Auch "Carlos" geehrt

"Social Network" weiter auf Überholspur

Die US-Filmkritiker sind sich einig: "The Social Network" ist der beste Film des Jahres. Zum Auftakt der Award-Saison konnte mit "Carlos - Der Schakal" aber auch ein deutscher Kandidat abräumen.

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Der über fünfstündige Film "Carlos - Der Schakal" ist eine französisch-deutsche Co-Produktion.
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Mark Zuckerberg ist der Erfinder des sozialen Netzwerks Facebook. Die Erfolgsgeschichte seines Werdegangs wurde nun verfilmt. Gespielt wird er von ...
... Jesse Eisenberg, der dem Original nicht nur ähnlich sieht, ...
... sondern auch in seiner Rolle als Computergenie überzeugt.
Der Harvardstudent, der sich anfangs tagelang in seinem Zimmer einschließt und beim Programmieren das Leben zu verpassen scheint, ...
... entwickelt sich schnell zu einem Unternehmer, dessen Werk - ein soziales Netzwerk - ein globales Phänomen wird: ...
Nur sechs Jahre und 500 Millionen Freunde später ist Mark Zuckerberg der jüngste Milliardär aller Zeiten und ...
... dank seinem Ratgeber, dem ehemaligen Napster-Gründer Sean Parker (Justin Timberlake) entwickelt sich Facebook schnell zum drittgrößten Land der Welt.
Das "soziale Computerphänomen" führt schon seit langem immer wieder zu Kontroversen über Privatssphäre, Öffentlichkeit und Kontrolle. Mit dem Film ...
... weist Regisseur David Fincher erneut auf die Frage nach virtuellen sozialen Kontakten und gleichzeitig entstehender Isolierung hin.
Gespiegelt wird diese Ambivalenz vor allem in der Hauptfigur: ...
Dass ausgerechnet Mark Zuckerberg, der kontaktscheue Computer-Einsiedler, ein soziales Netzwerk erfindet, mutet geradezu ironisch an.
Der Film macht deutlich: Sozial unbeholfen, aber mit messerscharfem Verstand und einer großen Vision - Mark Zuckerberg hat es ganz nach oben geschafft.
Aber Fincher zeigt auch die Schattenseiten dieses Erfolgs: ...
... Denn mit 500 Millionen neuen Freunden zerbrechen zurgleich alte Freundschaften, die Zuckerberg hinter sich lassen muss und die zum Teil auch vor Gericht enden.
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Seit dem 14. August 1994 ist die Welt sicher vor einem der skrupellosesten Terroristen der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. An diesem Tag wurde der Venezolaner Ilich Ramírez Sánchez, ...
... Sohn eines marxistischen Anwalts und als "Carlos" zu grausamer Berühmtheit gelangt, vom französischen Geheimdienst aus dem Sudan entführt. Seitdem sitzt er lebenslang in Haft. Regisseur Olivier Assayas ...
...erzählt das blutige Leben des heute 61-Jährigen in einem monumentalen Spielfilm. Auf 190 Minuten bringt es die gekürzte (!) Version. Die Originalfassung, die ebenfalls in einigen Kinos gezeigt wird, dauert über fünf Stunden.
"Carlos - Der Schakal" ist eine Zeitreise in die Frühzeit des modernen Terrorismus. Sánchez äußerte sich in einem Interview mit dem "Stern" auch als "Fan" der heutigen Generation: Osama bin Laden sei ein "großer Revolutionär" und "ehrbarer Mann".
Die Liste seiner Morde ist lang: Carlos war unter anderem für Anschläge auf die OPEC-Minister 1975 in Wien und das "Maison de France" in Westberlin 1983 verantwortlich. Bei Anschlägen 1982 und 1983 ...
... starben in Frankreich elf Menschen, Hunderte wurden verletzt. Unter dem Blickwinkel heutiger Verhältnisse waren die Sicherheitsmaßnahmen, die zum Beispiel bei der OPEC-Konferenz Ende 1975 in Wien getroffen wurden, ...
... geradezu lächerlich und unverantwortlich leichtfertig. Es war deshalb für "Carlos" und seine Kumpanen einfach, ...
... sich mit Schusswaffen und zwei Morden den Weg frei zu einer der spektakulärsten Geiselnahmen der jüngeren Geschichte zu machen.
Sánchez selbst beziffert seine Opfer mit "nicht mal hundert" Personen. Er arbeitete auch mit deutschen Terroristen aus dem RAF-Umfeld zusammen. So kommt es, dass neben dem Venezuelaner ...
... Édgar Ramírez in der Hauptrolle auch viele deutschsprachige Schauspieler in dem Film mitwirken. Mit dabei: Jule Böwe (r.) als Christa Margot Fröhlich, ...
... Nora von Waldstätten als Carlos' damalige Ehefrau Magdalena Kopp und Alexander Scheer (r.) als Johannes Weinrich, der bis heute im Gefägnis sitzt.
Der Film versucht einen authentischen Blick auf den facettenreichen Top-Terroristen zu werfen. Ihm ging es um "eine Psychoanalyse des gewalttätigen Außenseiters und seines Umgangs mit Frauen", so Regissuer Assayas.
Die fünfeinhalb Stunden lange Originalfassung bewegt sich eng - fast schon dokumentarisch - an der Wirklichkeit, die temporeiche Inszenierung begeisterte die Kritiker in Cannes.
Kritische Stimmen verweisen allerdings auf die moralische Zweifelhaftigkeit, einen fanatischen und menschenverachtenden Superterroristen mit einem fünfstündigen Filmepos zu ehren.
Der Film, der übrigens in Frankreich als Mehrteiler im TV gezeigt wird, kommt am 4. November in die deutschen Kinos.
Video: "Carlos der Schakal" - Superterrorist der ersten Stunde
Video: N24 Reportage - Carlos - Söldner des Terrors
Video: Carlos-Dokumentation - Stefan Aust auf der Spur eines Terroristen
Video: Facebook-Saga - "The Social Network" ist Top der US-Kino-Charts
Video: The Social Network - Kein süßer Zuckerberg von Gregor Tholl

