Blutbad im Reichstag?

BKA warnt vor Panik und Hysterie

Besucher vor dem Reichstag sind relativ entspannt, dabei ist die Bedrohung durch Terroristen in Deutschland konkret wie selten zuvor. Die Bundeskanzlerin gesteht eine "reale Gefährdung" ein.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Im Berliner Reichstag wollten Terroristen ein Blutbad anrichten und Geiseln nehmen. Diese Nachricht hält aber Berlin-Touristen nicht davon ab, den Sitz des Deutschen Bundestages zu besuchen.
Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.
Am 27. November 2009 kommen bei einem Anschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg 26 Menschen ums Leben.
Etwa 100 weitere werden verletzt. Tage später bekennen sich islamistische Extremisten zu der Tat ...
... und kündigen einen "Sabotagekrieg" gegen die "blutige Besatzungspolitik" Moskaus im Kaukasus an.
Im Juni 2007 rast ein Auto in den Haupteingang des Flughafenterminals von Glasgow und geht in Flammen auf.
Sechs Menschen werden verletzt, darunter ein Verdächtiger.
Die Ermittler gehen von Verbindungen der Attentäter zu Al-Kaida aus.
Bereits am Tag vor dem Anschlag entschärfte die Polizei Sprengsätze, die in zwei Autos in der Londoner Innenstadt versteckt wurden.
Im August 2006 werden in Dortmund und Koblenz zwei Kofferbomben in Nahverkehrszügen gefunden. Nur wegen handwerklicher Fehler explodierten die Bomben nicht.
Zwei Tatverdächtige werden auf Grund von Aufnahmen einer Überwachungskamera schnell gefasst.
Im Oktober 2005 überfallen islamistische Rebellen die südrussische Stadt Naltschik.
In nachfolgenden Gefechten sterben mindestens 137 Menschen, ...
... darunter 92 Rebellen, 33 Sicherheitsleute und zwölf Zivilisten.
Im Juli 2005 sprengen sich in London vier islamistische Selbstmordattentäter in U-Bahnen und in einem Bus in die Luft.
52 Menschen werden dabei getötet, ...
... rund 700 weitere verletzt. Im Dezember 2004 ...
... soll der irakische Ministerpräsident Ijad Allwai nach Erkenntnissen von Ermittlern bei einem Besuch in Deutschland ermordet werden.
Drei irakische Islamisten werden kurz vor dem geplanten Attentat von der Polizei festgenommen.
Sie werden in Stuttgart vor Gericht gestellt.
Im März 2004 explodieren mehrere Bomben in Nahverkehrszügen in Madrid während des morgendlichen Berufsverkehrs.
191 Menschen sterben, ...
... rund 1800 werden verletzt.
Auch dieser Anschlag wird der Al-Kaida zugerechnet.
Im November 2003 verwüsten zwei Explosionen unter anderem Synagogen, ...
... eine Niederlassung der Londoner HSBC-Bank und das britische Konsulat in Istanbul.
Die Folge: 61 Tote, rund 400 Verletzte. Die Tat wird der islamischen Extremistengruppe Al-Kaida zugeschrieben.
Im Dezember 2000 planen Islamisten in Deutschland einen Sprengstoffanschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt. Nur knapp vor der Tat verhaftet die Polizei vier algerische Mitglieder ...
... der so genannten "Frankfurter Zelle". Sie bauen einen Schnellkochtopf zu einer Bombe um, die inmitten der Menschenmassen explodieren sollte.
Im September 1999 wird in der südrussischen Stadt Wolgodonsk durch eine Autobombe ein achtstöckiges Wohnhaus zerstört. 17 Tote werden geborgen und 115 Menschen werden teilweise schwer verletzt.
Die russische Regierung schreibt die drei Anschläge auf Wohnhäuser tschetschenischen Extremisten zu und begründet unter anderem damit den zweiten Krieg in Tschetschenien.
Video: Terror-Warnung - Offenbar Anschlag auf Reichstag geplant
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
Glaube an die steigende internationale Terrorgefahr im Verlauf der Jahre.
Wem trauen Sie die meiste Kompetenz bei der inneren Sicherheit zu?
Was sollte mit den Steuermehreinnahmen gemacht werden?
Wie bewerten Sie die Arbeit von US-Präsident Barack Obama?
Und zu guter Letzt: Die Sonntagsfrage.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.
US-Präsident Obama bezeichnete erst vor kurzem den Jemen "als Drehscheibe, von der Al-Kaida ihre mörderischen Vorhaben verfolgen." Zwei Wochen später rückt der arabische Wüstenstaat, ...
... den die CIA als Heimat des gefährlichsten Al-Kaida-Netzwerks der Welt bezeichnen, erneut ins Zentrum der internationalen Terrorfahnder. Am 29. Oktober entdeckten Ermittler ...
