Angespannt bis entspannt

Hochwasser hat Deutschland im Griff

Schmelzende Schneemassen und Regen lassen viele Flüsse anschwellen. Der Höhepunkt wird vielerorts erst an diesem Montag oder am Dienstag erwartet. Das Tauwetter forderte auch Tote.

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Im Koblenzer Stadtteil Neuendorf sind zahlreiche Häuser nur noch über Stege erreichbar.
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Deutschland unter Wasser: Nach dem heftigen Schneefall zu Weihnachten führt das Tauwetter nun zu massiven Überschwemmungen. Betroffen sind fast alle Regionen von Nordbayern bis ins südliche Niedersachsen.
Wie hier in mittelfränkischen Ansbach, wo der Rezat über die Ufer getreten ist, sind weite Teile Nordbayerns überschwemmt. Viele kleine Bäche und Flüsse verwandelten sich zu reißenden Strömen.
Auch im nordhessischen Melsungen traf ein Bankhaus Vorsichtsmaßnahmen, um sich gegen die ansteigende Fulda zu schützen.
Besonders dramatisch ist die Lage an der Mosel. Nachdem das Wasser einmal die Oberkante der Hochwasserschutzmauer überwunden hatte, ...
... überflutete es innerhalb weniger Stunden meterhoch die Altstadt des 5000-Einwohner-Städtchens Zell.
100 Häuser der Zeller Altstadt, die in erster und zweiter Reihe an den Fluss grenzen, stehen im Wasser. Darunter viele Läden, Restaurants und Weinstuben.
Insgesamt sind um die 30 Gemeinden rund um Zell betroffen, sagt ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums Mosel in Trier. Zig Straßen sind überflutet, Weinberge überschwemmt, ...
... Campingplätze komplett unter Wasser. Dennoch sind die Menschen erleichtert, dass es nicht noch schlimmer kam. Denn am Ende regnete es weniger als erwartet.
Überflutungen sind nichts Neues in der Region: Es sei ein Durchschnittshochwasser, wie es etwa alle fünf Jahre eintritt, sagt Michael Schäfer vom Meldezentrum Trier. Die Betroffenen tröstet das natürlich wenig.
Während sich Koblenz für das Hochwasser rüstet, drückt die Mosel auch Richtung Rheinmündung am Deutschen Eck. Dort rechnet die Feuerwehr für Montag mit einem Höchststand des Rheins von 7,50 bis 8,00 Metern.
Leichte Entwarnung gibt es hingegen in Köln: Hier stieg das Wasser am Sonntag mit sechs Zentimetern pro Stunde deutlich langsamer als zuvor.
Andernorts ist das Hochwasser bereits langsam wieder auf dem Rückgang, wie zum Beispiel in Heidelberg. Hier überflutete der Neckar streckenweise die B37.
Auch an der Oder entspannte sich die Lage etwas. An der Grenze zu Polen liefen besonders Felder und Ackerland über. Streckenweise gilt aber weiterhin die höchste Alarmstufe 4.
Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) hatten wie hier im brandenburgischen Hohenwutzen in der Oderregion in den letzten Tagen auf Hochtouren gearbeitet.
Angst machte den Behörden besonders das Treibeis, das den Oderabfluss streckenweise verstopft hatte.
Dank des Einsatzes mehrerer Eisbrecher, die das festgesetzte Treibeis lockerten, könnte die befürchtete Katastrophe nun verhindert worden sein.
Video: Alarmstufe 4 - Hochwasserlage zunehmend dramatisch
Video: Hochwasser-Alarm - Erste Städte überflutet
Video: Erste Überflutungen - Tauwetter sorgt für Hochwasser
Video: Tauwetter-Hochwasser - Alexander Hildebrand mit den Aussichten
Video: Pegelstände steigen - Hochwasser-Alarm in Deutschland
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Nur einige Wochen nach dem Hochwasser in der Lausitz ist das südliche Brandenburg schon wieder in Not: ...
Wegen der massiven Flut in den Gebieten um die Schwarze Elster, Neiße, Röder, Spree und Röderkanal, mussten ...
... viele Brandenburger fliehen, ...
... die Stadt Elsterwerda evakuiert werden.
Über 2500 Anwohner verließen die Stadt bereits.
Fast 1500 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flut an.
Feuerwehrleute und zahlreiche weitere Helfer versuchen, Sickerstellen an den aufgeweichten Dämmen mit Sandsäcken zu sichern.
Besonders die Ortschaften an der Schwarzen Elster und ihrem Nebenfluss Kleine Röder sind von der Flut betroffen.
Den Schätzungen der Behörden zufolge sind zwischen Trier und Koblenz 30 Gemeinden überflutet.

Tauwetter und Regen haben viele deutsche Flüsse über die Ufer getrieben und Städte überschwemmt. In Koblenz und Hannoversch Münden liefen am Sonntag Keller voll. In Mosel-Orten wie Cochem und Zell stand das Wasser meterhoch. In Weimar war der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Ilmpark geflutet, in Köln das Rheinufer, in Sömmerda (Thüringen) der Stadtpark. In Süddeutschland forderten Hochwasser und Tauwetter mindestens zwei Todesopfer. In vielen Teilen Deutschlands sind Brücken und Straßen gesperrt. Der Höhepunkt des Winterhochwassers wird vielerorts an diesem Montag erwartet. Das mildere Wetter weicht ab Montag wieder mehr Kälte.

