Zapfenstreich für "KT"
Guttenberg will nun Memoiren schreiben
Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg ließ es zu seinem großen Zapfenstreich mit Deep Purples "Smoke on the Water" noch mal richtig krachen. Danach will er sich zur Selbstreflexion zurückziehen.
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Die Bundeswehr verabschiedet den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).
Video: Großer Zapfenstreich - Zu Guttenberg wird aus Amt verabschiedet
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Ob Berlin, Hamburg, Köln – oder für Monarchi. In sämtlichen deutschen Städten wurde heute demonstriert.
Teils für den zurückgetretenen Guttenberg,...
teils nicht so ersichtlich. Zumindest ist eins sicher,...
... zu Guttenberg spaltet die Gemüter.
Immer wieder zu sehen: "Wir wollen Guttenberg zurück"!
Seine Gegner versuchten sich zu behaupten, waren jedoch deutlich in der Unterzahl.
Unter den Demonstranten in Guttenberg war auch der Vater des Politikers, der Dirigent Enoch zu Guttenberg.
Die Kritik an seinem Sohn in der Plagiats-Affäre bezeichnete der 64-Jährige als "Menschenjagd".
"Dieser Geifer und Jagdrausch der politischen Gegner macht Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land." So Enoch zu Guttenbergs Worte.
Die Schläge unter die Gürtellinie seien so massiv gewesen, dass sie für alle in der Familie schwer zu ertragen gewesen seien. ...
Von der Solidarität der Guttenberger zeigte der Dirigent sich hingegen beeindruckt. ...
"Das lässt hoffen, dass die Medienvertreter zurückfinden zu ihrer eigentlichen Aufgabe, Macht zu kontrollieren und nicht Macht auszuüben", sagte Guttenbergs Vater unter langanhaltendem Beifall.
Medienkritik und teils offene Anfeindungen gab es in München.
Am Rande der Kundgebung kam es zu hitzigen Diskussionen.
Einige Spötter und Guttenberg-Gegner wurden nach eigenen Angaben von Anhängern des Politikers bedroht.
Zwei Jugendliche, die den ehemaligen Minister auf einem Plakat als "Lügner, Betrüger, Fälscher" bezeichnet hatten, müssen nun eine Strafanzeige wegen Beleidigung fürchten.
Ein Guttenberg-Anhänger reichte bei der Polizei Beschwerde ein und will Anzeige erstatten.
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Karl Theodor zu Guttenberg tritt von allen politischen Ämtern zurück. Die Plagiats-Äffare hat ihn schließlich zu Fall gebracht. Es ist der Abgang eines Schein-Moralisten.
Dabei sah es zunächst nach einer politischen Superstar-Karriere aus. Sein kometenhafter Aufstieg beginnt erst mit der Ernennung zum CSU-Generalsekretär im November 2008.
Schon damals lobt Parteichef Horst Seehofer den Baron aus reichem Hause als "gewaltiges politisches Talent".
Guttenbergs nächster Karriereschritt scheint dies zu bestätigen: ...
Nach nur 100 Tagen im Amt steigt der 37-jährige Oberfranke zum jüngsten Wirtschaftsminister der deutschen Geschichte auf.
Umfragen zufolge gilt er als der beliebteste und bestgekleidete Politiker.
Eine Frauenzeitschrift kürt ihn zum Spitzenreiter unter den deutschen Politgrößen in punkto Sex-Appeal.
Die schwindelerregenden Umfragewerte rufen aber auch Neider auf den Plan: ...
Vom innerparteilichen Rivalen Markus Söder, dem einst als Edmund Stoibers Kronprinz beste Chancen in der CSU attestiert wurden, wird immer wieder kolportiert, ...
... dass er über Guttenbergs Blitzkarriere nicht unbedingt amüsiert ist.
Tatsächlich ist Guttenberg "der" Aufsteiger in der ersten Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Seine Stunde schlägt, als CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos amtsmüde zurücktritt.
Mit Engagement arbeitet sich der gebürtige Münchner binnen kurzer Zeit ein und präsentiert sich als eigenständiger Kopf, ...
... nicht immer zur Freude der Kanzlerin.