... auf den Flughäfen East Midlands und Dubai Paketbomben, die sich auf dem Weg vom Jemen in die USA befanden. Die Sprengsätze wurden erst auf einen Tipp des saudi-arabischen Geheimdienstes hin entdeckt.
Ihr Ziel waren jüdische Einrichtungen im Raum Chicago. US-Behörden fahnden nun nach dem Saudi Ibrahim Hassan al-Asiri. Der 28-Jährige mit Wohnsitz im Jemen zählt zu den von Saudi-Arabien meist gesuchten Kriminellen.
Denn die Paketbomben, die den Sprengstoff PETN enthielten, sind angeblich identisch mit denen, die "Unterhosenbomber" Omar Farouk Abdulmutallab bei sich trug, als er Weihnachten 2009 ...
... ein Passagierflugzeug über Detroit in die Luft jagen wollte. Alle Bomben soll Al-Asiri gebaut haben. Die Wege des Nigerianers Abdulmutallab und des Al-Kaida-Manns kreuzten sich im Yemen, ...
... wo der Nigerianer Abdulmutallab wie viele andere Islamisten eine militärische Ausbildung durchlief. Nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden nutzt Al-Kaida die Region intensiv als Rückzugsgebiet mit Rekrutierungs- und Ausbildungslagern.
Das Land, das ärmste der Arabischen Halbinsel, bietet ihnen ideale Bedingungen. Es herrscht eine katastrophale Arbeitslosigkeit ...
... von 35 Prozent. Die Zentralregierung ist in dem von bürgerkriegsähnlichen Stammeskämpfen erschütterten Land nicht in der Lage, alle Landesteile zu kontrollieren.
Die Wüste dominiert die Landschaft, die trockenen Bergregionen eignen sich hervorragend für bewaffnete Überfälle auf staatliche Sicherheitskräfte und bieten zahlreiche natürliche Rückzugsorte.
Auch die Familie von Osama bin Laden stammt aus der Gegend. Der Top-Terrorist nutzte das Land schon in den 90er-Jahren als Rückzugsgebiet. Schon bevor 9/11den islamischen Terror ...
... ins Zentrum des öffentlichen Interesses rückte, gab es im Jemen fatale Anschläge auf amerikanische Ziele. Im Oktober 2000 ereignete sich das bisher folgenschwerste Attentat. In der Hafenstadt Aden sprengten sich ...
... Selbstmordattentäter mit ihrem Boot nahe des US-Zerstörers "USS Cole" in die Luft. 17 US-Soldaten starben. Seitdem ...
... schafften es die Terroristen immer wieder, Attacken auf hochrangige ausländische Ziele im Jemen und in Saudi-Arabien zu verüben.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 musste Al-Kaida im Jemen allerdings zunächst schwere Rückschläge hinnehmen.
Langzeit-Präsident Ali Abdullah begann damals, mit den Amerikanern im Anti-Terror-Kampf zu kooperieren, 2003 war der jemenitische Al-Kaida-Ableger so gut wie zerschlagen.
Im Februar 2006 gelang es 23 Terroristen aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Sanaa zu fliehen. Unter ihnen war Nasser al- Wahaischi - jener Top-Terrorist, der heute die "Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel" (AQAP) anführt.
Seit sich die lokale Al-Kaida-Gruppe mit dem saudischen Ableger des Netzwerks Anfang 2009 zusammenschloss, ...
... entwickelte sich mit der AQAP eine der schlagkräftigsten Terrorgruppen der Welt.
Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Sicherheitskräfte der Regierung und Bombenanschläge.
Mindestens 16 Menschen kamen ums Leben, als Al-Kaida-Männer im September 2008 die US-Botschaft in der Hauptstadt Sanaa angriffen.
Mit der AQAP schufen die bisher weitgehend regional agierenden Terroristen auch eine Basis für weltweite Anschläge, wie die Bombenfunde vom 29. Oktober beweisen.
Der jemenitische Außenminister Abu Bakr el Kurbi wurde kürzlich mit den Worten zitiert, er vermute in seinem Land 300 bis 400 Al-Kaida-Kämpfer, von denen einige offen kämpften und andere sich als "Schläfer" bereithielten.
Die Regierung ist bislang machtlos: Luftangriffe der jemenitischen Armee auf Stellungen der Terroristen wie zuletzt Mitte Oktober 2010 konnten die Terroristen nicht vertreiben.
Im Übrigen gibt es aus Sicht von Al-Kaida auch noch einen höheren Grund für den Jemen. Denn in der muslimischen Überlieferung heißt es, das Land werde eines Tages eine "rettende Armee" hervorbringen.
Video: Terror in Deutschland? - Ein Kommentar von Friedrich Thelen
Video: Terror in Deutschland? - S. Strothe berichtet aus Washington
Video: Nach Terrorwarnung - Sicherheitskontrollen werden hochgefahren
Video: Terrorwarnung - Carsten Hädler an der Vidi-Wall

