"Tante in Gummistiefeln"

Hochwasser-Touristen bedrohen Deiche

Regensburg ist der Katastrophe entgangen, Passau ebenso. In Frankfurt am Main lässt sich die Hochwasserlage noch "nicht abschätzen". Eine zweite Welle kommt. Auch in Sachsen gibt es keine Entwarnung.

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Hohwasser-Motiv: "Tanta in Gummistiefeln" (Archivbild)
Zweite Welle des Hochwassers wird in Frankfurt am Main erwartet.
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Die Jahrhundertflut in Australien hat die Millionenstadt Brisbane erreicht. Schlammig-braune Wassermassen schieben sich über die Ufer des ...
... Brisbane River, die Menschen sehen der Naturgewalt hilflos ins Auge. Weite Teile des Zentrums sind ...
... bereits von der Flut betroffen, panisch ...
... verrammeln die Bewohner ihre Geschäfte und Häuser.
Viele packen ihr Hab und Gut zusammen und verlassen die Stadt. In den ...
.... Supermärkten räumen die Angestellten Waren in die oberen Regalreihen - in der Hoffnung, sie so zu retten.
Das Geschäftsviertel gleicht einer Geisterstadt, so Beobachter vor Ort.
Das Suncorp Stadion, in dem Rugby unf Fußballspieleausgtragen werden, ist ans Sporttreiben derzeit nicht zu denken. Viele ...
... Straßen sind nur noch mit Ruderbooten passierbar. Der Bürgermeister von Brisbane, Campbell Newmann, ...
... geht davon aus, das mindestens 20.000 Häuser von den Überschwemmungen betroffen sein werden.
Damit wäre es die schlimmste Flutkatastrophe, die Brisbane in den letzten 100 Jahren erlebt hat. Und die ...
... Lage wird durch eine vernünftige, aber harte Entscheidung nicht leichter: Der örtliche Stromversorger schaltete in der ganze Stadt des Saft ab. "Strom und Wasser vertragen sich nicht", so die Begründung von Queenslands Ministerpräsidentin Anna Bligh.
Wo die Menschen noch können flüchten sich die Bewohner der Zwei-Millionen-Metropole in höher ...
... gelegene Stadtviertel. Manche können die Katastrophe mit Humor nehmen, anderen ...
... steht dagegen die pure Verzweiflung ins Gesicht geschrieben.
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Deutschland unter Wasser: Nach dem heftigen Schneefall zu Weihnachten führt das Tauwetter nun zu massiven Überschwemmungen. Betroffen sind fast alle Regionen von Nordbayern bis ins südliche Niedersachsen.
Wie hier in mittelfränkischen Ansbach, wo der Rezat über die Ufer getreten ist, sind weite Teile Nordbayerns überschwemmt. Viele kleine Bäche und Flüsse verwandelten sich zu reißenden Strömen.
Auch im nordhessischen Melsungen traf ein Bankhaus Vorsichtsmaßnahmen, um sich gegen die ansteigende Fulda zu schützen.
Besonders dramatisch ist die Lage an der Mosel. Nachdem das Wasser einmal die Oberkante der Hochwasserschutzmauer überwunden hatte, ...
... überflutete es innerhalb weniger Stunden meterhoch die Altstadt des 5000-Einwohner-Städtchens Zell.
100 Häuser der Zeller Altstadt, die in erster und zweiter Reihe an den Fluss grenzen, stehen im Wasser. Darunter viele Läden, Restaurants und Weinstuben.
Insgesamt sind um die 30 Gemeinden rund um Zell betroffen, sagt ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums Mosel in Trier. Zig Straßen sind überflutet, Weinberge überschwemmt, ...
... Campingplätze komplett unter Wasser. Dennoch sind die Menschen erleichtert, dass es nicht noch schlimmer kam. Denn am Ende regnete es weniger als erwartet.
Überflutungen sind nichts Neues in der Region: Es sei ein Durchschnittshochwasser, wie es etwa alle fünf Jahre eintritt, sagt Michael Schäfer vom Meldezentrum Trier. Die Betroffenen tröstet das natürlich wenig.
Während sich Koblenz für das Hochwasser rüstet, drückt die Mosel auch Richtung Rheinmündung am Deutschen Eck. Dort rechnet die Feuerwehr für Montag mit einem Höchststand des Rheins von 7,50 bis 8,00 Metern.
Leichte Entwarnung gibt es hingegen in Köln: Hier stieg das Wasser am Sonntag mit sechs Zentimetern pro Stunde deutlich langsamer als zuvor.
Andernorts ist das Hochwasser bereits langsam wieder auf dem Rückgang, wie zum Beispiel in Heidelberg. Hier überflutete der Neckar streckenweise die B37.
Auch an der Oder entspannte sich die Lage etwas. An der Grenze zu Polen liefen besonders Felder und Ackerland über. Streckenweise gilt aber weiterhin die höchste Alarmstufe 4.
Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) hatten wie hier im brandenburgischen Hohenwutzen in der Oderregion in den letzten Tagen auf Hochtouren gearbeitet.
Angst machte den Behörden besonders das Treibeis, das den Oderabfluss streckenweise verstopft hatte.
Dank des Einsatzes mehrerer Eisbrecher, die das festgesetzte Treibeis lockerten, könnte die befürchtete Katastrophe nun verhindert worden sein.
Video: Hochwasserkatastrophen - Folge der globalen Erwärmung?
Video: Hochwasser im Süden - Pegelstände an Rhein und Mosel steigen