"The Social Network" ist nach Ansicht der US-Filmkritiker der beste Film des Jahres 2010. Das Drama um die Entstehung der Internetplattform Facebook konnte in New York gleich vier der zehn Preise abräumen. So wurde Jesse Eisenberg, der den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg spielt, als bester Schauspieler geehrt, David Fincher war in den Augen der Kritiker der beste Regisseur und Aaron Sorkin lieferte das beste Drehbuch ab. Am wichtigsten: "The Social Network" bekam auch den Preis als bester Film.

Ein wenig des Glanzes ging auch nach Deutschland. Der Film "Carlos" des französischen Regisseurs Olivier Assayas wurde von der National Society of Film Critics als bester ausländischer Film geehrt. Die fünfeinhalbstündige Kurzserie über den Linksterroristen Édgar Ramírez, besser bekannt als "Carlos, der Schakal", und seinen deutschen Helfer Johannes Weinrich ist eine deutsch-französische Koproduktion.

Europäische Schauspieler geehrt

Der Preis für die beste Schauspielerin ging an eine Italienerin. Giovanna Mezzogiorno ("Die Liebe in den Zeiten der Cholera", "Palermo Shooting") wurde für ihre Rolle in "Vincere" geehrt. Der Film schildert das Leben von Ida Dalser, der ersten Frau von Benito Mussolini, als der spätere Faschistenführer noch ein Sozialist war. Auch die besten Nebenrollen waren nach Meinung der 46 Kritiker aus der Jury mit zwei Nicht-Amerikanern besetzt: Die Engländerin Olivia Williams wurde für ihre Rolle in Roman Polanskis Politikthriller "Der Ghostwriter" ausgezeichnet und der Australier Geoffrey Rush für seinen Part in "The King's Speech".

"Inside Job", ein Film über die Finanzkrise, wurde als bester Dokumentarfilm geehrt. Der Galaabend in New York war der Auftakt zur diesjährigen Preissaison, die mit der Oscarverleihung Ende Februar ihren Höhepunkt haben wird.

(dpa, N24)

09.01.2011 19:07 Uhr

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