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Abdullah überrascht

Saudi-Arabiens König gibt Frauen Wahlrecht

Saudi-Arabiens alter König, der über 80-jährige Abdullah, überrascht seine Kritiker mit einem Reformschritt. Frauen sollen bei der Kommunalwahl in zwei Jahren wählen und gewählt werden können.

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Das hatte dem alten Abdullah kaum noch jemand zugetraut: Doch der saudische Monarch führt das Wahlrecht für Frauen ein. (dpa)

Saudi-Arabien gehört zu den Ländern, in denen die Frauen dem Mann offiziell untergeordnet sind. Saudische Frauen haben auch im Alter von 60 Jahren noch einen männlichen Vormund. Sie werden im Scheidungsrecht benachteiligt, dürfen nicht Auto fahren und sind in dem islamischen Königreich zu vielen Berufen nicht zugelassen. Daran ändert auch der jüngste Erlass von König Abdullah nichts, der den Frauen das Recht gibt, sich an den Kommunalwahlen zu beteiligen und als Mitglieder des Schura-Rates ernannt zu werden.

Auch eine demokratische Wende ist es nicht. Denn der Rat, dessen Mitglieder vom König ernannt werden, hat nur beratende Funktion - der Herrscher entscheidet letztlich unabhängig. Und die Kommunalräte, von denen die Hälfte ebenfalls vom König ausgewählt werden, haben auch nicht allzu viel zu sagen. Außerdem ist es eine Reform mit Zeitverzögerung. Denn die neuen Schura-Mitglieder werden erst in zwei Jahren ernannt. Und die Frauen sollen nicht schon an der Kommunalwahl in dieser Woche beteiligt werden, sondern erst am nächsten Urnengang, der voraussichtlich in vier Jahren stattfinden wird.

Trotzdem ist die Entscheidung des greisen Monarchen ein Meilenstein auf dem Weg zu einer rechtlichen Aufwertung der weiblichen Bürger und eine Konzession an den arabischen Zeitgeist im Jahr der Revolutionen. "Sie fragten nach einem Apfel, und er gab ihnen einen ganzen Garten", kommentierte eine saudische Frauenrechtlerin die Ankündigung per Twitter. "Yes we can", freute sich eine andere Aktivistin.

Abdullah widerlegt Kritiker

Nachdem der König in einer TV-Ansprache völlig überraschend die Neuigkeit verkündete, gibt es unter jungen Saudis kein anderes Thema mehr. Sie warten auf die Reaktion der konservativen Kleriker des Landes, von denen sich einige in der Vergangenheit schon eindeutig gegen eine Beteiligung der Frauen im Schura-Rat ausgesprochen hatten. Allerdings tun sich die Prediger in der Regel schwer damit, den König öffentlich anzugreifen, der immerhin den Titel "Hüter der heiligen Stätten des Islam" trägt.

König Abdullah, hat nun - indem er den Frauen Rechte gibt, um die nur eine Minderheit von ihnen überhaupt gebeten hatte - viele Kritiker widerlegt. Die hatten ihm in den vergangenen Monaten vorgeworfen, er verteile wahllos Geld an sein Volk, um sie gegen das Virus des arabischen Frühling zu impfen. Da die Folgen seiner Entscheidung zugunsten der Frauen erst nach einigen Jahren zu spüren sein werden, erhält die Gesellschaft Zeit, sich an die Idee zu gewöhnen.

Praktische Umsetzung noch unklar

Gleichzeitig hat der Monarch nun etwas beschlossen, was auch sein Nachfolger nicht mehr so ohne weiteres wird rückgängig machen können. Der König soll zwar vor nicht allzu langer Zeit noch einen Sohn gezeugt haben. Er und der Kronprinz sind jedoch beide nicht bei bester Gesundheit, was seit Jahren für Spekulationen über die Nachfolge sorgt. Die liberalen Saudis wissen auf jeden Fall, wen sie nicht als nächsten König wollen: Prinz Naif, den Innenminister, der sich mehrfach öffentlich gegen die Berufstätigkeit der Frau ausgesprochen hatte.

Spannend wird zu sehen, wie das Dekret von König Abdullah in der Praxis umgesetzt werden wird. Denn in Saudi-Arabien müssen Frauen nicht nur schwarze Schleier und lange Gewänder tragen. Sie dürfen auch keinen direkten Umgang mit Männern haben, mit denen sie weder verheiratet noch verwandt sind.

(Anne-Beatrice Clasmann, dpa, N24)

26.09.2011 11:32 Uhr

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