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat nach den Berichten über einen angeblich geplanten Terroranschlag auf den Reichstag vor Panik und Hysterie gewarnt. Für beides bestehe kein Anlass, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Samstag in Hamburg. "Es gibt auch keinen Grund, irgendeine öffentliche Veranstaltung abzusagen." Das Bundeskriminalamt versuche, alle Erkenntnisse durch zusätzliche Ermittlungen abzuklären.

Seine Behörde habe keine Informationen über konkrete Anschlagsorte oder über konkrete Täter, sagte Ziercke. Im Visier seien grundsätzlich aber unter anderem auch jene Islamisten, die nach einer Terrorausbildung im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet nach Deutschland zurückkehrten. Es werde verdeckt gegen bestimmte Verdächtige ermittelt. Eine Verbindung zwischen den Verdachtsmomenten und einer konkreten Tat gebe es derzeit nicht.

"Objekte im Fokus"

Die Berichte über einen angeblich auf den Reichstag geplanten Anschlag könnten die verdeckten Ermittlungen der Sicherheitsbehörden und deren Quellen gefährden, kritisierte Ziercke. Daher wolle er sich zu den Berichten nicht äußern. Die Maßnahmen dienten der Abwehr potenzieller Gefahren und der Abschreckung möglicher Täter.

Der BKA-Präsident räumte ein: "Natürlich ist es so (...), dass symbolträchtige Objekte in Deutschland insgesamt im Fokus stehen könnten." Deshalb gebe es zusätzliche Präsenz der Polizei. "Die Sicherheitsbehörden tun alles, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen." Sorgfalt gehe aber vor Schnelligkeit, sagte Ziercke.

Reichstag: Blutbad und Geiselnahme?

Deutsche Sicherheitsbehörden befürchten einen blutigen Terroranschlag auf den Reichstag in Berlin. Laut "Spiegel" hat sich ein deutscher Islamist aus dem Ausland mit entsprechenden Informationen beim Bundeskriminalamt gemeldet.

Nach Darstellung des "Gotteskriegers" will ein Kommando von Al-Kaida und verbündeten Gruppierungen möglicherweise den Sitz des Deutschen Bundestages stürmen, Geiseln nehmen und ein Blutbad anrichten.

Die Attacke auf die Touristenattraktion sei im Februar oder März geplant. Gedacht sei auch an einen Bombenanschlag in Deutschland mit einem Handy als Zünder. Unterdessen wurde nach dem Bombenalarm in Namibia der Leiter der Flughafenpolizei in Windhuk festgenommen. Er soll gestanden haben, die Bombenattrappe auf ein Gepäckband gelegt zu haben.

Aussteiger gesteht

Der Fund des Gepäckstücks hatte am Donnerstag kurzfristig für Aufregung gesorgt, die Herkunft blieb lange unklar. Am Mittwoch hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor einem drohenden Terroranschlag von Islamisten gewarnt. Ausschlaggebend dafür waren laut "Spiegel" die Aussagen des deutschen Islamisten, der sich in den vergangenen Tagen mehrmals telefonisch an das Bundeskriminalamt (BKA) gewandt haben soll. Der Dschihadist (Gotteskrieger) wolle aus der Terrorszene aussteigen und zu seiner Familie nach Deutschland zurückkehren, heißt es in dem Bericht.

