Polizei verstärkt Präsenz

Neue Ausschreitungen auf der Insel

In Großbritannien haben am Dienstagabend einzelne Randalierer wieder für Unruhe gesorgt. In Manchester wurde ein Modehaus in Brand gesteckt. Auch aus anderen Städten wurden Vorfälle gemeldet.

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In Manchester steckten Randalierer ein Modehaus in Brand. (AFP)
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Plünderei, Brandstiftung, sinnlose Gewalt: London versinkt im Chaos. Britische Kommentatoren sprechen bereits von den schlimmsten Krawallen seit 1981. Damals kam es zu heftigen Zusammenstößen … (AFP)
… zwischen der Polizei und der mehrheitlich afro-karibischen Bevölkerung in Brixton, Südlondon. Die hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Wohnsituation und eine hohe Kriminalitätsrate ... (AP)
... führten die Menschen auf die Straße. 30 Jahre später stehen wohl ähnlich komplexe Beweggründe hinter den Krawallen – aber es sind nicht nur die ethnischen MInderheiten, die randalieren. (dpa)
An den Plünderungen beteiligen sich junge Leute aller Hautfarben, die sonst meist friedlich in der 7,5-Millionen-Metropole London zusammenleben. Immerhin hat fast jeder dritte Londoner heute ausländische Wurzeln. (AP)
Die Vielfalt der britischen Hauptstadt hängt mit der langen Kolonialgeschichte des Landes zusammen und spiegelt sich in ihren Stadtvierteln. Den größten Anteil bilden so zum Beispiel die Inder mit mehr als 400.000 Menschen. (AFP)
Frust über Rassismus durch die Polizei ist wohl kaum der einzige Grund für den Gewaltausbruch. Paul Brant, Politiker aus Liverpool, verurteilte auf BBC Radio die Krawalle als Ausdruck "purer Kriminalität", als Ausrede, um Geschäfte auszurauben. (AFP)
Wieso aber legen junge Menschen eine solche Moral an den Tag? Angesichts der globalen Wirtschaftskrise wären die aktuelle Finanzlage und die Sparpolitik der Regierung die einfache Antwort. (AFP)
In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Protesten gegen Pensionskürzungen und steigende Studiengebühren. Allerdings sind die Auswirkungen der Sparmaßnahmen bei der Bevölkerung noch gar nicht richtig angekommen. (AFP)
Die Arbeitslosenquote ist stabil. In Tottenham liegt die Quote, wenn auch doppelt so hoch wie im Rest der Insel, mit 8,8 Prozent immer noch "im Rahmen". Allerdings sind viele hoch verschuldet. (AP)
Die Regierung förderte über Jahre ein Konsumverhalten, das zum Großteil auf Pump basierte. Dieser überbordende Kaufrausch sollte - und tat es bis Herbst 2008 auch - die heimische Wirtschaft ankurbeln. (AFP)
Wie die Schulden auf dem Bankkonto ist die Gewalt in London kein Phänomen, das über Nacht und aufgrund der Wirtschaftskrise über die Metropole hereinbrach. Das soziale Ungleichgewicht in Großbritannien ... (AP)
... ist berüchtigt. Laut dem OECD ist das Klassensystem so festgefahren wie in keinem anderen entwickelten Land - einmal Arbeiterklasse, immer Arbeiterklasse. Ob "Shavs", "Neds" oder wie auch immer diese Klasse … (AFP)
… ohne Perspektive im regionalen Dialekt genannt wird, die Frustration in dieser Gruppe ist immens. Und wie der "Guardian" die Forscher Richard Wilkinson und Kate Pickett zitiert: Soziale Probleme - Kriminalität, schlechte Gesundheit, Depressionen - (AFP)
... sind in ungleichen Gesellschaften größer als in solchen, wo der Reichtum gleichmäßig verteilt ist. "Das ist der Aufstand der Arbeiterklasse. Wir verteilen den Wohlstand um", begründet der 28-jährige Bryan Phillips dementsprechend seinen Protest. (AP)
Der tödliche Schuss eines Polizisten auf Mark Duggan war nur der Funke in einem Pulverfass. "Es gibt seit langer Zeit Spannungen", sagt der Lehrer Matthew Yeoland in Peckham. "Diese Kinder sind nicht glücklich. Sie hassen die Polizei." (AP)
