Mehr als eine Woche nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Simbabwe spitzt sich die Lage in dem südafrikanischen Land immer weiter zu. Nach Angaben von Farmern wurden auch am Montag die gewaltsamen Besetzungen von Höfen im Besitz weißer Landwirte fortgesetzt. In der Provinz Mashonaland seien mindestens ein Dutzend Farmer von den so genannten Veteranen vertrieben worden, berichteten Landbesitzer.
Die wegen ihrer Gewaltbereitschaft gefürchteten Veteranen des Befreiungskrieges hatten schon am Wochenende einige noch in weißem Besitz verbliebene Farmen besetzt. Dabei hatten sie die Opposition als "Marionetten des Westens" gebrandmarkt und deren Sieg bei der Parlamentswahl am 29. März als "Provokation" gewertet. Nach der Vertreibung von rund 4000 weißen Farmern wird die Zahl der noch im Lande tätigen weißen Bauern auf rund 900 geschätzt.
Angst vor zweitem Kenia
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat derweil die unverzügliche Veröffentlichung der Ergebnisse der Präsidentenwahl gefordert. Die Ergebnisse müssten "schnell und mit Transparenz" bekannt gegeben werden, hieß es in einer in New York veröffentlichten Erklärung. Neun Tage nach dem Urnengang äußert sich Ban darin "besorgt" über die Verletzung der in der simbabwischen Verfassung festgelegten Zeitspanne, in der Wahlergebnisse offiziell und öffentlich vorliegen müssen.
Ein EU-Diplomat äußerte in Brüssel derweil Befürchtungen, dass es in Simbabwe aus Wut über die anhaltende Ungewissheit nach den Wahlen ähnliche Gewaltausbrüche geben könnte wie in Kenia. Das gegenwärtige Vorgehen der simbabwischen Behörden "erregt Verdacht", sagte der Diplomat aus dem Umfeld des EU-Außenbeauftragten Javier Solana. "Die Szenarien in beiden Ländern sind sehr ähnlich."
Kenia hatte nach den Präsidentschaftswahlen Ende Dezember die schwerste politische Krise seit der Unabhängigkeit erlebt. Die Proteste begannen, als Präsident Mwai Kibaki seinen Sieg bei dem umstrittenen Urnengang verkündete. Die Opposition warf ihm Wahlbetrug vor. Bei wochenlangen gewaltsamen Unruhen kamen mindestens 1500 Menschen ums Leben, hunderttausende wurden vertrieben.
Inhaftierte Journalisten freigelassen
Unterdessen sind in Simbabwe zwei westliche Ausländer gegen Kaution aus dem Gefängnis freigekommen. Dem 58-jährigen US-Bürger und dem 45-jährigen Briten wird vorgeworfen, ohne Akkreditierung über die Wahlen Ende März berichtet zu haben. Simbabwe hatte die Ausgabe von Akkreditierungen an ausländische Journalisten vor den Wahlen sehr restriktiv gehandhabt.
Die beiden Journalisten mussten jeweils umgerechnet 10.000 Dollar (6370 Euro) hinterlegen und müssen sich am Donnerstag wieder vor Gericht einfinden, sagte ihr Anwalt. Der Brite müsse zunächst noch wegen einer in der Haft bei einem "Sturz" erlittenen Verletzung im Krankenhaus behandelt werden.
(AFP, dpa, N24)
07.04.2008 20:09 Uhr








