Feindliche Übernahme

Sanofi-Aventis greift nach Genzyme

Sanofi-Aventis hat für das US-Biotech-Unternehmen Genzyme ein feindliches Übernahmeangebot vorgelegt. Damit geht der französische Pharma-Konzern in der Schlacht in die Offensive.

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In der Vergangenheit hat Sanofi-Aventis schon oft nach Genzyme geschielt. Jetzt machen die Franzosen ernst.

Mit einem feindlichen Übernahmeangebot greift der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis jetzt offiziell nach dem US-Biotechnologieunternehmen Genzyme. Die Franzosen legten erstmals eine verbindliche Offerte für den Biotech-Spezialisten vor. Das Gebot pro Aktie beläuft sich auf 69 Dollar und damit auf genau den Betrag, den die Genzyme-Führung bereits vor Wochen ablehnte. "Wir sind überzeugt, dass unser Angebot für die Aktionäre unwiderstehlich ist", sagte Sanofi-Aventis-Chef Christopher Viehbacher.

Die Offerte im Gesamtwert von 18,5 Milliarden Dollar (13,5 Mrd Euro) spiegele sowohl die mögliche Wertsteigerung von Genzyme als auch die derzeitigen Herausforderungen im Geschäft wider. Genzyme wäre seit dem Kauf von Aventis die größte Übernahme für Sanofi.

Mit dem Vorstoß wendet sich Sanofi-Aventis vor allem an die Genzyme-Großaktionäre. Den Angaben zufolge haben die Franzosen bereits mit Anteilseignern gesprochen, die zusammen über mehr als die Hälfte der Genzyme-Aktien verfügen. Diese seien frustriert darüber, dass das US-Unternehmen das Angebot weiterhin ablehne, hieß es.

Amerikaner wollen nicht verhandeln

Viehbacher beteuerte erneut, mit dem Verwaltungsrat von Genzyme zu einer einvernehmlichen Lösung kommen zu wollen. Ein Treffen zwischen den beiden Vorstandschefs am 20. September erwies sich für die Franzosen aber als unergiebig. Am Aktienmarkt wurde bereits seit Anfang Juli über ein Angebot aus Paris spekuliert. Seitdem stieg der Kurs der Genzyme-Aktie auf zuletzt über 70 Euro. Sanofi-Aventis hatte der Genzyme-Führung die Offerte bereits am 29. Juli unterbreitet, aber nicht öffentlich gemacht. Seitdem hat Sanofi-Aventis vergeblich versucht, das Management der Amerikaner zu Verhandlungen zu bewegen. Zuletzt hatte der von dem Deutsch-Kanadier Viehbacher gelenkte Konzern Ende August angekündigt, 18,5 Milliarden Dollar für Genzyme bieten zu wollen.

Zu den am meisten verkauften Produkten des US-Unternehmens mit mehr als 12.000 Mitarbeitern zählt ein Medikament gegen eine seltene genetische Krankheit, bei dem das Risiko eines Nachahmermedikaments relativ gering ist. In Deutschland beschäftigt Genzyme rund 170 Mitarbeiter. Wegen auslaufender Patente und zunehmender Konkurrenz durch Nachahmerprodukte (Generika) stehen viele Pharmaunternehmen unter Konsolidierungsdruck - daher kam es in dieser Branche bereits in den vergangenen Jahren immer wieder zu Milliardenübernahmen.

Zuletzt Probleme durch Generika-Konkurrenz

Sanofi-Aventis ist selbst das Ergebnis einer Übernahme. Der Konzern entstand 2004 aus dem Kauf des deutsch-französischen Konkurrenten Aventis, im dem einst die Frankfurter Hoechst-Gruppe aufgegangen war, durch den französischen Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo.

Die Konkurrenz durch Generika hatte sich zuletzt auch bei den Geschäftserwartungen der Franzosen niedergeschlagen: Sanofi-Aventis erwartet wegen der Konkurrenz eines Nachahmer-Medikaments für den Blutverdünner Lovenox 2010 bestenfalls einen stagnierenden Gewinn je Aktie und schlimmstenfalls einen Rückgang um vier Prozent. Bis 2013 verlieren Sanofi-Aventis-Bestseller wie das Krebsmittel Taxotere, der Blutverdünner Plavix, der Gerinnungshemmer Lovenox und auch Eloxatin ihren Patentschutz.

(dpa, N24)

04.10.2010 12:18 Uhr

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