Bürgerschaftswahl in Hamburg
 

Wahl in Hamburg

SPD gewinnt haushoch - Union stürzt ab

Den Sozialdemokraten ist in Hamburg ein historischer Sieg gelungen. Bei der Bürgerschaftswahl konnte die Partei von Spitzenkandidat Olaf Scholz die absolute Mehrheit erringen.

Fulminanter Auftakt für die SPD im Superwahljahr 2011: Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl haben die Sozialdemokraten am Sonntag die absolute Mehrheit errungen und lösen nach zehn Jahren die CDU in der Regierung ab. Mit 48,3 Prozent der Wählerstimmen und 62 Sitzen im Parlament reicht es für eine Alleinregierung der Sozialdemokraten. Neuer Bürgermeister der Hansestadt wird Olaf Scholz, der das beste SPD-Ergebnis seit fast 30 Jahren einfahren konnte. Die CDU stürzte laut vorläufigem amtlichen Teilergebnis auf 21,9 Prozent ab und verbuchte das schlechteste Ergebnis seit dem Krieg.

Insgesamt werden in der neuen Bürgerschaft fünf statt bisher vier Parteien vertreten sein. Drittstärkste Kraft wurden die Grünen mit 11,2 Prozent. Der Linken gelang mit 6,4 Prozent der Wiedereinzug ins Parlament. Die FDP übersprang nach sieben Jahren wieder die Fünf-Prozent-Hürde und kam gleich auf 6,6 Prozent. In der neuen Bürgerschaft erhalten die Sozialdemokraten 62 der 121 Sitze. Sie können damit ohne Koalitionspartner regieren. Die CDU bekommt 28 Mandate, die Grünen 14. Die FDP wird neun Abgeordnete entsenden können, die Linkspartei acht Abgeordnete.

Scholz will "seriöse Politik" machen

Wahlsieger Scholz sprach von einem "sehr, sehr beeindruckenden Wahlergebnis". Der 52-jährige frühere Bundesarbeitsminister versprach, sich nun "an die Arbeit" zu machen. Er nehme das große Vertrauen der Bürger sehr ernst. Viele Wähler hätten den Wunsch "nach einer seriösen Politik", etwa nach soliden Finanzen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, das "beeindruckende Ergebnis" sei Olaf Scholz zu verdanken. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann erklärte mit Blick auf das Super-Wahljahr 2011: "Diese Wahl wird uns enorm beflügeln."

CDU-Spitzenkandidat Christoph Ahlhaus zeigte sich ratlos und räumte eine herbe Niederlage ein. Es sei richtig von seinem Amtsvorgänger Ole von Beust gewesen, erstmals eine schwarz-grüne Koalition auszuprobieren. Falsch seien aber die zu weitgehenden Zugeständnisse an den Koalitionspartner gewesen. "Das rächt sich auch am heutigen Abend", sagte Ahlhaus, der gleichzeitig erklärte, dass er sein Mandat annehmen werde.

Zufrieden zeigten sich die Liberalen. FDP-Chef Guido Westerwelle lobte das Hamburger Ergebnis als "Auftakt nach Maß" für seine Partei. Dies sei eine Ermutigung und ein Ansporn für die sechs kommenden Landtagswahlen bis Jahresende. Die FDP freue sich über einen "großartigen Erfolg", der hart erarbeitet und verdient sei. Erleichtert äußerte sich Linken-Spitzenkandidatin Dora Heyenn. Ihre Partei werde "erhobenen Hauptes" Oppositionsarbeit machen, sagte sie. Die Linke hatte durch die von Parteichefin Gesine Lötzsch ausgelöste Kommunismus-Debatte kräftig Gegenwind erhalten.

Komplizierte Neuerungen im Wahlrecht

In der Hansestadt waren am Sonntag knapp 1,3 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen. Ihre Stimmabgabe eröffnet das Superwahljahr 2011 mit sieben Landtags- und zwei Kommunalwahlen. Doch wird erst in einigen Tagen wegen des neuen Wahlrechts das vorläufige Endergebnis feststehen. Die Wahlbeteiligung erreicht einen Tiefpunkt und lag bei 57 Prozent.

Die vorgezogene Bürgerschaftswahl in Hamburg war notwendig geworden, weil die erste schwarz-grüne Koalition auf Länderebene Ende vergangenen Jahres vorzeitig gescheitert war. Die Grünen hatten im November 2010 die Koalition mit der CDU aus Unzufriedenheit mit dem Regierungsstil von Bürgermeister Ahlhaus aufgekündigt. In Hamburg regierte die CDU seit fast zehn Jahren in wechselnden Koalitionen, von 2004 bis 2008 sogar mit absoluter Mehrheit.

