Der Vorstandschef des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, hat die Klage gegen das Atommoratorium verteidigt. Ein Konzernvorstand müsse nach dem Aktienrecht Vermögensschäden vermeiden und habe daher kaum eine andere Möglichkeit, als zu klagen, sagte Großmann im Deutschlandfunk. Die Klage diene der "Wahrung unserer Rechtsposition" mit dem Ziel, dass wenn ein Schaden eintrete, sich das Unternehmen zumindest bemühen könne, "formaljuristisch diesen Schaden ausgeglichen zu bekommen". Die Höhe einer Schadenersatzforderung bezifferte Großmann nicht, es gehe aber "um einen fühlbaren Betrag."
RWE will die vorläufige Stilllegung seines Alt-Akw im hessischen Biblis nicht hinnehmen und hatte am Freitag vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel Klage gegen die entsprechende staatliche Anordnung eingereicht. Auf dieser Grundlage waren auch sechs weitere ältere Meiler abgeschaltet worden. Großmann betonte, beim Betrieb der Kernkraftwerke und der jetzt anstehenden Überprüfung habe die Frage der Sicherheit Priorität. "Wenn da nichts sicher ist und wenn da eine Gefährdung für Leib und Leben ist, dann werden wir das nicht betreiben", versicherte er. Es dürfe aber keine vorschnellen Festlegungen über endgültige Stilllegungen von Kernkraftwerken geben.
Nach Überzeugung von Großmann wird die Kernenergie auch in Deutschland noch einige Jahre eine Rolle spielen. Einen vollständigen Verzicht auf die Kernenergie schloss Großmann nicht aus, es müsse aber auch über die Kosten eines Ausstiegs gesprochen werden. "Wir sind keine Kreuzritter für die Kernenergie. Wir sind Kreuzritter für eine sichere und verlässliche Energieversorgung, die auch bezahlbar ist in Deutschland", betonte Großmann. Nach seinen Angaben ist RWE schon jetzt in Deutschland der größte Investor in erneuerbare Energien. Der Vorstand versuche, den Energiekonzern so umzustrukturieren, dass er den Zielen der Gesellschaft auch künftig entspreche: "Das heißt also, aus der Kernenergie weg in Erneuerbare reinzugehen. Aber dafür möchten wir natürlich unser Vermögen zusammenhalten."
(AFP)
03.04.2011 11:20 Uhr