Während sich die Feuerwehr in Frankfurt auf die erwartete zweite Hochwasserwelle vorbereitete, machten Hunderte von Hochwassertouristen den Helfern die Arbeit schwer. Vor allem die Schutzdämme vor dem Römerberg mit dem historischen Rathaus der Stadt waren begehrtes Ziel von Schaulustigen. Dort hat der Main seit Tagen die komplette Uferstraße überflutet - ein seltenes Bild.

Zeitweilig musste die Polizei sogar mit Gittern den Bereich absperren, weil sonst Neugierige die Schutzdämme zerdrückt hätten, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. "Da war die Fläche ganz schön gefüllt." Vor allem am Sonntag schlenderten Scharen von Spaziergängern bei milden Temperaturen an den überschwemmten Uferpromenaden entlang.

Bereits an einem normalen Sonnen-Sonntag schieben sie sich zu Tausenden hier entlang, wollen den Blick auf die Skyline genießen. Jetzt hat der dreckig-braune Main die Fläche in Beschlag genommen, die meisten der Spazierwege sind überflutet. Kinder in Gummistiefeln planschen durch die Pfützen, die sich über das Grundwasser auf die Spielplätze hochgedrückt haben. Waghalsige Radfahrer radeln breit grinsend über die nur wenige Zentimeter überschwemmte Uferstraße und freuen sich, dass das Wasser in hohen Fontänen davonspritzt.

Die begehrtesten Plätze sind aber die Brücken über den Main. Denn von hier aus ist die Lage bestens zu überblicken. Hier hängen sie wie Tauben an den Geländern und machen jene Bilder, die später unter dem Titel "Oma mit Hochwasser" oder "Tante im Gummistiefel" den Weg in die Alben finden.

Rettungskräfte bereiteten sich derweil auf die zweite Hochwasserwelle vor, die am Sonntagabend Frankfurt erreichen sollte. Wie viel Wasser sie aus Franken bringt, war zunächst nicht sicher vorherzusagen. "Die Lage ist ziemlich schwer einzuschätzen", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Das Regierungspräsidium in Darmstadt erwartete mindestens einen Pegel von 4,80 Meter. Das entspricht etwa der Höchstmarke Mitte der vergangenen Woche. Die Barrieren, die die Feuerwehr errichtet hat, halten bis zu einem Pegel von fünf Metern.

Dass die Fluten keine neue Nahrung bekommen, scheint hingegen wie eine glückliche Fügung des Wetters. Denn ausgiebiger Regen, der die Pegel dramatisch anschwellen lassen könnte, ist nicht in Sicht. Lediglich für den Dienstag und den Mittwoch erwarten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) leichten Niederschlag. Daher könnten "die Hochwasserwellen weitgehend unbeeinflusst ablaufen", heißt es vom Regierungspräsidium in Darmstadt.

Die Hochwasserlage an der Elbe in Sachsen bleibt ebenso angespannt, aber nicht dramatisch. "Die Hydrologen schließen aus, dass die Richtwasserstände der Alarmstufe 4 an den sächsischen Elbepegeln erreicht werden", teilte das Landeshochwasserzentrum mit. An den Pegeln Schöna, Dresden und Riesa gelte weiter die zweithöchste Alarmstufe 3. Es wird damit gerechnet, dass das Wasser bis Dienstag auf diesem «sehr hohen Niveau" bleibt. Ab Dienstagabend sei dann mit leicht fallenden Wasserständen zu rechnen, hieß es. In allen anderen sächsischen Flussgebieten habe sich die Hochwasserlage "deutlich entspannt".

(dpa, N24)

16.01.2011 21:38 Uhr

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