Tiefer Glaube an Zauberei

Malawis Gefängnisse sind voll mit Hexen

Wegen Hexerei sitzen in Malawi fast hundert Frauen im berüchtigten Maula-Gefängnis in der Hauptstadt Lilongwe ein. Sie werden für alles verantwortlich gemacht: Nasenbluten, Aids und Regen.

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Die 73-jährige Ezereti Kampota saß drei Jahre wegen Hexerei im Maula-Gefängnis in Malawis Hauptstadt Lilongwe.

Als der Enkelsohn von Kanthukako Supaunyolo eines Nachts mit Nasenbluten aufwachte, glaubten seine Eltern sofort an einen Fluch. Wegen Hexerei zeigten sie die Großmutter des Jungen an. Die 82-Jährige landete im berüchtigten Maula-Gefängnis in Malawis Hauptstadt Lilongwe, weil sie zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, die sie nicht bezahlen konnte.

Glaube an Hexerei sitzt tief

Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe ASH sitzen bis zu 80 vermeintliche Hexen in den Gefängnissen des südostafrikanischen Landes, manche davon mit Freiheitsstrafen von bis zu sechs Jahren. Der Glaube an Hexerei sitzt tief in dieser ehemaligen britischen Kolonie.

Kanthukako Supaunyolo traf die Verurteilung schwer. "Wie könnte ich mein eigenes Enkelkind verhexen - wofür?", sagt die Frau leise. Zusammen mit der 72-jährigen Liness Nkhukuyalira und einer 62-jährigen Bekannten wurde sie zu einer Geldstrafe von umgerechnet je 23 Euro verurteilt. Für die Frauen, die wie 62 Prozent der Menschen in Malawi von rund 1,35 Euro am Tag leben, eine unerschwingliche Summe.

Einzige Schuld ist arm und alt zu sein

"Wir erlitten diese Ungerechtigkeit, weil wir arm und alt sind", sagt Supaunyolo. "Die Polizei ist übereifrig bei der Verhaftung unschuldiger Leute. Dann klagen sie sie der Hexerei an, was in einem Gericht nicht bewiesen werden kann." Ihre Bekannte Liness pflichtet ihr bei: "In Malawi hassen die Menschen alte Leute. Sie denken, dass jeder, der alt ist, eine Hexe sein muss." In dem südostafrikanischen Land werden Flüche und Zauberformeln für vieles verantwortlich gemacht - seien es ungeklärte Todesfälle, die Ausbreitung von Aids oder ausbleibender Regen.

Die Association for Secular Humanism (ASH) kämpft gegen den Aberglauben bei Justiz und Polizei. Nachdem die Organisation die Geldstrafen beglichen hatte, wurden die drei Frauen freigelassen. "In letzter Zeit gab es eine steigende Zahl von Fällen, in denen Menschen aufgrund von Hexerei-Vorwürfen verhaftet und verurteilt wurden", sagt der Vorsitzende der Gruppe, George Thindwa. "Wir wollen ihre Freilassung erreichen, weil sie 100 Prozent unschuldig sind." Auch die Freilassung von drei weiteren Frauen will die Gruppe erreichen. Sie seien "krank, alt und brauchen dringend medizinische Versorgung", sagt Thindwa. "Sie sind in einer verzweifelten Lage, weil die Gesellschaft sie zu Außenseitern macht.

Gesetz aus dem Jahre 1911

Nach einem Gesetz aus dem Jahr 1911 aus der Kolonialzeit ist es in Malawi illegal, jemanden der Hexerei zu bezichtigen. In der Praxis aber landen statt den Anklägern oft die Beschuldigten im Gefängnis. Verdächtige werden wegen öffentlicher Ruhestörung angeklagt. In Haft kommen sie aber auch, um sie vor der Lynchjustiz aufgebrachter Mitmenschen zu schützen, wie Polizeisprecher Davie Chingwalu betont. Beschuldigungen wegen Hexerei "haben in Malawi einen kritischen Punkt erreicht, und viele Leute üben Selbstjustiz", führt Chingwalu aus.

Ich bin ein Hexenmeister

Während die meisten Angeklagten auf ihre Unschuld pochen, überraschte Medson Gibson Kachilika im vergangenen Jahr ein Gericht mit der Aussage, er verfüge über Zauberkräfte und wolle seinem Gewerbe frei nachgehen. "Ich bin ein Hexenmeister und lehre andere die Praktiken", sagte Kachilika vor Gericht. Sein Fall soll nun vor dem Verfassungsgericht verhandelt werden.

(Felix Mponda, AFP, N24)

22.06.2011 09:32 Uhr

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