Weltuntergangssekte
Offenbar mehrere Sektenmitglieder gestorben
Seit Monaten verbergen sich die Mitglieder einer russischen Weltuntergangssekte in einem Erdloch. Inzwischen sollen zwei Sektenmitglieder qualvoll gestorben sein.
Zwei Anhänger einer russischen Weltuntergangssekte sind nach mehr als fünf Monaten Aufenthalt in einem Erdloch nahe der Wolgastadt Pensa möglicherweise qualvoll ums Leben gekommen. Ein Frau starb nach Angaben eines Sektenführers ohne medizinische Behandlung an Krebs. Eine andere Anhängerin aus Weißrussland sei beim Fasten verhungert. Die Behörden bestätigten die Todesfälle mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht, wie die Agentur Interfax meldete.
35 selbstmordgefährdete Mitglieder der Sekte "Wahre russisch-orthodoxe Kirche" hatten sich Anfang November 2007 in dem unterirdischen Tunnelsystem verschanzt, um einen von ihnen befürchteten Weltuntergang zu überleben. In den vergangenen Tagen hatte zahlreiche Gläubige die Höhle verlassen, nachdem Regen- und Tauwasser Teile des Unterschlupfs zerstört hatte. Unter ihnen war auch der Wortführer Witali Nedogon, der nun erstmals von den Todesfällen berichtete. Mehrere Mitglieder der Sekte würden jetzt zu den mutmaßlichen Vorfällen gehört, teilten die Ermittler mit.
Gelegentliches Beten und Singen
"Es könnte sein, dass sich nur noch neun Menschen unter Tage aufhalten", sagte der Vizegouverneur des Gebietes Pensa, Oleg Melnitschenko. Über die Belüftungsrohre des Erdlochs sei zu hören, wie die Menschen beten und gelegentlich singen. "Was wirklich passiert ist, können wir erst sagen, wenn alle aus dem Erdloch kommen und wir die Räumlichkeiten durchsuchen können", betonte Melnitschenko. Psychologen und Ärzte sagten, dass Nedogon auch Opfer einer Sinnestäuschung sein könne. Die Polizei geht nach Medienberichten außerdem einer möglichen Beteiligung Nedogons an den Todesfällen nach.
Es gebe weiterhin keine Pläne, die Höhle zu erstürmen, sagte der Vizegouverneur. Die Sektenanhänger hatten für den Fall einer gewaltsamen Erstürmung damit gedroht, sich selbst zu verbrennen. Der spirituelle Kopf der Sekte, Pjotr Kusnezow, wird laut russischen Medien wegen eines Selbstmordversuchs im Krankenhaus behandelt. Gegen Kusnezow läuft ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Aufwiegelung zu religiösem Hass. Psychiater hielten ihn allerdings für nicht zurechnungsfähig.
(dpa, N24)
09.04.2008 21:24 Uhr








