Wege aus der Finanzkrise

G7 beschließen "Aktionsbündel"

Als Reaktion auf die internationale Finanzkrise haben die G7-Finanzminister und Notenbankchefs ein Maßnahmenpalet beschlossen. Erste Schritte sollen binnen 100 Tagen umgesetzt werden.

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Geht es an der New Yorker Wall Street abwärts? Am Freitag tagten die G7-Finanzminister und die Notenbankchefs in Washington und einigten sich auf ein Sofortprogramm.

Die sieben wichtigsten Industrienationen (G7) wollen rasch die dramatischen Auswirkungen der Finanzmarktkrise durch stärkere Kontrollen und härtere Anforderungen eindämmen. Die G7-Finanzminister stimmten bei ihrem Treffen in Washington einem umfassenden Aktionsbündel zu. Die kurzfristigen Schritte sollen bereits binnen 100 Tagen umgesetzt werden, die mittelfristigen bis zum Ende des Jahres. Damit solle die Widerstandsfähigkeit des globalen Finanzsystems auch auf lange Sicht gestärkt, Vertrauen zurückgewonnen und zudem die Marktfunktion verbessert werden. Der Beschluss sei "konkret, einheitlich und zeitnah", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD).

Die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Krise hat sich zur Belastungsprobe für das globale Finanzsystem und die weltweite Wirtschaft mit noch nicht absehbaren Folgen entwickelt. Der IWF befürchtet sogar weltweit Verluste von fast einer Billion US-Dollar. Auf kurze Sicht fordern die G7 von Banken unter anderem die vollständige Offenlegung von Risiken und Abschreibungen. Finanzhäuser sollten zudem ihr Risikomanagement verbessern und falls nötig ihre Kapitalbasis stärken, auch die Finanzaufsicht solle gestärkt werden, erklärten die Minister und Notenbankchefs am Vorabend der gemeinsamen Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank an diesem Wochenende.

Die Turbulenzen in den globalen Finanzmärkten seien noch immer nicht ausgestanden und dauerten länger, als zunächst angenommen, heißt es in der G7-Erklärung weiter. Bundesbankpräsident Axel Weber bezifferte den Umfang der Abschreibungen und Wertberichtigungen der 47 großen, international operierenden Banken als Folge der Finanzmarktkrise in den vergangenen 15 Monaten auf insgesamt rund 225 Milliarden US-Dollar (rund 142 Milliarden Euro). Seinen Angaben zufolge entfallen davon auf Deutschland rund 30 Milliarden Dollar. «Deutschland liegt deutlich hinter den USA und der Schweiz auf Platz drei», betonte er. "Ich glaube, dass wir einen deutlichen Teil der Belastungen hier bereits gesehen haben."

Das nun angestrebte Aktionsbündel fußt auf dem Abschlussbericht des von den Industrienationen getragenen Forums für Finanzstabilitätsforum (FSF), das die Staatengruppe im vergangenen Herbst in Auftrag gegeben hatte, um die Ursachen der Finanzmarktkrise und Schwächen im Finanzsystem zu ermitteln.

Bis zum Jahresende wird unter anderem angestrebt, dass Ratingagenturen strukturierte Anlageprodukte differenzierter bewerten und ihre Methoden deutlich machen. Außerdem sollen die Kapitalanforderungen für eine Reihe von strukturierten Finanzinstrumenten, die oftmals risikoreich sind, erhöht werden. Die Standards für nicht-bilanzwirksame Finanzvehikel sollen zudem verbessert werden. Auch soll die Zusammenarbeit von Aufsichtsbehörden und Zentralbanken enger werden, um Risiken für die Finanzmarktstabilität schneller zu erkennen. Notenbanken sollten zudem in der Lage sein, drohende Bankenzusammenbrüchen aufzufangen.

Steinbrück erneuert Kritik

Beunruhigt äußerten sich die G7-Teilnehmer über die jüngste Entwicklung der Wechselkurse. Es habe in den vergangenen Monaten "bisweilen starke Schwankungen bei den wichtigsten Währungen gegeben, was wir mit Blick auf mögliche Folgen für die Finanz- und Wirtschaftsstabilität mit Sorge betrachten", hieß es. China wurde aufgefordert, seine Währung schneller aufzuwerten.

Steinbrück erneuerte seine Kritik an den jüngsten, pessimistischen Wachstumsaussichten des Internationalen Währungsfonds für europäischen Länder und auch Deutschland. Fast alle europäischen Länder hätten deutlich gemacht, dass sie den Einschätzungen des IWF nicht folgten, sagte der Minister.

"Wir haben den Eindruck, dass es dort erhebliche Unterschätzungen gibt." Es werde offenbar zu schnell von den Verhältnissen in den USA auf die Lage in Europa geschlossen, sagte Steinbrück. Der IWF prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,4 Prozent, während die Bundesregierung an ihrer Vorhersage von 1,7 Prozent unvermindert festhält.

(dpa, N24)

12.04.2008 19:44 Uhr

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