Medienwoche@IFA 11

Assange über Wikileaks und Transparenz

Julian Assange hat die Medien für das Datenleck bei Wikileaks verantwortlich gemacht. In einer Keynote auf der MEDIENWOCHE@IFA 11 legte Assange seine Sicht der Dinge dar.

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Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Video: Keynote auf Medienwoche - Assange zur Zukunft der digitalen Öffentlichkeit
Video: N24-Exklusivinterview - Assange zur Datenpanne bei Wikileaks
Video: Datenleck bei Wikileaks - Assange zur veröffentlichung der Daten
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Kaum eine Person beherrschte 2010 derart die Schlagzeilen in den Medien weltweit wie der Australier Julian Assange. Allenfalls US-Präsident Barack Obama ...
... oder der chinesische Dissident Liu Xiaobo fanden ebenso viel Aufmerksamkeit. Xiaobo bekam für seinen Einsatz für Freiheit und Demokratie ...
... den Friedensnobelpreis. Für viele Anhänger Assanges ist auch der 39-Jährige auf dem besten Weg, irgendwann diese Würdigung zu erlangen.
Assange ist das bekannteste Gesicht der Enthüllungsplattform Wikileaks. Seit der Gründung im Jahr 2006 ist er mit an Bord. Allerdings ist er, ...
... anders als vielfach behauptet, nicht "der" Gründer von Wikileaks. Er selbst wies bei vielen Gelegenheiten auch immer wieder darauf hin. Wegen seiner Arbeit für Wikileaks, ...
... ungeachtet des immer stärker werdenden politischen Drucks, wird Assange von seinen Anhängern als Rebell und Revolutionär gefeiert. Manche sehen in ihm ...
... gar eine Art Che Guevara der Informationsgesellschaft. Auch wenn der Vergleich problematisch ist, ein Blick auf Assanges Biografie offenbart durchaus den Revoluzzer.
Assange wuchs in einer Künstlerfamilie auf, wechselte immer wieder den Wohnort und die Schule. Später studierte er in Melbourne Physik. Bereits in den 1980er Jahren ...
... sammelte Assange Erfahrungen mit der Informationstechnik. Mit einem C64 und gemeinsam mit Gleichgesinnten verübte er zahlreiche Hacker-Attacken und wurde dafür ...
... in Australien 1992 zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt. Assange befürwortet den so genannten "Krypto-Anarchismus". Seiner Ansicht nach ...
... besteht ein unverantwortliches Ungleichgewicht zwischen den vielen Informationen, welche die Staaten über ihre Bürger haben, und der relativen Ahnungslosigkeit ...
... der Bürger über das Handeln der Politiker und Staaten. Für Assange führen zwei Wege aus diesem Dilemma: Die Bürger müssen ihre Daten (zum Beispiel mit den Mitteln der Kryptografie) ...
... vor dem Zugriff durch den Staat schützen. Und die Menschen müssen aus unabhängigen Quellen verschlossen gehaltene Informationen über das Wirken der Staaten erhalten.
Genau diese Aufgabe erfüllt die Enthüllungsplattform Wikileaks. Seit ihrem Bestehen wurden dort Hunderttausende vertrauliche Dokumente veröffentlicht.
Viele der Geheimpapiere handeln von den Kriegen im Irak und in Afghanistan und offenbaren teils drastische Verfehlungen der ausländischen Truppen.
Andere Dokumente enthalten vertrauliche Berichte aus US-Botschaften weltweit über Politik und Politiker des jeweiligen Landes. Assange selbst bezeichnete ...
... seine Arbeit für Wikileaks als antiautoritäres und anarchistisches Handeln. Insbesondere die US-Regierung hält ihn hingegen für einen Verräter und Verbrecher.
Assange wurde bereits mehrfach verklagt und verhaftet - stets erfolglos. Jetzt hat der Netzaktivist erneut juristischen Ärger. Von der schwedischen Justiz wurde im November ...
... im Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Auch Interpol suchte nun nach ihm. Am 7. Dezember ...
... stellte sich Assange schließlich in London der Polizei, wehrt sich aber gegen eine Auslieferung nach Schweden. Aus Protest gegen das angeblich politisch motivierte Verfahren ...
... legten seitdem Hacker aus aller Welt Internetseiten von Unternehmen lahm, die sich gegen Assange oder Wikileaks stellten. Andere Anhänger des Australiers ...
... trugen ihren Protest auf die Straße und forderten die Freilassung von Julian Assange. Wikileaks selbst hat von all dem Rummel sogar noch profitiert.
Die Enthüllungsseite hat heute so viele Unterstützer wie nie zuvor und auch die Spenden sollen seit Assanges Festnahme zugenommen haben.
Wikileaks-Mitgründer Julian Assange hat sich auf der IFA in Berlin mit einer Videobotschaft an die Medien gewandt.