(dapd, N24)

21.02.2011 06:18 Uhr

Die Spitzenkandidaten für Hamburg

öffnenschließenChristoph Ahlhaus (CDU)
  • geboren am 28.8. 1969 in Heidelberg
  • seit 25.8. Erster Bürgermeister von Hamburg
  • Beruf: Anwalt

öffnenschließenOlaf Scholz (SPD)
  • geboren am 14.6.1958 in Osnabrück
  • 2007 - 2009: Bundesarbeitsminister; bis zuletzt SPD-Vorsitzender in Hamburg
  • Beruf: Anwalt

öffnenschließenAnja Hajduk (Grüne/GAL)
  • geboren am 8.6.1963 in Duisburg
  • bis November 2010 Umweltsenatorin in Hamburg
  • Beruf: Psychologin

öffnenschließenDora Heyenn (Die Linke)
  • geboren am 16.5.1949 in Kopendorf/Fehmarn
  • Fraktionschefin Die Linke in Hamburg
  • Lehrerin und Galeristin

öffnenschließenKatja Suding (FDP)
  • geboren 1975 in Vechta
  • Beruf: Kommunikationsberaterin

Politische Vorhaben

öffnenschließenWirtschaft
Für CDU und SPD steht der Hafen im Mittelpunkt ihrer Politik. Beide sprechen sich für die Elbvertiefung und eine Finanzierung des Hafens über Steuergelder aus. Darüber hinaus setzen sie sich wie die FDP für den Mittelstand und die Industrie ein. Die CDU will mindestens 100 Hektar Gewerbefläche ständig vorhalten. GAL und Linke anerkennen die Bedeutung des Hafens, setzen aber weitere Schwerpunkte. Die Linke will ein norddeutsches Hafenkonzept und ist wie die GAL gegen die Elbvertiefung. Die GAL möchte vor allem Ökologie und Ökonomie miteinander vereinen. So soll sich etwa das Hafengeld nach dem Umweltstandard der Schiffe ausrichten.

öffnenschließenFinanzen
Alle Parteien wollen den Haushalt sanieren und den Schuldenberg in Höhe von bald 25 Milliarden abtragen. Umstritten sind die Wege dorthin: Die SPD will kostenrelevante Projekte nur noch umsetzen, wenn die Finanzierung geklärt ist. Bis 2019 soll der Etat ausgeglichen sein. Danach sollen keine neue Kredite mehr aufgenommen werden. Das sieht auch die GAL so, will aber zudem mehr Steuerprüfer, eine höhere Erbschaftsteuer und einen höheren Spitzensteuersatz. Die CDU hält am Verschuldungsverbot schon ab 2013 in Hamburg fest und will von 2015 an jährlich 100 Millionen Schulden tilgen. Die Linke pocht auf höhere Steuern etwa für Reiche, will andernfalls weitere Kredite aufnehmen. Die FDP ist strikt gegen Steuererhöhungen, will sie teils sogar senken. Dafür soll jede zweite freiwerdende Stelle in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes nicht mehr besetzt.

öffnenschließenBildung & Soziales
Nach den heftigen Protesten wegen der Erhöhung der Kita-Gebühren wollen alle Parteien diese wieder zurücknehmen. Unterschiede bestehen nur darin, ob sofort (SPD, FDP, Linke) oder nach Überprüfung der Steuereinnahmen (CDU, GAL). Alle Parteien sind für einen Ausbau der Kinderbetreuung und versprechen, sich an das Ergebnis des Volksentscheids zur Schulreform zu halten. Die Studiengebühren wollen SPD, GAL und Linke wieder abschaffen, die CDU äußert sich in ihrem Programm dazu nicht, die FDP will sie ausdrücklich beibehalten.

öffnenschließenInnere Sicherheit
Die SPD will mehr Polizei auf der Straße, jedes Jahr 250 neue Polizeianwärter einstellen, mehr Sicherheitspersonal an den Bahnhöfen und ein generelles Alkohol- und Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr. Die CDU will zudem die Videoüberwachung, die Waffenverbotszonen, die lageabhängigen Kontrollen und die präventive Telefonüberwachung optimieren. Linke, GAL und FDP wollen im Grunde das Gegenteil. GAL und Linke fordern Namensschilder für Polizisten und einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen.

öffnenschließenWohnen
Unter den Parteien herrscht Einigkeit, dass es in Hamburg zu wenig bezahlbare Wohnungen gibt. Die SPD will daher pro Jahr den Bau von 6000 neuen Wohnungen - ein Drittel davon Sozialwohnungen - durchsetzen. Die Linke spricht von 8000 Wohnungen. Die GAL will zudem Wohnungen für mittlere Einkommen speziell fördern. Nach Ansicht der Linken muss ein Grundrecht auf Wohnen in der Landesverfassung verankert und Maklern eine kommunale oder genossenschaftliche Wohnungsagentur entgegengestellt werden. CDU und FDP setzen auf eine Stärkung des Wohneigentums. Die CDU will die Neubauförderung durch die Wohnbaukreditanstalt fortsetzen, aber auch Gewerbeflächen für den Wohnungsbau nützen.

öffnenschließenUmwelt & Verkehr
SPD und Linke setzen auf eine drastische Reduzierung des Energieverbrauchs und eine energetische Sanierung der Gebäude - wobei dadurch die Mieten nicht zu sehr steigen sollen. Beide Parteien machen sich für einen Ausstieg aus der Atomkraft stark. Ähnlich argumentieren die Grünen. Sie wollen den CO2-Ausstoß bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 Prozent reduzieren. Während die SPD einen strategischen Anteil von 25,1 Prozent an den Energienetzen kaufen will, wollen GAL und Linke deutlich mehr Anteile erwerben. CDU und FDP sprechen sich strikt dagegen aus. Die SPD verspricht Verbesserungen bei allen Verkehrsmitteln. Eine Stadtbahn lehnt sie aber wie die FDP ab. CDU und FDP sprechen sich zudem gegen die von der GAL geforderte City-Maut und gegen eine Umweltzone aus. Die Linke will den öffentlichen Nahverkehr langfristig kostenlos anbieten.

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