EU stoppt Einfuhr

Ägyptische Samen als EHEC-Quelle überführt

Die EHEC-Krise scheint aufgeklärt: Samen aus Ägpyten brachten den Darmkeim nach Europa. Die EU verhängte ein Importverbot. Die Ermittlungen gegen den Bienenbütteler Sprossenhof wurden eingestellt.

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Die Ermittlungen gegen den verdächtigen Sprossenhof in Bienenbüttel wurden mittlerweile eingestellt.
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Es ist ein unappetitliches Thema. Dennoch kann man sich ihm nicht entziehen, denn es geht um unser "täglich Brot". Immer wieder ...
... erschüttern Lebensmittelskandale und Nutztierkrankheiten das Vertrauen der Verbraucher. Jetzt schrillen erneut die Alarmglocken.
Offenbar durch mit Tierkot verunreinigtes Gemüse sind gefährliche EHEC-Bakterien in Umlauf gebracht worden. Die aggressiven Keime ...
... verursachen beim Menschen heftigen Durchfall und Erbrechen. Sie greifen die Darmwand und die Blutgefäße an. Innerhalb weniger Tage ...
... haben sich hunderte Menschen damit angesteckt. Viele mussten sich mit schweren Symptomen im Krankenhaus behandeln lassen.
Erst Anfang 2011 hatte der Dioxin-Skandal das Vertrauen der Menschen in das Frühstücksei erschüttert. Durch gepanschte Futtermittel gelangte ...
... Ende 2010 giftiges Dioxin in Eier und Eiprodukte. Bundesweit wurden tausende Geflügelhöfe zeitweilig gesperrt und viele Tiere vorsorglich getötet.
Als Quelle der Verunreinigung wurde eine Firma festgestellt, die Fette eines Biodieselherstellers zur Produktion von Futtermitteln genutzt hatte.
Zwischen 2005 und 2009 verunsicherte die Vogelgrippe viele Verbraucher. Dabei blieb diese in Deutschland eine reine Tiererkrankung.
In asiatischen Ländern kamen durch den durch Geflügel und Geflügelfleisch übertragenen H5N1-Virus aber auch zahlreiche Menschen ums Leben.
Um die Gefahr einer Epidemie einzudämmen wurden auch in Deutschland viele Tiere getötet und zahlreiche neue Verbote für die Geflügelzucht erlassen.
Im April 2009 sorgten Berichte über Lebensmittel-Imitate bei Verbrauchern für Empörung. Hersteller verkauften, für den Käufer kaum erkennbar, ...
... billige Industrieprodukte wie Analogkäse oder Klebefleisch als hochwertige Lebensmittel. Seitdem hat sich die Kennzeichnung der Produkte ...
... gebessert. Im Umlauf sind die industriell hergestellten Lebensmittelfälschungen (im Bild: Krabbenfleisch-Imitat aus Fischeiweiss) aber weiterhin.
Ein Skandal ist es auch, wenn Fleisch - anders als angegeben - eben doch nicht frisch ist. Gammelfleischskandale gibt es im Grunde schon immer.
In den letzten Jahren scheinen sich Fälle, in denen verdorbenes oder minderwertiges Fleisch tonnenweise verarbeitet wurden, aber zu häufen. Für manche Hersteller ...
... ist die Verarbeitung der stinkenden Fleischabfälle ein zu lohnendes Geschäft, als dass sie sich von Verboten und Kontrollen einschüchtern ließen.
Im August 2008 hatte die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch vor zu viel Uran im deutschen Trinkwasser gewarnt. Bei jeder achten Probe ...
... lagen die Werte demnach über den Grenzwerten für Säuglinge beim Mineralwasser. Einige Monate später zeigte sich allerdings, dass selbst beim ...
... Flaschenwasser mitunter bedenklich hohe Uranwerte vorlagen. Der Gesetzgeber hat bis heute nicht reagiert. Einige Hersteller senkten von sich aus den Uran-Gehalt ihrer Wässer.
Seit 1958 ist in Deutschland der Einsatz von Hormonen bei der Tiermast verboten. Dennoch gibt es immer wieder Funde von hormonbelastetem Fleisch.
Spektakuläre Fälle wurden in den Jahren 2001 und 2002 bekannt, als ein florierender Handel mit entsprechenden Produkten aufflog und die Verarbeitung ...
... hunderter hormonbelasteter Schweine bekannt wurde. Bereits 1998 hatte die EU gewarnt, dass die Kontrollen in Deutschland unzureichend seien.
Zwischen 2001 und 2002 wurde in Eiern und in Geflügelfleisch das verbotene Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen nachgewiesen.
Die krebserregende Substanz war in einem früheren Lager, für das seit 1980 verbotene Herbizid, in dort eingelagertes Futtergetreide gelangt.
Über das Futtermittel gelangte das Nitrofen zu den Hühnern und durch das Geflügelfleisch letztlich auch in den Handel.
Mitte der 1980er Jahre trat in Großbritannien eine bis dahin unbekannte Hirnerkrankung bei Rindern auf. Bis heute erkrankten dort zehntausende Tiere ...
... an BSE. In Deutschland sind es seit dem Jahr 2000 zumindest einige hundert, bei denen dies nachgewiesen wurde. BSE steht im Verdacht, beim Menschen die ...
... Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auszulösen. Die Verarbeitung von bestimmten Körperteilen ist daher verboten. Erkrankte Tiere müssen getötet und vernichtet werden.
1987 verdarb ein Fernsehbericht über eine bestimmte Art von Parasiten den Deutschen den Appetit auf Meeresfisch. In den Fischen waren ...
... so genannte Nematoden (Bild) entdeckt worden. Im Jahr 1997 tauchten die Fadenwürmer erneut auf. Bei der Verarbeitung von Fisch muss seitdem ...
... auf das Vorhandensein der Parasiten geachtet werden. Verbrauchern wurde empfohlen, Fisch nur gut durchgegart zu verzehren.
Im Jahr 1985 hatte ein Lebensmittelskandal sogar das Vertrauen der Deutschen in den Wein erschüttert. In gepanschten Sorten aus ...
... Deutschland und Österreich fand man bedenkliche Mengen des giftigen Frostschutz- und Lösungsmittels Diethylenglycol.
Millionen Flaschen mussten damals vom Markt genommen werden. Vergiftungsfälle gab es jedoch nicht.
Video: Darmseuche - EHEC-Erreger in Bach
Video: Darmseuche - Mensch überträgt EHEC-Keim auf Essen

