Medwedew verteidigt Kurs
Russlands Leid mit der Demokratie
Nach Demonstrationsverboten, Polizeieinsätzen gegen Kremlgegner und Haftstrafen für Regierungskritiker hat Russlands Präsident Medwedew den Kurs verteidigt: Russland ist kein autoritärer Staat.
Kremlchef Dmitri Medwedew hat Demokratiedefizite in Russland eingeräumt. Bei einer Tagung zur Modernisierung des Landes wies er zugleich Vorwürfe zurück, dass Russland autoritäre Tendenzen aufweise und insgesamt Rückschritte mache. "Ich weiß um die Unzulänglichkeit dieses Systems", sagte der Präsident vor internationalen Politikwissenschaftlern in Jaroslawl, rund 300 Kilometer nordöstlich von Moskau.
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Russland ist eine Demokratie
Russland sei aber "ohne jeden Zweifel eine Demokratie" und entwickele sich mit "optimaler Geschwindigkeit", sagte er nach Angaben der Agentur Interfax. Viele Russen hätten ein "schwieriges Verhältnis" zur Demokratie, sagte Medwedew, weil sie mit dem Wort seit den krisenhaften 1990er Jahren vor allem Armut verbinden würden. Russland müsse seinen eigenen Weg gehen. Das Modell einer parlamentarischen Demokratie, wie etwa in Deutschland, lehnte er ab. In Russland würde dies zu einer "Katastrophe" führen, sagte er.
Er sehe auch keine Notwendigkeit zu radikalen Veränderungen der politischen Lage in Russland. Nach Kritik auch aus den USA und Deutschland verteidigte Medwedew indirekt das mitunter gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen Andersdenkende in Russland. "Das niedrige Niveau der Kultur und die daraus resultierende Intoleranz, Unverantwortlichkeit und Aggressivität zerstören die Demokratie", sagte er. Deshalb würden für die Rede- und Versammlungsfreiheit Regeln aufgestellt.
Von einem "Polizeistaat" zu sprechen ist falsch
Von einem "Polizeistaat" zu sprechen, sei aber falsch. Kritiker werfen der russischen Führung vor, diese Regeln zum Machterhalt zu missbrauchen. Medwedew bekräftigte sein Ziel, das Land zu einem modernen Staat mit freien Menschen zu machen. "Ein Mensch, der eingeschüchtert, abgekapselt ist und den Staat, die Polizei und Konkurrenten fürchtet, kann kein Modernisierer sein. Das kann nur ein freier Mensch", sagte er.
Der Politologe Gleb Pawlowski meinte am Rande der Konferenz, dass sich Medwedew mit seinem Auftritt als Kandidat für eine zweite Amtszeit ab 2012 in Stellung gebracht habe. An der Konferenz nahm auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi teil.
Kremlgegner beklagen kriminelle Strukturen
Kremlgegner beklagen, dass in Russland Wahlfälschungen, kriminelle Strukturen in den Behörden und die Unterdrückung Andersdenkender auch unter Medwedew Alltag seien. Sie werfen ihm zudem vor, den Westen mit demokratischen Versprechen zu blenden, um Investoren anzulocken. Unabhängige Beobachter sehen auch nach der gut zweijährigen Amtszeit Medwedews keine demokratischen Fortschritte in Russland.
(dpa, N24)
10.09.2010 18:12 Uhr









