im Test
Video: Preiskracher im Test - Was taugt das ALDI-Netbook

Fast ist es schon ein Ritual. Mit großformatigen Zeitungsanzeigen unter dem Motto "Aldi senkt die Preise" läutete Deutschlands Discount-Marktführer die achte Preissenkungs-Runde in diesem Jahr ein. Diesmal setzte der Discounter den Rotstift an bei einem bunten Potpourri aus seinem Angebot von Fischstäbchen über Marmelade bis zum Hundefutter. Und die Konkurrenz - egal, ob Edeka, Rewe, Netto, Penny oder Norma - muss folgen.

Aldi gibt in der Branche die Preise vor

Denn der Marktführer gilt in der Branche als Trendsetter beim Preiseinstieg. An dem müssen sich alle anderen Unternehmen orientieren, wenn sie nicht die Abwanderung von Kunden riskieren wollen. Die 200-Gramm-Tomatenmark-Tube ist deshalb jetzt bundesweit schon für 39 Cent zu haben.

Fischstäbchen in der 450-Gramm-Packung gibt es für 1,49 Euro. Der Abschlag: jeweils 10 Cent. Wer allerdings aus diesen Preissenkungen auf einen generellen Trend im Einzelhandel schließen will, muss sich vom Statistischen Bundesamt eines Besseren belehren lassen.

Lebensmittelpreise spürbar gestiegen

Trotz aller lautstarker Werbung in Großanzeigen für Preissenkungen sind Lebensmittel in Deutschland in den vergangenen 12 Monaten spürbar teurer geworden - durchschnittlich um 2,8 Prozent. Butter war im August sogar um mehr als 40 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Saisonprodukte wie Obst, Gemüse und frischer Fisch kosteten fast 12 Prozent mehr. Tatsächlich beschränkt sich der Preiskampf nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf nur 40 von 275 gängigen Warengruppen.

Preisänderungen nur bei häufig gekauften Produkten

Der Grund ist einfach: Nur bei häufig gekauften Produkten wie Kaffee, Schokolade, Butter, Joghurt oder Fruchtsäften erkennen die Verbraucher Preis-Änderungen sofort und richten danach ihr Einkaufs-Verhalten aus. Hier ist der Preiskampf am härtesten. Bei seltener gekauften Produkten wie Reinigungs-Mitteln, Gewürzen oder Essiggurken dagegen können die Verbraucher oft nur raten, ob der Preis günstig ist. Das eröffnet dem Handel Spielräume für Preis-Erhöhungen.

Feilschen über die künftigen Preise

Ist also der Preiskampf der Discounter mehr Werbeshow als Wirklichkeit? Nein, sagt Matthias Queck vom Marktforschungs-Institut Planet Retail. Zwar erhöhten auch die Discounter hier und da unauffällig die Preise einiger Produkte. Doch versteckte Preis-Erhöhungen im großen Stil sieht er nicht. Ob es allerdings so bleibt, ist eine andere Frage. Denn durch den Anstieg der Rohstoffpreise - etwa bei Weizen oder Kaffee - wächst zurzeit der Druck auf den Einzelhandel, die Kosten-Steigerungen weiterzugeben.

Konkurrenz muss stillhalten

Doch gerade hier profitiere der Verbraucher derzeit vom "Kalten Krieg" im Einzelhandel, sagt Queck. Denn Discount-Marktführer Aldi mache bislang keine Anstalten, diese Preis-Steigerungen an seine Kunden weiterzugeben. Der Konkurrenz bleibe angesichts der harten Konkurrenz nichts anderes übrig als ebenfalls stillzuhalten.

Die Vorentscheidung, wie tief der Verbraucher künftig beim Lebensmittel-Einkauf in die Tasche greifen müssen, dürfte schon bald fallen. Denn in den nächsten Wochen treffen sich die Einkäufer der großen Handelsketten mit ihren Lieferanten zu den traditionellen Jahres-Gesprächen. Das ist der Moment, in dem sie über die künftigen Konditionen feilschen.

(Erich Reimann, dapd, N24)

09.09.2010 21:45 Uhr

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