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"Die Bank ist dicht"

Schock für Weserbank-Kunden

Homepage abgeschaltet, per Telefon nicht erreichbar - die Kunden der Weserbank standen vor einem Rätsel. Ein Aushang gab dann traurige Gewissheit: Die Bank ist dicht.

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Video: Insolvenz - Aufsicht schließt Weserbank
Video: Weserbank-Pleite - Im Gespräch: Thomas Schwarzer, Wirtschaft
Kunden vor dem geschlossenen Eingang der Weserbank in Bremerhaven.
Nichts geht mehr: Die in Bremerhaven gegründete Weserbank

Die Nachricht schlägt völlig überraschend ein - eine kleine Bremerhavener Privatbank bricht zusammen und zieht die Schlagzeilen auf sich. Unerwartet kündigt am Morgen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Schließung der überschuldeten Weserbank AG an. "Die Bank ist dicht", sagt BaFin- Sprecherin Sabine Reimers am Mittwoch in Bonn. Das stellen bald auch die ersten Kunden in Bremerhaven fest, die vor verschlossenen Türen des Instituts stehen. "Jetzt hat uns die internationale Bankenkrise schon vor der Haustür eingeholt", vermutet ein Kunde, der einen Teil seiner Ersparnisse bei der Weserbank angelegt hat.

Schnell bildet sich eine Traube aus Kunden und Schaulustigen vor der unscheinbaren Privatbank. Die Türen sind verrammelt, nur gelegentlich lässt sich ein Mitarbeiter am Fenster sehen. Telefonisch ist zunächst niemand zu erreichen, auch die Homepage im Internet ist abgeschaltet. Per Aushang informiert die Geschäftsleitung mit ein paar dürren Worten und nennt zwei Telefonnummern für die Kunden- Hotline. Das ist für manche Betroffene zu wenig: "Ich muss übermorgen Handwerker bezahlen, da wird ein großer Betrag fällig", sagt eine sichtlich erregte Frau. Ihr Geld will sie so schnell zurück haben - und auf jeden Fall zur Polizei gehen.

Ist wirklich die internationale Finanzkrise Schuld an der Insolvenz? Weserbank-Chef Gerold Lehmann stellt es in Frankfurt so dar: "Wir leiden unter dem Vertrauensverlust in der Folge der Finanzkrise." Das habe die Bilanz belastet. Zudem habe die Bankenaufsicht das Institut gezwungen, verlustreiche Zinspapiere niedriger zu bewerten. Der Bankchef ist seit 50 Jahren im Geschäft, erst seit August 2007 Chef der Weserbank. Zuvor war er unter anderem auch Vorstand der Schweizer Großbank UBS.

"Niemand wird sein Geld verlieren"

Das sieht die BaFin jedoch ganz anders: Einen Zusammenhang mit der internationalen Bankenkrise gebe es nicht, sagte BaFin-Sprecherin Sabine Reimers. Nachdem die Bank ihr Geschäftsmodell umgestellt habe, sei diese nicht mehr in der Lage gewesen, dauerhaft Erträge zu erwirtschaften, die zur Deckung der laufenden operativen Kosten notwendig gewesen wären.

Bilder von langen Schlangen aufgebrachter Kunden wie im Fall der britischen Bank «Northern Rock» schließen Wirtschaft und Politik in Deutschland jedenfalls aus. Im vergangenen September hatten viele Betroffene in Großbritannien aus Angst um ihre Einlagen riesige Summen abgezogen. Die Weserbank hat lediglich 2800 Kunden, die Bilanzsumme liegt im Branchenvergleich bei geringen 120 Millionen Euro. "Niemand wird sein Geld verlieren", versichert auch Bankchef Lehmann, "Gespräche mit dem Einlagesicherungsfonds laufen, in ein paar Tagen sollten die Leute ihr Geld bekommen".

In Deutschland sind die Einlagen der Kunden über das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz bis zu einer Obergrenze von 20.000 Euro pro Kunde geschützt. Zudem ist die Weserbank Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken. Dieser Fonds übernimmt Schäden bis zur Sicherungsgrenze von 30 Prozent.

Die Weserbank AG in historischen Daten

1912

Gründung in Form einer genossenschaftlichen Kooperation von Fleischern und Viehhändlern als «Viehmarktsbank der Unterweserstädte GmbH»

1951

Gründungsmitglied im neu gegründeten Bundesverband Deutscher Banken in Verbindung mit der Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds

2001

Wegfall des Viehmarktsgeschäftes und ausschließliche Konzentration auf das Privatbankgeschäft - 2004 Übernahme der Viehmarktsbank durch die GCI Management Gruppe München und Umfirmierung in Weserbank GmbH Bremerhaven

2005

Umwandlung in eine Aktiengesellschaft

2006

Übernahme der Mehrheitsanteile durch eine in der FORCET GmbH organisierte Investorengruppe

2007

Bilanzsumme rund 120,4 Millionen Euro

8. April 2008

Die BaFin stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens

(dpa, ddp, N24)

09.04.2008 18:42 Uhr

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