Es gibt auch kritische Stimmen zu seinem Ruf ins Bundeskabinett, denn als Wirtschaftsfachmann hat sich der Franke bisher nicht hervorgetan.
Seine Erfahrungen in der Wirtschaft beschränken sich auf die Tätigkeit als geschäftsführender Gesellschafter der Guttenberg GmbH, einem Familienunternehmen mit drei Mitarbeitern, welches das Vermögen der Adelsfamilie verwaltete.
Bei Arcandor und Opel spricht sich Guttenberg offen für eine Insolvenz aus und droht sogar mit Rücktritt.
Sein Kalkül lautet: Sich nicht nur äußerlich von der Masse der Politiker abheben, sondern auch unpopuläre Maßnahmen vertreten.
Der Politologe Ulrich Sarcinelli sieht Guttenberg als inszenierten "Anti-Typ" des üblichen Politikers, ...
... der unbequeme Wahrheiten offen kommuniziert und Konflikte nicht unter den Teppich kehrt.
Erst als aufgedeckt wird, dass er eine externe Anwaltskanzlei zur Erarbeitung eines Gesetzentwurfs beauftragt hatte, ...
... gerät Guttenberg erstmals ernsthaft in die Kritik.
Trotzdem holt der populäre Politstar bei der Bundestagswahl 2009 in seinem Wahlkreis Kulmbach bundesweit unerreichte 68,1 Prozent der Erststimmen.
Nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) (r) wird Guttenberg dessen Nachfolger ...
... und kehrt in sein angestammtes Arbeitsgebiet Außen- und Sicherheitspolitik zurück.
Kaum im Amt, enthebt er Ende 2009 kurzerhand die beiden höchsten Mitarbeiter seines Ministeriums ihrer Posten: Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und ...
... Staatssekretär Peter Wichert.
Begründung: Sie hätten ihm wichtige Berichte über die Bombardierung zweier Tanklaster in der Nähe des nordafghanischen Kundus nicht vorgelegt.
Beide wehren sich und beharren vergeblich auf ihrer Version, den Minister letztlich unterrichtet zu haben.
Für zunehmend kritische Stimmen sorgt auch das öffentlichkeitswirksame Auftreten des sendungsbewussten Barons mit dem sorgsam gegelten Haar.
Guttenberg weiß die Kraft der Bilder geschickt für sich zu nutzen und ...
... posiert mal auf dem New Yorker Times Square, ...
... mal mit Splitterschutzweste in Begleitung von Bundeswehrsoldaten.
Höhepunkt ist die umstrittene Afghanistan-Reise im Dezember 2010: ...
In Begleitung seiner Frau und ...
... des TV-Moderators Johannes B. Kerner besucht Guttenberg die deutschen Truppen am Hindukusch ...
... und tritt in einer vor Ort arrangierten Talkshow auf.
Aus den Reihen der Opposition hagelt es daraufhin scharfe Kritik an der "Guttenberg-Show", die nur der Selbstinszenierung diene.
Guttenbergs Pläne zur Bundeswehrreform stoßen indes auch in den eigenen Reihen auf Widerstand.
Sein Vorschlag, die Truppe zu verkleinern und die Wehrpflicht auszusetzen, ...
... treibt insbesondere ältere Hardliner in der Union auf die Barrikaden.
Mit der eiligen Suspendierung des "Gorch Fock"-Kommandanten hat Guttenberg zusätzlich Kredit bei den Streitkräften verspielt.
Kritiker sehen das "Medienphänomen Guttenberg" deshalb als Opfer seines eigenen Kommunikationsstils: ...
Für strahlende Helden sei eben auch die Fallhöhe besonders groß.
Der letzte und entscheidende Vorwurf gegen Guttenberg ergibt sich aus seiner Doktorarbeit.
Der CSU-Politiker gibt zu, Textpassagen abgekupfert zu haben. Ihm wird der Doktortitel entzogen.
Damit wächst nach dem Wirbel um die Bundeswehr-Affären der politische Druck auf Deutschlands beliebtesten Politiker.
Bis dato hatten alle Affären, die Guttenberg auf seinem steilen Karriereweg begleiteten eines gemeinsam: ...
