Nach Kritik in der Bevölkerung verzichtet die ägyptische Regierung auf Darlehen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Der übergangsweise regierende Militärrat habe sich gegen die Kredite der internationalen Finanzinstitutionen entschieden, sagte der Berater von Ägyptens Finanzminister Samir Radwan, Abdelfattah el Gebali, der Nachrichtenagentur AFP. Damit reagiere die Regierung auf den "Druck der öffentlichen Meinung".
Außerdem habe sie in ihrem Etatentwurf für das Haushaltsjahr 2011/2012 eine Verringerung der öffentlichen Ausgaben eingeplant, um die Staatsschulden abzubauen. Statt auf Kredite von IWF und Weltbank setze Ägypten auf regionale Darlehen sowie Hilfszahlungen, sagte Gebali.
Anfang Juni hatte Finanzminister Radwan eine Einigung mit dem IWF auf einen Kredit in Höhe von drei Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro) bekanntgegeben. Das Darlehen sollte eine Laufzeit von zwölf Monaten haben und einen niedrigen Zinssatz von 1,5 Prozent.
Unter den wochenlangen Protesten gegen den langjährigen Präsidenten Husni Mubarak, der im Februar schließlich zurücktrat, hatte vor allem der Tourismussektor, eines der Standbeine der ägyptischen Wirtschaft, gelitten. Wegen der wirtschaftlichen Probleme häufte sich ein Staatsdefizit von umgerechnet 20 Milliarden Euro an. Dennoch löste der geplante IWF-Kredit Kritik in der Bevölkerung aus.
Ägypten setzt nun vor allem auf die Hilfe zweier finanzkräftiger arabischer Länder. Der Golf-Staat Katar plant demnach Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Dollar in Ägypten, Saudi-Arabien stelle vier Milliarden Dollar als langfristige Kredite und nicht rückzahlbare Hilfen bereit.
(AFP)
25.06.2011 12:48 Uhr





