Hokuspokus oder Therapie?

Thalasso: Gesundheit aus dem Meer

Schon Kleopatra soll für ihr Wohlbefinden auf die Kraft des Meeres gesetzt haben. Und auch die Griechen wussten um die Wirkung von Algen, Schlick und Meerwasser. Heute nennt man das Thalasso.

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Ein wenig im Salzwasser herumzuplanschen, kann entspannen. Verfechter der Thalasso-Therapie schreiben dem Meer aber auch eine echte therapeutische Wirkung zu.

Thalasso, das klingt exotisch und für viele nach neumodischem Wellness-Schnickschnack. Doch weit gefehlt: Der Name Thalasso stammt von dem griechischen Wort thalassa und bedeutet "das Meer". Und so nutzten schon im antiken Griechenland die Menschen Meerwasser zur Behandlung von Rheuma und Ischiasleiden, wie Hippokrates (460 - 377 v. Chr.) berichtet.

"Thalasso bedeutet frische Luft, im Meerwasser baden, den Blick über die Weite des Strandes und Meeres schweifen lassen und einfach zur Ruhe kommen", erklärt Peter Wettstein, Kurdirektor der Nordseeinsel Langeoog und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Seebäder, die sich Thalasso auf die Fahnen geschrieben haben. Weltweit gelten Frankreich und Tunesien als Thalasso-Hochburgen, doch Nord- und Ostsee können da durchaus mithalten.

Gut bei Hautkrankheiten

"Das Meer als natürliches Heilmittel wirkt zum einen auf die Sinnesorgane wohltuend, hat aber auch medizinische Wirkungen", erklärt Ulrike Wehner vom Verband Deutscher Thalasso-Zentren mit Sitz in Warnemünde. Der französische Arzt La Bonnardière rief 1867 die Thalasso-Therapie ins Leben. Schon damals stellten Wissenschaftler und Ärzte fest, dass Fischer und Seeleute seltener an Hautkrankheiten und Atemwegsbeschwerden litten und gesünder als andere Menschen waren. Zurückgeführt wurde das auf die hohe Konzentration an Makro- und Mikromineralien im Meerwasser.

Das hat sich bis heute nicht geändert. "Gerade bei Kindern mit Hautkrankheiten kann das Meeresklima zur gänzlichen Gesundung führen", erklärt Wettstein. Gleiches gelte für Menschen mit Atemwegserkrankungen, rheumatischen Leiden, Erschöpfungszuständen und Venenerkrankungen.

Thalasso-Zentrum muss am Meer liegen

"Es gibt ganz klare Kriterien für Thalasso", erläutert Wehner. Eines davon: Die Therapie muss am Meer erfolgen. "Alles andere ist Planschen in der Badewanne mit Salzwasser", ergänzt Wettstein. Und der Deutsche Wellness Verband in Düsseldorf postuliert, dass ein Thalasso-Zentrum höchstens 500 Meter vom Meer entfernt liegen sollte.

Weitere Kriterien für die Therapie, die der Europäische Heilbäderverband festgesetzt hat, sind etwa, dass Meerwasser zum Inhalieren und Baden zur Verfügung steht. Außerdem müssen Anwendungen mit Meeresprodukten wie Algen und Schlick angeboten werden. Bestenfalls sollte die natürliche Sonnenstrahlung zur Heliotherapie genutzt werden und es ein therapeutisches Konzept für definierte Krankheitsbilder unter ärztlicher Betreuung geben.

Bei akuten Infektionen lieber zum Arzt gehen

Eine klassische Thalasso-Therapie dauert in der Regel sechs Tage, wird stets von einem Arzt begleitet und beinhaltet Einzelbehandlungen wie Schlick-Massagen und Inhalationen - aber auch Gruppenaktivitäten wie Brandungswanderungen und Wassergymnastik. Dafür nutzen die Seebäder ihre natürlichen Strukturen und bieten Thalasso-Spazierwege, auf denen die Urlauber ganz nebenbei die verschiedenen Elemente der Therapie genießen können. Natürlich lassen sich die Anwendungen auch einzeln nutzen. Die Kuren haben in vielen Fällen reinen Wellness-Charakter, werden aber nach Aussage von Wettstein auch als klassische Kuren von den Krankenkassen getragen.

Vorsicht ist lediglich für Menschen mit Schilddrüsen- und Herzkreislaufproblemen geboten. Auch bei akuten Infektionen sollte unbedingt zuvor ein Arzt konsultiert werden. Und Schwangeren sei ebenfalls von der Therapie abzuraten, sanfte Behandlungen und Strandspaziergänge sind davon ausgenommen.

Manchmal reicht ein wenig frische Luft

"Oft merken ja schon ganz normale Urlauber, wie intensiv das Klima an der Küste ist", sagt Wettstein. Ein kurzer Spaziergang am Meer reiche oftmals für einen leichten Sonnenbrand, nach dem ersten Spaziergang in den Dünen setze bereits die Entspannung ein. "Eigentlich muss man sich an unser Klima erst langsam gewöhnen, aber das ist Wochenendurlauber natürlich schwer zu vermitteln und für gesunde Menschen auch nicht tragisch", sagt er.

Auf jeden Fall bedarf Thalasso alles andere als viel Aufwand. "Es ist ein ganzheitliches Konzept, bei dem es auch darum geht, zur Ruhe zu kommen." Und da reiche es manchmal schon, sich den frischen Wind um die Nase wehen zu lassen.

(Britta Schmeis, dpa, N24)

19.01.2011 08:55 Uhr

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