... Schaden konnten sie dem fränkischen Adligen nicht.
In Umfragen galt Guttenberg bis zuletzt ungebrochen als Wählers Liebling.
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Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist der beliebteste Politiker Deutschlands. Das behaupten zumindest immer wieder diverse Umfragen.
Jetzt hat der Ruf des charismatischen Dr. jur. jedoch einen Knacks bekommen, denn seinen akademischen Titel könnte er teilweise der Arbeit anderer verdanken.
Seine Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" soll teilweise ...
... aus Beiträgen in Büchern, Zeitschriften und Zeitungen zusammengesetzt sein. Als Zitate wurden die Textkopien oftmals nicht gekennzeichnet.
Doch Guttenberg ist in guter Gesellschaft. Russlands Politik-Schwergewicht Wladimir Putin soll Teile seiner Doktorarbeit dem Buch "Strategic Planning and Policy" aus den USA entnommen haben.
Der ehemalige US-Präsident George W. Bush verwendet in seinen Memoiren "Decision Points" immer wieder Textstellen aus Büchern oder Zeitungsartikeln anderer - ohne zu zitieren.
Der österreichische Europapolitiker Johannes Hahn (ÖVP) soll - wie Guttenberg - Teile seiner Doktorarbeit bei anderen abgeschrieben haben. Folgen hatte das jedoch nicht.
Mitterrand-Berater Jacques Attali veröffentlichte 1982 sein Buch "Histoire du temps", in dem er sich freizügig bei zwei anderen Autoren bediente - ohne darauf hinzuweisen.
Stephen Ambrose (1936-2002) wurde unter anderem als Biograf der US-Präsidenten Dwight Eisenhower und Richard Nixon bekannt. Teile seiner Bücher sollen jedoch aus der Feder anderer Autoren stammen.
Joseph Smith (1805-1844) baute mit dem Mormonentum eine ganze Religion auf einem Plagiat auf. Das angeblich von Gott diktierte "Buch Mormon" ist in weiten Teilen mit diversen Evangelien und Apostelbriefen identisch.
Als der Begriff "Plagiat" noch gar nicht geläufig war, bediente sich auch William Shakespeare (1564-1616) für seine Dramen und Bühnenstücke immer wieder bei anderen zeitgenössischen Autoren.
Der französische Autor Denis Diderot (1713-1784) hat sein Stück "Der natürliche Sohn" teilweise von Carlo Goldonis (1707-1793) "Il Vero Amico" abgeschrieben. Dieses wiederum soll sich stark an Molieres (1622-1673) "Der Geizige" anlehnen.
Auch Bertolt Brecht (1898-1956) soll sich die "Dreigroschenoper" nicht ganz allein ausgedacht haben. Teile davon stammen von dem mittelalterlichen französischen Dichter Francois Villon (1431-1463).
"Lolita" ist das bekannteste Werk des russisch-amerikanischen Autors Vladimir Nabokov (r; 1899-1977). Seine Geschichte von dem frühreifen Mädchen erinnert stark an eine Erzählung gleichen Namens des deutschen Autors Heinz von Lichberg (1890-1951).
Bestsellerautor Dan Brown soll für seinen Roman "Sakrileg" die Thesen des Sachbuchs "Der heilige Gral und seine Erben" der Historiker Michael Baigent und Richard Leigh verwendet haben.
Auch der deutsche Autor Frank Schätzing soll für "Der Schwarm" bei einem Wissenschaftler abgekupfert haben. Die Anschuldigungen des Meeresbiologen hatten jedoch keine Konsequenzen.
Der Kriminalroman "Tannöd" der Schriftstellerin Andrea Maria Schenkel soll laut dem Sachbuchautor Peter Leuschner auf dessen Buch "Der Mordfall Hinterkaifeck" beruhen.
Auch die Nachwuchsautorin Helene Hegemann soll für ihren Bestseller "Axolotl Roadkill" frech abgekupfert haben. Ein Blogger fand einen Teil seiner Texte in ihrem Buch wieder.