Es gehe zu wie in einem Kriegsgebiet, "und die Polizei hat nicht reagiert". Die berüchtigte Härte der britischen Polizei trägt kaum zur Besänftigung der Massen bei. Ob die britische Politik einlenkt, scheint fraglich. (AP)
Premier David Cameron schickte jedenfalls umgehend eine Warnung an die Randalierer: "Wenn ihr alt genug seid, um diese Verbrechen zu begehen, dann seid ihr auch alt genug für eine Strafe." (AFP)
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Bei den schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten kommt am 9. August in London ein Mensch ums Leben. Er liegt erschossen in einem Auto. (AP)
Die Ursache der Proteste ist tragischer Weise ebenfalls ein Todesopfer. (AP)
In der Nacht zum 7. August erschießen Polizisten den 29-jährigen farbigen Mark Duggan und provozieren damit die schlimmsten Krawalle in London seit über 20 Jahren. Die Ausschreitungen beginnen ... (AFP)
... nach dem Tod des vierfachen Familienvaters im Londoner Stadtteil Tottenham und breiten sich in der Folgenacht auf andere Stadtteile aus, darunter den sozialschwachen Bezirk Brixton und die Einkaufsmeile Oxford Street im Zentrum. (DPA)
Zahllose Brände beleuchten in den folgenden Nächten den Himmel über der britischen Hauptstadt. Auch in Liverpool, Birmingham und Bristol gehen vermummte Jugendliche ... (DPA)
... auf die Straßen und setzen Fahrzeuge und Häuser in Brand. Im Stadtteil Croydon brennt ein ganzer Straßenzug, aus einem Möbellager ... (DPA)
... schlagen noch in der Nacht meterhoch die Flammen. Polizei und Feuerwehr scheinen völlig überfordert. In Ealing im Westen gehen ... (DPA)
... maskierte Jugendliche auf Raubzug und setzen dabei Mülltonnen in Brand. Zahlreiche Schaufenster gehen zu Bruch. "Es sieht aus ... (DPA)
... wie in einem Kriegsgebiet", zitiert die britische Agentur PA einen Augenzeugen. In dem Bezirk sind zunächst nur wenige Polizisten im Einsatz. Auch in den Stadtteilen ... (AFP)
... Clapham, Peckham, Hackney und Lewisham gibt es am Folgetag Krawalle. In Clapham steht in der Nacht ein Wohnhaus in Flammen. (DPA)
In Ealing geht ein Lager des Elektronik-Riesen Sony in Flammen auf. Augenzeugen erzählen, dass ... (DPA)
... sich zunächst Plünderer "bedient" hätten, ehe sie das Lager anzündeten. Ein nahe gelegenes Hotel muss evakuiert werden, rund 200 Gäste bringen sich in Sicherheit. (DPA)
Schließlich schwappen die Krawalle in andere Regionen Englands über. Auch in Birmingham plündern Vermummte Juwelierläden und Elektronik-Geschäfte und ... (AP)
... setzen eine Polizeiwache in Brand. Auch in Bristol kommt es zu Gewalt. (DPA)
Aus Liverpool kommen Berichte über chaotische Szenen, von der Polizei als "isolierte Ausbrüche von Unruhen" umschrieben. Augenzeugen berichten ... (DPA)
... laut PA, dass mehrere hundert Vermummte in den Straßen vorbeifahrende Autos stoppen, die Insassen zum Aussteigen zwingen ... (DPA)
... und anschließend die Fahrzeuge in Brand setzen. Insgesamt verhaftet die Polizei in London und Birmingham ... (AP)
... bis zum Morgen des 9. August fast 350 verdächtige Personen. Die Polizei entsendet schließlich 16.000 Beamte ... (AP)
... in die "Krisengebiete" Londons. Zuvor hatten sich Betroffene ... (AFP)
... über unzureichende und verspätete Polizeieinsätze beschwert. Geplünderte Geschäfte sind in London ... (AFP)
... zu dieser Zeit keine Seltenheit. "Was hier passiert, kann einfach nicht ... (AP)
... entschuldigt werden", sagt Scotland Yard-Chefin Christine Jones zu den Szenen auf den Straßen Londons. (AFP)
Video: Krawalle in London - Ganzer Straßenzug verwüstet
Video: Krawalle in London - Autos und Häuser in Brand gesetzt
Video: Krawalle in London - 29-Jähriger starb durch Polizeikugel
Video: Premier Cameron - Hartes Durchgreifen gegen Randalierer
Video: Krawalle in England - Premier Cameron will hart durchgreifen