Julian Assange ist Superstar und umstrittener Kopf zugleich. An diesem Dienstag füllt der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks den Saal 3 des Berliner Kongresszentrums. Und Assange diktiert die Bedingungen: Er liest vom Blatt ab und stellt sich einigen Fragen einer moderierenden Journalistin, nicht aber des Publikums. Video- und Tonaufnahmen lässt er verbieten. Wer ihm zuhören will, der muss sein Handy ausschalten.

Assange setzt an, um weitere Verschwörungstheorien zu nähren. Australien etwa habe umfassende Ermittlungen gegen ihn eingeleitet, an denen nicht zuletzt auch Geheimdienste beteiligt seien. "Das passiert nicht, weil wir etwa in Australien veröffentlichen oder dort unsere Server stünden", sagt Assange. "Das geschieht allein, weil ich ein australischer Bürger bin." Das zeigte, wie viel Einfluss die USA auf Australien ausübten.

Assange steht weiter unter Hausarrest

Wer Assange lauscht, der kann ihn indes nur auf einer Videowand sehen. Assange lässt sich von einem Landsitz nahe London unter den Berliner Funkturm schalten. Denn derzeit diktiert ihm die Polizei, wo er zu sein hat: Er steht unter Hausarrest, seit etwa neun Monaten bereits. Assange harrt der Dinge, bis ein Londoner Gericht entschieden hat, ob er an Schweden ausgeliefert wird. Dort werfen ihm Ermittler sexuelle Nötigung vor.

Assange nutzt die Chance, um weiter über "die Verbindung zwischen den politischen, den geheimdienstlichen und den finanziellen Mächten" zu reden. Bisweilen 90 Prozent aller Einnahmen seiner Plattform seien vernichtet worden, weil Kreditkartenunternehmen Spenden zurückhielten. "Sie können Geld an den Ku-Klux-Klan überweisen, aber nicht an uns, eine Organisation, die sich für die freie Meinungsäußerung engagiert", kritisiert er.

"Jemand aus Berlin" brachte Depeschen-Passwort in Umlauf

Zwischendurch trinkt Assange aus einem Becher. Unübersehbar steht dort schwarz auf weiß in riesigen Lettern: «Frontline», Frontlinie. Assange kämpft, derzeit um die Glaubwürdigkeit von Wikileaks und damit auch um seine eigene. In den Tagen zuvor ließ er mehr als 250.000 Depeschen der US-Botschaften veröffentlichen, ungeschwärzt und so vor allem mit Namen, die Wikileaks bisher nicht in Umlauf bringen wollte, um sie zu schützen.

Die Enthüllungsplattform und damit auch ihr schillernder Gründer stehen seitdem massiv in der Kritik. Im Kern geht es darum, dass Assange die sensiblen Dateien einst selbst an Dritte weiterreichte, etwa an den britischen "Guardian", das nötige Passwort inklusive. Das Material hatte sich im Netz förmlich verselbstständigt. Zuletzt veröffentlichte zudem ein Reporter das Passwort, außerdem "jemand aus Berlin", sagt Assange dazu. Die Veröffentlichung war für ihn eine Art Flucht nach vorn.

Auf die Frage, ob er mit dem Vorgang zufrieden sei, antwortet Assange kühl: Er habe keine Wahl gehabt. "Damals hatten Task-Forces von Pentagon und CIA die Vernichtung des Materials angestrebt", sagte Assange. "Wären wir das Risiko nicht eingegangen, dann hätte es möglicherweise gar keine Veröffentlichungen gegeben." Am Ende applaudieren fast alle im Saal. Zumindest der Rummel um Julian Assange scheint allen Problemen zum Trotz ungebrochen.

(dapd, N24)

06.09.2011 18:54 Uhr

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