In der Musik sorgte unter anderem George Harrison (1943-2001) mit Plagiatsvorwürfen für Schlagzeilen. Sein "My Sweet Lord" erinnert stark an ein Lied der "The Chiffons".
Die "Doors" verwandelten den Song "All Day And All Of The Night" von den "Kinks" als "Hello, I Love You" in einen Welthit.
Dem Deutsch-Rapper Bushido wurden mehrmals Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen. 2010 wurde er wegen Song-Klaus bei der französischen Band Dark Sanctuary vor Gericht zu Schadenersatz verurteilt.
Und Fußball-Legende Karl-Heinz Rummenigge wollte Franz Beckenbauer 2009 mit einem eigenen Gedicht eine Freude machen. Nur stammte das ursprünglich von einer Dichterin aus Hessen.
Auch wir haben uns beim Erstellen dieser Bilderserie übrigens auf anderen Seiten "inspirieren" lassen. Im Gegensatz zu anderen geben wir das auch gerne zu.
Goodbye mit Rock-Hymne: Karl-Theodor zu Guttenberg ist gut eine Woche nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet worden. Der CSU-Politiker sprach kurz vor der Zeremonie von einem schmerzlichen Abschied. Er wolle die nächste Zeit auch für Reue und Buße nutzen. Besonders freue er sich darauf, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Guttenberg schloss mit den Worten: "Gottes Segen der Bundeswehr. Ich melde mich ab." Für die Bevölkerung ist der CSU-Politiker trotz der Plagiatsaffäre weiter der Lieblingspolitiker.
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Der 39-Jährige will nach über acht Jahren in der Bundespolitik offenbar Memoiren über seine bisherige Laufbahn schreiben. Guttenberg kündigte an, "das eine oder andere in der Erinnerung" aufzuschreiben. "Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde", sagte er ironisch mit Blick auf die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit. Sein Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) zollte ihm Respekt. "Was Sie in Ihrer Amtszeit geleistet haben, das wird den letzten Eindruck überdauern." Er betonte: "Wir sollten alle nicht so tun, als seien wir ohne Fehl und Tadel."
Lammert und Schavan nahmen nicht teil Zum höchsten militärischen Zeremoniell der Bundeswehr kamen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und hunderte weitere Gäste. Guttenberg suchte sich für seinen Abschied im Bendlerblock den Rock-Klassiker "Smoke on the Water" von Deep Purple sowie die Märsche "Großer Kurfürst" und "König Ludwig II" aus. Mit dem Großen Zapfenstreich werden neben Verteidigungsministern auch Kanzler und Bundespräsidenten nach dem Ausscheiden geehrt. Viele Spitzenpolitiker blieben der Zeremonie aber fern, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU).
Der CSU-Politiker war in der vergangenen Woche wegen der Affäre um übernommene fremde Texte in seiner Doktorarbeit, die er nicht gekennzeichnet hatte, von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Am Donnerstag übergab er die Amtsgeschäfte an den bisherigen Innenminister de Maizière. Guttenberg schied auch aus dem Bundestag aus, in den er 2002 erstmals gewählt wurde. Nun will er sich um das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen der Plagiatsaffäre kümmern.
Opposition ließt sich entschuldigen Die Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Opposition wollten nicht an dem Zapfenstreich teilnehmen. Als häufigste Begründung wurden lange geplante Wahlkampftermine genannt. Auch Schavan und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verwiesen auf solche Verpflichtungen. Lammert war nach Angaben eines Sprechers bei einer länger geplanten Veranstaltung mit Soldaten in Bonn. Bei der Plagiatsaffäre waren Lammert und Schavan die schärfsten Guttenberg-Kritiker innerhalb der Union. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) nahm am Zapfenstreich teil. Zuvor war dies wegen Wahlkampfterminen unklar.
Das Protokoll des Verteidigungsministeriums hatte erst am späten Mittwochnachmittag E-Mails an Lammert und die Führungen von SPD, Grünen und Linkspartei verschickt. Dies wurde mit "technischen Problemen" begründet. In dem Schreiben wurden die Adressaten "für diese stillose Form" der Einladung um Entschuldigung gebeten.
(dpa, N24)
10.03.2011 20:20 Uhr
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