Die Gewalt nimmt kein Ende: Die Londoner Krawalle haben ein erstes Menschenleben gekostet und breiten sich auch auf andere englische Städte aus. Nach drei Nächten mit Plünderungen, Straßenschlachten und Bränden soll jetzt ein massives Aufgebot von 16.000 Polizisten auf den Straßen der Hauptstadt für Ruhe und Sicherheit sorgen. Der aus dem Italien-Urlaub zurückgeeilte Premierminister David Cameron berief für Donnerstag eine außerplanmäßige Sitzung des Parlaments ein und drohte zugleich den Randalierern mit harter Hand.

Während es in London bis zum Dienstagabend verhältnismäßig ruhig blieb, brannte in der Innenstadt von Manchester ein Modehaus. Hunderte Randalierer waren zuvor durch die Stadt gerannt, vereinzelt gab es Plünderungen. Auch aus Städten wie Wolverhampton oder West Bromwich bei Birmingham wurden Krawalle gemeldet.

26-Jähriger erliegt Schussverletzungen

"Wer alt genug ist, Straftaten zu begehen, ist auch alt genug, um bestraft zu werden", sagte Regierungschef Cameron am Dienstag. Bis zum Nachmittag waren weit mehr als 500 Randalierer festgenommen worden. Die Arrestzellen im Stadtgebiet waren schon überfüllt. "Wir werden alles tun, um die Ordnung wieder herzustellen", versprach Cameron, der auch alle Polizisten aus dem Urlaub zurückrief. Im Vergleich zum Montag verdreifachte sich fast die Zahl der Einsatzkräfte auf der Straße. 111 Polizisten wurden in den ersten drei Krawallnächten verletzt, einige von ihnen schwer. Sie erlitten Knochenbrüche und Augenverletzungen. Auch fünf Polizeihunde wurden verwundet.

Mit zahlreichen brennenden Wohnhäusern, Lagerhallen und Geschäften sowie hunderten zerbrochener Schaufensterscheiben war die Nacht zum Dienstag die bisher schwerste Krawallnacht. Es gab Berichte über Gewalt, Brände und Plünderungen aus acht Stadtvierteln der Millionen-Metropole: von Ealing im Westen bis Hackney im Osten, von Croydon im Süden bis Camden im Norden. Ein 26-jähriger Mann erlag im Krankenhaus seinen Schussverletzungen, nachdem Beamte ihn am Montag im Londoner Stadtteil Croydon schwer verletzt aus einem Auto gezogen hatten.

Duggan hat nicht geschossen

Die britischen Zeitungen titelten mit einem Bild, auf dem eine Frau aus dem Obergeschoss eines brennenden Gebäudes in die Arme von Rettern springt. Augenzeugen bedachten die Bilder immer wieder mit Vergleichen wie "Kriegsgebiet" und "Bürgerkrieg". So etwas habe London seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt, kommentierte eine BBC-Reporterin.

Die Krawalle waren am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham ausgebrochen und hatten sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebreitet. In der Nacht zu Dienstag gab es erstmals auch Ausschreitungen in Liverpool, Birmingham und Bristol. Auslöser war der Tod eines 29 Jahre alten, dunkelhäutigen Familienvaters, der von der Polizei erschossen worden war. Ballistische Untersuchungen ergaben, dass jener Mark Duggan selbst nicht auf die Polizisten geschossen hatte. Das hatte Scotland Yard aber zuvor behauptet.

"Steht nicht bloß herum!"

Die Polizei war mit der Randale in der Nacht zum Dienstag völlig überfordert. Scotland Yard beschrieb die Gewalt als die "Schlimmste in der jüngeren Geschichte". Das Sicherheitskabinett entschied sich trotz zahlreicher anderslautender Aufrufe aus Polizei und Militär aber dafür, die Polizeitaktik nicht zu ändern und weitgehend passiv zu bleiben. Armee und Wasserwerfer sollen nicht zum Einsatz kommen. Allerdings erwägt die Polizei inzwischen den Einsatz von Gummigeschossen.

"Steht nicht bloß herum!", hatte der "Daily Telegraph" zuvor über einem Bild von Polizisten geschrieben, die vor einem brennenden Haus stehen. "Das ist nicht die Art, wie wir in Großbritannien Polizeiarbeit machen", konterte Innenministerin Theresa May. Die Beamten hatten vor allem Probleme mit den Jugendlichen, weil sie sich als "kleine und mobile" Gruppen über Internet und Smartphones organisierten und schnell von einem Ort zum nächsten weiterzogen.

Politik rätselt über Ursachen

Cameron sagte, es sei noch mit deutlich mehr Festnahmen zu rechnen. Scotland Yard veröffentlichte im Internet eine Liste mit Fotos von Tatverdächtigen. Die Polizei erhofft sich Hinweise aus der Bevölkerung. Am Nachmittag traf sich Cameron mit Polizisten und Feuerwehrleuten im schwer betroffenen Stadtteil Croydon.

Bei der Ursachenforschung tappt die Politik noch völlig im Dunkeln. Der Leiter des Londoner Zentrums für Soziale Gerechtigkeit, Gavin Poole, machte die Lebensumstände einer ganzen Generation vernachlässigter Jugendlicher für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich: "Sie glauben, dass sie nichts zu verlieren haben und niemandem Rechenschaft schuldig sind."

Läden vorzeitig geschlossen

Polizeioffizier Stephen Kavanagh erklärte, das Profil der Krawallmacher habe sich seit Beginn der Ausschreitungen am Wochenende geändert. Während in den ersten beiden Nächten vor allem 14- bis 17-Jährige beteiligt gewesen seien, hätten in der Nacht zum Dienstag Gruppen älterer Randalierer mit Autos die Plünderungen organisiert.

In London bereiten sich die Bürger unterdessen auf eine erneute Nacht mit Krawallen vor. In zahlreichen Teilen der Stadt schlossen Einkaufszentren und Läden vorzeitig. Als vorbeugende Maßnahme wurden außerdem mehrere Fußballspiele verschoben. Der englische Fußball-Verband (FA) sagte das für Mittwoch geplante Freundschaftsspiel der Engländer gegen die Niederlande ab. In der Nacht waren bereits zwei für Dienstag geplante Spiele des englischen Ligapokals verschoben worden.

(dpa, N24)

09.08.2011 22:41 Uhr

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