Im Zuge der EHEC-Krise stoppt die Europäische Union vorrübergehend die Einfuhr bestimmter Sprossensamen aus Ägypten. Außerdem müssen alle Bockshornkleesamen, die zwischen 2009 und 2011 in die EU geliefert worden sind, europaweit sofort vom Markt genommen werden. Bevor sie allerdings zerstört werden, sollen von ihnen Proben genommen werden. Das teilte die EU-Kommission mit. Das Importverbot soll zunächst bis Ende Oktober gelten. Er greift auch bei Sojabohnen und Ölsamen.

Zuvor hatte die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Italien eine Lieferung ägyptischer Bockshornkleesamen für die EHEC-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich verantwortlich gemacht. Sie hatte, wie auch die deutschen Behörden, eine "Task Force" eingerichtet, um die Ursachen der EHEC-Ausbrüche zu ergründen.

Sprossen-Hof ist entlastet

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erklärten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, Bockshornkleesamen aus Ägypten seien mit hoher Wahrscheinlichkeit für die EHEC-Ausbrüche verantwortlich. "Das Infektionsgeschehen, das auf den niedersächsischen Gartenbaubetrieb zurückzuführen ist, ist aufgeklärt in Deutschland", bekräftigte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Sämtliche Ausbrüche an 41 Orten seien auf den Betrieb in Bienenbüttel zurückzuführen, der ägyptische Samen bezogen hatte. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg stellte unterdessen die Ermittlungen gegen den Sprossen-Hof ein. Den Verantwortlichen sei kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen, teilte eine Behördensprecherin mit. Es hätten sich keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Geschäftsführer frühzeitig Kenntnis von einer Verunreinigung erhalten und die Sprossen trotzdem weiter vertrieben hätten. Die Verantwortlichen des Hofs hätten die gesetzlichen Anforderungen im Lebensmittelbereich erfüllt, es sei ihnen weder vorsätzliches noch fahrlässiges Verhalten nachzuweisen.

EHEC-Epidemie fordert 49 Tote

Die Bockshornkleesamen seien über zahlreiche Vertriebswege in viele Mitgliedstaaten der EU sowie in Drittländer vertrieben worden, sagte BVL-Präsident Helmut Tschiersky-Schöneburg. Laut EU-Kommission importiert die EU Samen hauptsächlich aus Indien und China.

Die EHEC-Epidemie seit Anfang Mai war die bislang größte beschriebene in Deutschland. Es infizierten sich laut RKI mehr als 4000 Menschen mit dem gefährlichen Darmkeim. 851 davon erkrankten an der schweren Komplikation hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). Der HUS-Ausbruch gilt als weltweit größter. 49 Menschen starben. "Der Ausbruch ist nahezu vorbei", erklärte RKI-Präsident Reinhard Burger. Er rief dennoch zur Hygiene und Wachsamkeit auf: "Der Erreger ist nicht aus der Welt."

Spanien will "Gurken"-Wiedergutmachung

Zunächst waren spanische Gurken als Quelle der EHEC-Epidemie verdächtigt worden. Die deutschen Behörden verhängten daraufhin ein Einfuhrverbot. Später stellte sich dieser Verdacht als falsch heraus. Spanien verlangt jetzt von der EU eine Ausgleichszahlung in Höhe von 80 Millionen Euro für die Verluste spanischer Gemüseanbauern durch die "Gurkenkrise" in Deutschland. Dies kündigte die spanische Umweltministerin Rosa Aguilar an.

Sowohl die EFSA als auch die deutschen Behörden bekräftigten ihren Ratschlag an die Verbraucher, keine Sprossen für den eigenen Konsum zu ziehen und Sprossen nur gründlich gekocht zu verzehren. BfR-Präsident Andreas Hensel wies darauf hin, dass Bockshornkleesamen unter anderem auch in Gewürzen und Käse verwendet werden. Dafür plane die Behörde eine gesonderte Risikobewertung.

(dpa, N24)

05.07.2011 21:10 Uhr

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