Geteilte Reaktionen auf Entschädigungslösung für Heimkinder

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Ehemalige Heimkinder bei Pressekonferenz in Berlin

Zwei Jahre hat der Runde Tisch Heimerziehung getagt, um Misshandlungen an tausenden Kindern und Jugendlichen in Heimen in den Jahren 1949 bis 1975 aufzuarbeiten. Heute legte seine Leiterin Antje Vollmer (Grüne) einen Vorschlag für einen 120 Millionen Euro schweren Entschädigungsfonds vor, den Parteien, Kirchen und Verbände begrüßen. Zahlreiche Opfer protestieren aber gegen den Fonds und wollen nun vor Gericht für eine lebenslange Rente kämpfen.

Rund 120 Millionen Euro sollen Bund, Länder und Kirchen je zu einem Drittel für den Fonds zur Verfügung stellen. Wie Vollmer bei der Vorstellung des Abschlussberichts in Berlin ankündigte, sollen 100 Millionen Euro für Folgeschäden der Heimerziehung bereitstehen und 20 Millionen Euro für einen Rentenausgleichsfonds. Das Geld soll den Opfern bei regionalen Anlaufstellen individuell zugeteilt werden, nachdem diese die an ihnen verübte Gewalt "glaubhaft" gemacht haben, sagte Vollmer.

Rund 700.000 bis 800.000 Mädchen und Jungen lebten in den 50er und 60er Jahren in Heimen in der Bundesrepublik. Noch ist unklar, wie viele von ihnen sich an den Fonds wenden werden. Laut Vollmer meldet sich bislang rund 2500 ehemalige Heimkinder, die sich als "besonders betroffen" bezeichneten. Der SPD-Bundestagsabgeordneten Ingrid Matthäus-Maier zufolge könnten jedoch bis zu 30.000 Menschen Ansprüche erheben.

Mindestens 300 Euro monatlich oder eine einmalige Entschädigung in Höhe von 54.000 Euro hatten die Vertreter der Heimkinder gefordert. Im Abschlussbericht des Runden Tischs werden keine Summen genannt. Die Höhe der Entschädigung soll je nach Einzelfall berechnet werden. Allerdings soll es keine Beschränkung für den Fonds geben, so dass die Länder gegebenenfalls Geld nachschießen müssen, falls die 120 Millionen Euro nicht ausreichen.

Die nicht an den Verhandlungen beteiligte Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder, Monika Tschapek-Güntner, kündigte an, Klage einzureichen, um eine lebenslange Rente zu erhalten. "Ich gehe bis zum Europäischen Gerichtshof", sagte sie. Auch andere ehemalige Heimkinder zeigten sich unzufrieden und wollen klagen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) lobte die vorgeschlagene Lösung. "Zweckgebundene Zahlungen sind eine angemessene Reaktion auf individuelles Unrecht", erklärte sie. Sie äußerte aber Verständnis für die Reaktion der früheren Heimkinder, deren Erwartungen "größer" gewesen seien.

(AFP)

13.12.2010 16:11 Uhr

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