Kajakfahrer unterschätzt Hochwasser

Bei Pforzheim in Baden-Württemberg wurde ein 50 Jahre alter Kajakfahrer am Samstag tot aus der Enz gezogen. Er hatte das Hochwasser offenbar unterschätzt. Die Polizei ging davon aus, dass er aus seinem Boot fiel und wegen der starken Strömung nicht mehr zurückklettern konnte. Im niederbayerischen Kelheim lösten die milden Temperaturen eine Dachlawine aus, die einem 67-Jährigen ein Gerüstteil tödlich an den Kopf schlug.

Das Hochwasser an Rhein und Mosel ließ am Sonntag in Koblenz viele Keller volllaufen. Den Höchststand des Rheins von 7,50 bis 8,00 Metern wurde für Montagabend erwartet. Ab einer Höhe von 7,20 Metern wird in Koblenz das Deutsche Eck überschwemmt, an dem die Mosel in den Rhein fließt. Bei den großen Hochwassern 1993 und 1995 hatte der Wasserstand in Koblenz die Neun-Meter-Marke überschritten.

Keine Entwarnung in Zell an der Mosel

In Zell, wo die Mosel am Samstag in die Stadt gelaufen war, gab es noch keine Entwarnung. Auch in der bekannten Weinstadt Cochem stand das Wetter meterhoch.

In Köln erreichte der Rheinpegel am Sonntagnachmittag 8,30 Meter. Die Schifffahrt wurde eingestellt. Nach Auskunft der Hochwasserschutzzentrale wurden auf einer Länge von 1,3 Kilometern entlang des Stroms Schutzwände aufgestellt. Der Scheitelpunkt des Hochwassers wird voraussichtlich am Dienstag mit einem Pegel von rund neun Metern erreicht sein. Der Stadtteil Kasselberg wurde am Sonntag zur Insel. Dort verbindet nun eine Fähre die Bewohner mit dem Festland. Auch in Rodenkirchen und Porz-Zündorf hielten Boote für die Bewohner überfluteter Straßenzüge den Kontakt zur Außenwelt aufrecht.

Das Ruhr-Hochwasser machte der Feuerwehr vor allem in Bochum zu schaffen, wo Wasser beispielsweise in eine Gaststätte floss.

Ganz Thüringen betroffen

Das Land Thüringen traf das Hochwasser flächendeckend: An mehr als 40 der insgesamt 51 Pegel war am Sonntag die Meldestufe überschritten. In Weimar bestand für Goethes Gartenhaus, einen Touristen-Magneten im überfluteten Park an der Ilm, zunächst keine Gefahr. In vielen Landesteilen überwachten Feuerwehrleute Flussläufe, stapelten Sandsäcke und pumpten Keller leer.

An den Flüssen Sachsen-Anhalts wuchs die Anspannung, vor allem im Süden des Bundeslandes. Für die Weiße Elster wurde am Pegel Oberthau die höchste Alarmstufe ausgerufen. In Halle/Saale wurde in der Nacht zum Montag mit Alarmstufe 3 gerechnet. Mitte der Woche rechnet auch die Elbe-Stadt Magdeburg mit mehr Problemen.

Eisbrecher arbeiten sich auf der Oder vor

In Brandenburg galt am Oder-Pegel Hohensaaten-Finow unverändert die höchste Alarmstufe. Eisbrecher hatten sich inzwischen auf dem deutsch-polnischen Grenzfluss weit vorgearbeitet. Die Eisdecke auf dem Nebenfluss Warthe, der bei Küstrin (Kostrzyn) in die Oder mündet, hielt zunächst. Sollte sie brüchig werden, könnte sich die Situation schlagartig verschärfen, wenn abtreibendes Eis das Wasser in der Oder aufstauen würde. Das Hochwasser hatte so gut wie alle Flüsse im Land erfasst, vielerorts war Alarmstufe 3 ausgerufen.

In Niedersachsen spitzte sich die Lage vor allem im Süden zu. In Hannoversch Münden waren Teile der Innenstadt überflutet. Der Pegelstand lag am Sonntagnachmittag bei 6,60 Meter - fünf Meter über normal. Stadtentwässerung, Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk erstellten einen Hochwassereinsatzplan. In den meisten Regionen war die Hochwassergefahr jedoch geringer als befürchtet.

In Hessen waren stellenweise Straßen unbefahrbar. In Melsungen mussten Teile der Altstadt wegen Hochwassers gesperrt werden, in Kassel drückten Schmelz- und Tauwasser in manchen Straßen Kanaldeckel hoch. Auf dem Main im Süden Hessens sperrte die Wasserschutzpolizei den Schiffsverkehr.

Auch Bahn hatte ihre Probleme

In Sachsen wurde die Hochwasserlage zunächst als vergleichsweise "undramatisch" beschrieben. Da das Wasser im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe aber schneller als erwartet anstieg, wurde in Dresden am Sonntagabend die Hochwasser-Alarmstufe 1 ausgerufen.

Das Tauwetter bereitete auch der Bahn Probleme: In Wuppertal waren am Sonntagmorgen Gleise zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Hauptbahnhof wegen Hochwassers nicht befahrbar und der Zugverkehr einige Stunden blockiert.

(dpa, N24)

09.01.2011 06:43 Uhr

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