Das BKA wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte in Lissabon am Rande des Nato-Gipfels: "Wir haben eine reale Gefährdung durch den Terrorismus, das muss man einfach sehen." Auf konkrete Nachfragen verwies sie auf die Stellungnahme des Bundeskriminalamtes: "Es gibt keine Details, die jetzt zu berichten wären."

Zwei Terroristen bereits in Berlin?

Nach Angaben des BKA-Informanten soll das Terrorkommando aus sechs Personen bestehen. Zwei von ihnen seien bereits vor sechs bis acht Wochen nach Berlin gereist und dort untergetaucht. Vier weitere Komplizen, ein Deutscher, ein Türke, ein Nordafrikaner und ein Mann, dessen Identität er nicht kenne, warteten derzeit auf ihre Abreise.

Der zweite Hinweis, auf den sich de Maizières Warnung stützt, stammt laut "Spiegel" aus den USA. Die US-Bundespolizei FBI hatte das BKA demnach schon vor zwei Wochen in einem Fernschreiben auf einen weiteren mutmaßlichen Anschlagsplan hingewiesen.

So habe eine schiitisch-indische Gruppe, die sich "Saif" ("Schwert") nenne, einen Pakt mit Al-Kaida geschlossen und zwei Männer auf den Weg nach Deutschland geschickt, um hier einen Anschlag durchzuführen, warnten die US-Ermittler dem Bericht zufolge. Die beiden sollten am 22. November in den Vereinigten Arabischen Emiraten ankommen, dort mit neuen Papieren ausgestattet werden und dann nach Deutschland reisen. Sie hätten bereits Visa für den Schengen-Raum.

BND und Verfassungsschutz zweifeln

Als Drahtzieher benennt das FBI laut "Spiegel" einen gewissen Mushtaq Altaf Bin-Khadri. Als Schleuser der Männer fungiere der 54-jährige Waffenhändler Dawood Ibrahim, der von der UN als Terrorunterstützer geführt wird. Er gilt als einer der Hintermänner der Terroranschläge, die sich Ende November 2008 in der indischen Metropole Mumbai ereigneten. Damals starben mindestens 171 Menschen.

Das FBI und das BKA messen der Information laut "Spiegel" große Bedeutung bei. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA, der Bundesnachrichtendienst und der deutsche Verfassungsschutz seien dagegen skeptisch. Bisher gab es für eine Zusammenarbeit des sunnitischen Al-Kaida-Terrornetzwerkes mit schiitischen Extremisten keinerlei Beweise. Sie gilt bisher wegen der unterschiedlichen religiösen Auffassungen und Ideologien der jeweiligen Gruppierungen als schwer vorstellbar.

Polizist in Namibia festgenommen

Im namibischen Windhuk wurde am Freitag der Leiter der Flughafensicherheitspolizei festgenommen. Er solle gestanden haben, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Samstag in Berlin. Über die Motive des Mannes gebe es noch keine Erkenntnisse. Namibias Polizeichef Sebastian Haitota Ndeitunga sagte, der Verdächtige sei ein hoher Offizier, der seit fünf Jahren im Polizeidienst sei. Es sei nun wichtig festzustellen, mit wem er zusammengearbeitet habe. Die Bombenattrappe war in einer Halle entdeckt worden, in der zuvor das für einen Air-Berlin-Flug nach München bestimmte Gepäck gelagert war.

Der Chef der Bundespolizei, Matthias Seeger, bezeichnete die Gefahr eines Terroranschlags von Islamisten konkreter als je zuvor. Anders als bei früheren Terrorwarnungen habe man heute "mehrere Hinweise auf bevorstehende Anschläge, die aus verschiedenen Quellen stammen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Bundestag soll an diesem Dienstag auf einer Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums über die aktuelle Terrorgefahr informiert werden. Für die Besucher des Reichstags in Berlin gibt es derzeit trotz der aktuellen Terrorgefahr keine Einschränkungen.

(dpa, AFP, N24)

20.11.2010 20:35 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik